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Keces Euphony

30.06.2026 // Wolfgang Kemper

Auf der Rückseite bietet der Keces Euphony je ein Paar symmetrischer Ausgänge und Cinch-Alternativen für das analoge Signal. Dazu gesellen sich digitale Ausgänge, ausgeführt als S/PDIF-Koax-Cinch und optisch Toslink. Diese ermöglichen die Verbindung des Euphony als reinen Streamer mit aktiven Lautsprechern über eine digitale Verbindung. Der Anschluss für die WiFi- und Bluetooth-Antenne ist mittig angeordnet. Beim Testgerät fehlte sie. Ich habe den Euphony ohne jegliches Zubehör bekommen. Deshalb kann ich die interessante Bluetooth-Anbindung nicht überprüfen. Die soll nämlich als Ausgang nutzbar sein und das Musiksignal auf ein Android- oder iOS-Gerät senden können. Im rechten rückseitigen Anschlussfeld finden wir fünf digitale Eingänge: S/PDIF Koax und optisch Toslink. USB-B für den Anschluss eines Computers, von dem aus die Musik mittels beispielsweise Audirvana oder Foobar Player-Software gespielt werden kann. Darüber der Ethernet-Anschluss und eine USB-A-Buchse für die Verbindung mit einem externen Speicher, der aber laut dem deutsche Importeur Robert Ross nicht größer als 128GB und in FAT32 formatiert sein soll. Die Option, intern eine Festplatte als Speichermedium zu montieren, gibt es beim Euphony nicht. Idealerweise ist also eine Zuspielung über das Netzwerk vorgesehen. Ganz rechts auf der Rückseite des Euphony finden wir den harten Netzschalter und die Kaltgerätebuchse mit der Sicherung. Eine Spannungsumschaltung von 230 Volt auf 115 Volt ist am Geräteboden zugänglich.

Übersichtlicher kann man Anschlussfelder kaum gestalten
Übersichtlicher kann man Anschlussfelder kaum gestalten

Kommen wir zum technischen Aufbau des Euphony, denn da hat Keces Besonderes zu bieten. So schlicht und funktional der Euphony auch auf der Front wirkt, seine inneren Werte überraschen. Es beginnt mit dem exklusiv bei Keces zu findenden H-SonicTM-Ringkern-Transformator. Der wurde nicht nur bei Keces entwickelt, sondern wird auch im eigenen Haus gefertigt. Seine Qualität äußert sich laut Keces in extrem niedrigem Rauschen und hoher Stabilität in der Stromversorgung. Ihm wird eine außergewöhnlich hohe mechanische und elektromagnetische Störungsfreiheit zugeschrieben. Das soll einer verbesserten Hintergrundruhe, also der so begehrten Hintergrund-Schwärze dienen. Mehrere separate Stromversorgungen speisen die digitialen und analogen Sektionen sowie die Micro-Controler. Damit werden gegenseitige, störende Beeinflussungen über die Stromversorgung minimiert. Die Signalverarbeitung im Euphony erfolgt komplett symmetrisch. Die Strom-zu-Spannung-Wandlung geschieht nicht über Operationsverstärker sondern mittels diskreter Schaltung. Dies soll die Dynamik steigern, Verzerrungen niedrig halten und die Stabilität im Klanggeschehen festigen. Auf allen vier senkrecht stehenden Platinen sieht man auf dem Foto diese Spannungs-Konverter. Auf den Keces Digital-Analog-Wandler-Chip ist man ebenfalls stolz, weil hier eine eigene Programmierung für präzise digitale Filterung, die Vermeidung von Phasenfehlern und eine stabile Datenverarbeitung ins Analoge sorge. Mit sehr viel Akribie wollen sich die Keces-Entwickler besonders der Streaming-Platine gewidmet haben. Der Optimierung des Rauschverhaltens diene auch hier die Strom-Isolierung. Bei den Neutrik XLR-Ausgängen und den 24-Karat vergoldeten Cinch-Anschlüssen hat man ebenfalls nicht geknausert. Betrachtet man den Aufwand im Gerät und bewertet die Solidität der Verarbeitung, wäre zumindest ich nie auf die Idee gekommen, dass der Eupony für relativ bescheidene 1200 Euro zu haben ist.

Enorm viel sauber aufgebaute Technik für´s Geld
Enorm viel sauber aufgebaute Technik für´s Geld

Aber hören wir ihn uns an. Zuerst das oben erwähnte Album Clique von Patricia Barber in DXD, weil ich ausprobieren will, wie der Euphony die 352,4 Kilohertz und 24-Bit nativ verarbeitet. Das tut er problemlos, und es klingt ausgezeichnet. Dass ich bei 28,4 Grad Raumtemperatur und rauschendem Ventilator genüsslich zuhöre, spricht ganz sicher für die Klangqualität des Keces Euphony. Es ist die Dynamik, die mich bei „This Town“ fesselt. Packend und konturenstark zieht mich das Kontrabass-Saitenflirren sogleich in seinen Bann. Patricia Barbers Sprechgesang gesellt sich mit körperhafter Authentizität dazu. Ihre Stimme umgibt der von ihren Aufnahmen gewohnte Hall. Das Schlagzeug agiert differenziert und mit hörbarem Nachschwingen von Fell und Beckenmetall, auch dies mit bestechender Dynamik. Beim Piano höre ich die Anschläge klar und kann fast auf die Tasten schauen, so lebendig echt hört es sich an. Das ganze erklingt nicht zergerissen analytisch, sondern wunderbar homogen mit mitreißendem Drive. Da höre ich gleich noch ein paar Tracks mehr von Clique, bevor ich als nächstes Stings neues Album The Night Whatch (Live at the Rijksmuseum) bei Qobuz (96/24) auswähle, das man übrigens auch in der ARTE Mediathek erleben kann, und zwar zuerst den Titel „Shape of My Hear“. Eine sehr geglückte Aufnahme, wie ich finde, die die besondere Location sehr wirklichkeitsnah vermittelt. Der Raum liefert seinen Hall und die Sibilanten sind manchmal hart an der Grenze. Dies versteht der Euphony wunderschön zu vermitteln, hält alles im stimmigen Rahmen und erlaubt mit seiner Art, der gealterten Stimme dieses Ausnahmekünstlers mit Anteilnahme und Vergnügen zu lauschen. Denn durch die Bank interpretiert Sting hier, begleitet von Gitarrist und Zweitstimme Dominic Miller, bekannte Police- und Sting-Werke ein wenig anders, spannend, ja großartig. Der Keces Euphony wirkt hier wie ein absolut neutraler Mittler ohne Allüren wie etwa spezielle Betonungen. Bei dieser großartigen Wiedergabe-Beurteilung muss sich natürlich Misstrauen einstellen. Es kann doch nicht sein, dass der Keces die teuren Alternativen, wie einen Antipodes Oladra oder einen Eversolo T8, beide in Kombination mit dem über 6000 Euro kostenden Holo Audio May D/A-Wandler, nicht vermissen lässt.


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