Auch wenn mir Lars Kristensen zu mehr Mut zum Egoismus riet, experimentierte ich solange mit der Platzierung der 05, bis man deutlich mehr als 95 Prozent ihres Leistungsvermögens auf zwei nebeneinander liegenden Plätzen erleben konnte. Als eine Art vertrauensbildende Maße ist das gemeinsame Hören mit Herstellern und Vertrieben für mich unverzichtbar, denn nur so können sie nach der Anlieferung ihrer Testgeräte sicher sein, dass diese sich auch im meinem Arbeitszimmer so verhalten, wie sie es gewohnt sind. Noch wichtiger für mich ist aber, dass meine Kette nicht den Eindruck erweckt, High End sei ein autistisches Vergnügen. Dafür teile ich audiophile Erlebnisse viel zu gerne mit Freunden und Kollegen. Und auf den entspannten Musikgenuss mit meiner Gattin zur Stunde des Aperitifs möchte ich gleich gar nicht verzichten. Langer Rede kurzer Sinn: Auch die T5 wird dort stehen, wo sie zwei Zuhörer mit möglichst vielen ihrer enormen Fähigkeiten beglückt.

Dank des Fliesenbodens lässt sich der Standort der 05 SSE im Hörraum präzise einzeichnen – und diese Markierung später auch rückstandslos wieder entfernen. An diesen Kreisen und Linien orientiere ich mich bei der Aufstellung der T5 SSE: Aufgrund der etwa größeren Höhe und der Balken der Dachschräge muss ich die neuen Boxen mit etwa drei Zentimeter mehr Abstand von den Seitenwänden aufstellen, an der Ausrichtung der Schallwand auf den Hörplatz ändert sich nichts. Schon nach den ersten beiden Test-Tracks bin ich schier überwältigt: Die Musik entfaltet sich freier in einem größeren imaginären Raum, die physische Existenz der Lautsprecher gerät sofort in Vergessenheit. Man glaubt, die fest auf der Bühne verankerten Instrumente als dreidimensionale Objekte vor sich zu haben. Auch Ein- und Ausschwingvorgänge sind präziser nachzuvollziehen. Vielleicht habe ich mich ja vom sehr ähnlichen Aussehen der beiden Fünfer täuschen lassen: Mit einer solchen klanglichen Verbesserung habe ich jedenfalls nicht gerechnet. Auch der Tieftonbereich wirkt nun noch besser strukturiert, ganz einfach sauberer. Kein Wunder, dass ich die T5 SSE einige Tage und Abende mit einer Reihe von Lieblingsscheiben, von denen die meisten bei ECM erschienen sind, ohne jegliche Erkenntnisabsicht genieße. Für dieses Vorgehen spricht auch, dass ich keinerlei Informationen darüber habe, ob und wie lange das Pärchen in der Firma eingespielt wurde. Da kann das ein oder andere Album mehr vor dem kritischen Hinhören nicht schaden.

Nach der Phase der spontanen Begeisterung darüber, viel mehr die T5 SSE in Sachen Raumabbildung, Detailverliebtheit und Spielfreude zu bieten haben als ihre Vorgänger, geht es dann doch mit den üblichen Test-Stücken zu der Einschätzung der Fähigkeiten der Fünfer weiter: Sollten etwa die Pauken zu Beginn des ersten Satzes von Mahlers Symphonie Nr. 3 mit Mariss Jansons mit einem Tick weniger Druck rüberkommen, als dies bei den 05 SSE der Fall war? Die Pauken besitzen mindestens so viel Energie wie zuvor, nur sind jetzt die einzelnen Schläge klarer voneinander zu unterscheiden und auch der Anteil der Felle an der Entstehung des Klang wird deutlicher. Die etwas weiter links stehende große Trommel lässt in der untersten Oktave ihres Klangspektrums jedoch einen Hauch Druck vermissen. Michael Børresen meint auf meine Nachfrage, dass die 05 SSE die Räume einiger ihrer Besitzer mit zu viel Tieftonenergie überladen habe. Deshalb habe er sich bei der endgültigen Abstimmung der neuen Fünfer für mehr Präzision und minimal weniger Fülle entschieden. Alles weitere, was er zu diesem Thema zu sagen hat, werden Sie in Kürze im Interview mit ihm lesen können.
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