
Wenn dann der Sentinel die Wandlung und Vorverstärkung übernimmt, wird man mit einer noch ein Stückchen weiträumigeren Abbildung belohnt. Doch wirken Instrumente und Instrumentengruppen nicht nur minimal größer, sondern auch plastischer und noch schärfer fokussiert. Man könnte sich fast versucht sehen, aufzustehen und um die Pauke herumzugehen, die in der ruhigeren Phase nach dem Beginn mit – im wahrsten Sinne des Wortes – Pauken und Trompeten recht weit hinten rechts im Saal erklingt. Die Pauken – oder vielleicht richtiger: die Tiefe Trommel – profilieren sich nun durch ein noch solideres Tieftonfundament. Nachdem ich schon die erste Version des Cascade aus vollster Überzeugung gerühmt habe, einer der beiden besten DACs in meinem Hörraum gewesen zu sein und ihn gemeinsam mit dem Kollegen Wojciech Pacuła mit dem Statement in High Fidelity-Award auszeichnete, fällt es nicht leicht zuzugeben, dass der Sentinel noch einen Tick flüssiger, geschmeidiger und gefälliger, aber dennoch ungemein involvierend und anregend musiziert. Und das gilt nicht nur für die erste Generation des Cascade, sondern auch für die dritte, über die Jonathan Gullman auf die Fragen nach den Verbesserungen sagt: „With BDT and the newly released firmware, the Cascade DAC is like a brand new DAC at this point. What's better? Everything!“

Fest steht für mich jedenfalls nach ein paar Test-Files fest, dass der Sentinel den aktuellen Cascade noch einmal übertrifft, und zwar so deutlich, dass ^kein mehrmaliges Hin- und Herschalten nötig ist, um diesen Eindruck zu verifizieren. Auch bei Schostakowitschs Symphony Nr. 15 mit den Duisburger Philharmonikern bedarf es keines direkten, zeitnahen Vergleichs, um sicher zu sein, dass der Sentinel in Sachen Klangfarben, Rhythmus, Raumdarstellung, Bassfundament und musikalischem Fluss mehr zu bieten hat als der Cascade. Diese Unterschiede entscheiden nicht darüber, ob man ein Musikstück genießen kann, das ist selbst mit extrem viel günstigerem Equipment möglich. Dennoch dürfte jeder klangverliebte Audiophile vom Sentinel träumen, wenn er ihn einmal ausführlich gehört hat. Er wird sich auch dessen bewusst sein, dass es eines extrem hohen Aufwands und einer ebensolchen Investition bedarf, die letzten paar Promille Wohlklang zu erreichen.
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