
Allgemein wird bei MM und MC Systemen eine Einspielzeit von 40 bis 100 Stunden empfohlen. Der positive Effekt einer Einspielzeit lässt sich sowohl messen als auch erklären: Der Nadelträger ist im Tonabnehmer in elastischen Gummipuffern gelagert. Natürlich unterscheiden sich verschiedene Tonabnehmer in Material und Qualität auch dieser Gummilager. Allen aber ist gemein, dass sich ihre Elastizität sich mit der Zeit ändert. Gute Gummilager werden nach einer Einspielzeit elastischer, während sie nach längerer Zeit hart und spröde werden. In der Einspielzeit orientieren sich die Moleküle der Gummimischung neu. Dies führt zu einer schnelleren und flexibleren Auslenkung des Tonabnehmers. Er kann den Rillenauslenkungen schneller folgen, die Abtastfähigkeit des Systems nimmt zu.

Nach der Einspielzeit legte ich zuerst das Album Jazz at the Pawnshop, Atr Mastercut Recording, auf. Das Sumiko Starling öffnet bei diesem Album einen grösseren Raum als das Benz Glieder, strukturiert diesen nochmals besser und stellt das Klanggeschehen holografischer und dreidimensionaler dar. Das Starling richtet den Fokus merklich stärker auf die Detailauflösung und die Ausleuchtung des Hochtons und es ist objektiv gesehen das tonal neutraler spielende System, zumal es im Bass die Zügel fester in der Hand hält und den Tiefton straffer kontrolliert. Weniger körperlich spürbaren Druck erzeugt es dabei nicht – im Gegenteil, die Drum-Impulse von Egil Johansen im Solo während „Take Five“ blitzen überfallartig hervor und sind ebenso schnell wieder weg. Das Vibraphon beim „Limehouse Blues“ klang mit dem Starling klarer und transparenter als mit dem Glider. Wie bei den Höhen zeichnete sich auch die Mitteltonwiedergabe des Starling durch Klarheit, Offenheit und die Fähigkeit aus, instrumentale und gesangliche Klangfarben überzeugend wiederzugeben. Die Streicherklänge waren vorbildlich, wie ich im dritten Satz von Haydns Streichquartett in d-Dur op. 76 Nr. 2 „The Quinten“ hörte, aufgeführt vom Lindsay String Quartet, Live At The Wigmore Hall. Dieser Satz enthält einen Kanon mit zwei Violinen, die in Oktaven zusammenspielen, drei Takte später folgen Bratsche und Cello. Das Starling vermittelte die unterschiedlichen Rhythmen sowie die Resonanzen der Bratsche und die Tonalitäten von Holz und Bogen.

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