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Phonar Veritas M4.2 SE

08.09.2026 // Wolfgang Kemper

Selbstverständlich lässt sich dieser kleinvolumige Lautsprecher prima auf einem geeigneten Möbelstück platzieren, und möglicherweise ist dies ja auch der Grund, weshalb Sie sich für eine Kompaktbox interessieren. Zum Lieferumfang gehören Möbel-Oberflächen schonende abgestumpfte Kegel aus Hartgummi, um eine solide mechanische Ankopplung zu gewährleisten. Sie werden in die Gewindebuchsen in der Unterseite der Veritas M4.2 SE geschraubt und können durch Feinjustage auch leichte Unebenheiten kompensieren. Solch eine Platzierung auf einem Möbel kann ein erheblich besseres Klangbild erzeugen, als eine in die Raumecke gedrängte Standbox. Was bei Lautsprechern mit rückseitiger Bassreflexöffnung stets Sinn macht, ist mit dem Wandabstand zu experimentieren. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn die Veritas M4.2 SE auf Ständern steht. Weitere Vorteile gegenüber einer ausgewachsenen Standbox bleiben für die Kompakte selbst dann, wenn sie durch die Ständer ähnlich viel Raum einnimmt: Das sind die weitaus geringeren Reflektionsflächen des Gehäuses und meist auch der größere Abstand des Bass-Chassis zum reflektierenden Fußboden. Auch wenn dies jetzt ein Plädoyer für gut aufgestellte Kompaktlautsprecher ist, kann man sauber konstruierten Standboxen ihren Mehrwert im Tiefsttonbereich hinsichtlich Frequenzspektrum und Intensität nicht absprechen. Der überzeugendste kleinvolumige Lautsprecher, den ich je in diesem Hörraum unter den aktuellen Bedingungen testete, war der OePhi Acoustics Ascendance 2, der mit 4500 Euro aber auch erheblich teurer war als unsere Phonar Veritas M4.2 SE und zudem ein entsprechendes Oephi Lautsprecherkabel benötigte, um absolut zu überzeugen.

Der Jumper erlaubt durch Umstecken eine Anhebung oder Absenkung des Pegels des Scan-Speak-Illuminator-Hochtöners
Der Jumper erlaubt durch Umstecken eine Anhebung oder Absenkung des Pegels des Scan-Speak-Illuminator-Hochtöners

Ich stelle die Phonar M4.2 SE zuerst recht wandnah mit einem Abstand von 20,5 Zentimetern auf und schließe sie mit dem HMS Harmonia Carbon Kabel an meinem Pier Audio Hybrid-Vollverstärker an. Der klingt konstruktionsbedingt grundtonwärmer als mein Soulnote A2. Ich streame von Qobuz in CD-Qualität Live At Shanghai Jazz vom Marian McPartland Trio. Joe Morello am Schlagzeug und Rufus Reid am Kontrabass begleiten die großartige, damals 82-jährige Jazz-Pianistin, die schon 1950 in New York mit ihrem eigenen Trio auftrat und bereits in dieser Zeit gemeinsam mit Joe Morello musizierte. Die Phonar 4.2SE vermitteln diese swingende und dynamische Musik gekonnt und erfreulich unprätentiös mit Schwung und Lebendigkeit. Mich überrascht jedoch ein wenig die schöne, vollmundige und homogene Diktion. Ich hatte soviel Grundton-Intensität nicht erwartet. Meine große Phonar SE spielt im Vergleich etwas schlanker. Die Veritas M4.2 SE erzeugt ein ausgesprochen angenehmes Klangbild, lässt bei diesem Jazz-Trio jedoch erstaunlicherweise nichts an Transparenz und Spritzigkeit vermissen. Doch ich möchte wissen, was passiert, wenn ich sie noch freier im Raum aufstelle und erhöhe den Wandabstand erheblich auf 65 Zentimeter. Die Seitenwände mit Dachschräge bleiben weiterhin etwa zwei Meter entfernt. Das Klangbild gewinnt durch diese Aufstellungsveränderung an Transparenz, verliert in erträglichem Umfang an Wärme, behält aber seine musikalische Geschlossenheit und Homogenität. Die Bühne verändert sich kaum. Die räumliche Darstellung ist bei dieser Aufnahme in angenehmer Weise etwas plakativer als in der Tiefe gestaffelt. Fesselnd ist nach wie vor die schwungvolle, mitreißende Spielweise. Ich verändere die Position der Lautsprecher nochmals, jetzt auf genau 50 Zentimeter Rückenfreiheit. Anders als für die zwei Ventilieröffnungen bei meiner P9.2 SE gehören bei der M4.2 SE keine Schaumstoff-Pfropfen zur Veränderung der Bedämpfung zum Lieferumfang. Man hat sich bei der Abstimmung darauf festgelegt, dass hier nichts zu verändern sei. Dies stimmt auch mit der Erfahrung mit meinen Standboxen überein, wo die werksseitige Abstimmung durch Phonar trotz mehrfachen Versuchen mit den diversen Optionen bei zwei Reflex-Öffnungen nicht zu verbessern war, zumindest nicht in meinem Hörraum. Bei den jetzigen 50 Zentimetern Wandabstand scheint die goldene Mitte gefunden. Ein wenig mehr von dieser angenehmen Wärme, die aber nicht zu Lasten der Transparenz geht, sondern idealerweise das leicht Sezierende vermeidet, was zuvor beim größeren Abstand zur Rückwand unterschwellig zu spüren war und beim Langzeithören auf die Nerven hätte gehen können. Ich bleibe bei dieser Aufstellung und genieße das Album dieser großartigen Musikerin und ihren kongenialen Begleitern mit Vergnügen. Der Beifall zwischen den Stücken kling bei dieser Aufstellung ebenfalls recht glaubwürdig, nicht zu hell und auch nicht stumpf.

Der 2024 von Scan Speak vorgestellte 27-mm Illuminator Hochtöner ist ein Karbonfaser-Diaphragma mit einer dem Hub förderlichen breiten Sicke, umgeben von einer leichten Waveguide
Der 2024 von Scan Speak vorgestellte 27-mm Illuminator Hochtöner ist ein Karbonfaser-Diaphragma mit einer dem Hub förderlichen breiten Sicke, umgeben von einer leichten Waveguide

Dem Marian McPartland Trio folgt die junge englische Violinistin Leia Zhu mit Stücken von Camille Saint-Saëns im Zusammenspiel mit dem ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, dirigiert von Howard Griffiths (Qobuz 24/96). Das hört sich gleichermaßen schön wie spannungsvoll an, was ein Zeichen hervorragender Abstimmung des Lautsprechers ist. Denn gerade bei Musikstücken mit Streichern geht bei transparenter Wiedergabe schnell der Klangkörper vor allem einer Solo-Violine verloren oder es fehlt andersherum bei körperlicher Abbildung an feinsten Nuancen. Die Phonar Veritas wirkt hier perfekt abgestimmt und ich höre mir mit Vergnügen einige Stücke – ein wirklicher Ohrenschmaus. Diese filigrane Feinzeichnung lässt mich immer wieder gespannt in die Musik hineinhorchen, was bei der seidig-warmen Diktion der M4.2 SE eben mühelosen Genuss bedeutet.


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