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Phonar Veritas M4.2 SE

08.09.2026 // Wolfgang Kemper

Der Peerless Tiefmitteltöner mit seiner Papier-Nomex-Membran ist identisch mit dem der Next-Version
Der Peerless Tiefmitteltöner mit seiner Papier-Nomex-Membran ist identisch mit dem der Next-Version

Bei Lester Bowies „The Great Pretender“ vom gleichnamigen ECM-Album wird klar, dass diese Phonar Veritas kein Genré fürchtet. So schön Leia Zhu eben klang, jetzt erlebe ich diesen The Platters-Titel in der faszinierenden, kreativen und vehementen Interpretation von Lester Bowie. Da muss man einfach hinhören, lachen und jeden Ton großartig finden. Die Phonar ermöglicht dies mit ihrer unauffälligen, fein auflösenden, lebendigen Spielweise, die ohne jegliche Aggressivität daherkommt. Sie schnürt die Bissigkeit und den Humor dieses Stückes keineswegs ein, sondern setzt sie hautnah und packend in Szene. Die räumliche Staffelung ist bestens und gesellt sich als Bonus zu den begeisternden Klangfarben – beeindruckend schön.

Hier gab es gegenüber der Basisversion nichts zu verbessern
Hier gab es gegenüber der Basisversion nichts zu verbessern

Bislang habe ich das HMS Armonia Carbon Lautsprecherkabel eingesetzt, das hinsichtlich seines Preises wohl etwas überzogen sein könnte und wechsele deshalb auf das wesentlich erschwinglichere QED Genesis Silver Spiral. Nun ja, ein leichter Verlust hinsichtlich Lebendigkeit und Detailauflösung ist nicht zu leugnen. Dennoch musiziert auch das QED bei Respighis „Gli Uccelli“ vom Album Karneval der Tiere (for Kids) mit der Academy of St. Martin in the Fields unter Neville Marriner tonal stimmig und schön. Auch jetzt verspüre ich nicht das Bedürfnis, die am Anschlussterminal mögliche Anhebung oder Absenkung um jeweils ein Dezibel per Steckverbindung auszuprobieren. Nein, es kann alles so bleiben, und ich werde ab jetzt mit diesem Kabel weiter hören. Der Wechsel beweist aber auch, das die Phonar feinfühlig reagiert und es sich lohnen kann, bei der Wahl des Lautsprecherkabels aufmerksam zu sein. Ich höre mir noch einige Musikstücke von diesem Album an und finde, dass zum Beispiel das Klavier beim zweiten Stück von Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere „Poules et coqus“ fülliger und imposanter klingt als mit dem feiner auflösenden HMS. Die Musik ertönt mit angenehmer Grundtonintensität. Dass auch in dieser Konfiguration die Phonar Veritas M4.2 SE toll musiziert, bestätigt ein Genre-Wechsel auf Eric Clapton Unplugged. Seine Stimme hat Volumen, wirkt artikuliert aber nicht übertrieben analytisch. Gleiches gilt für sein und seines Begleiters Gitarrenspiel. Die Saiten tönen nicht stählern, das filigrane Spiel ist dennoch im Detail hörbar. Das gefällt, und auch der Beifall des Publikums und der Raum werden glaubwürdig vermittelt. Dieses Clapton-Konzert genieße ich entspannt, und es ist vielleicht die stärkste Disziplin der Veritas M4.2 SE: ein den Hörer nie anstrengendes Klangbild. Dass dabei Feinzeichnung und Vielfalt an Nuancen nicht vermisst werden, zeichnet diese Lautsprecher aus und unterscheidet sie positiv von vielen Mitbewerbern. Die Veritas M4.2 vermittelt sicher nicht das absolute Maximum an Auflösung und Nuancierung. Sie macht das aber in auf eine derart gekonnte Weise, dass man nicht nach mehr sucht. Der Wechsel der Lautsprecherkabel vom HMS auf das QED zeigt deutlich, in welchem erfreulich hohen Maße die Phonar ihre klanglichen Fähigkeiten beibehält und durchsetzt. Der Genuss- und Spaßfaktor bleibt, trotz der vom Kabel abhängigen Differenzen unversehrt – ein seltenes positives Phänomen. Mindestens so intensiv wie bei Clapton Unplugged berührt mich emotional Lhasa De Sela Live In Reykjavik (Qobuz 44,1/24). Auch hier ist beim Gesang auf Anhieb keine sezierende Analytik zu spüren, sondern einfach eine schöne und lebendig echt wirkende Frauenstimme zu erleben. Die sie bei „Is Anything Wrong“ begleitenden Background-Stimmen sind räumlich hinter ihr gut sortiert vernehmbar. Dieses Live-Konzert kann auf guten Anlagen eine phantastische Nähe und ergreifende Atmosphäre vermitteln. Das gelingt mit der Phonar nicht ganz auf dem Level wie kürzlich in meiner großen Anlage beim Test des Oladra Presence, aber auch nicht wirkllich viel schlechter, trotz des erheblich geringeren finanziellen Aufwands für meine „kleine“ Kette. Da bleibe ich gerne dabei und höre mir das Konzert bis zum Beifall am Schluss an.

Der Aufwand in der Zwei-Wege-Weiche trägt erheblich zum besseren Klang der SE-Version bei
Der Aufwand in der Zwei-Wege-Weiche trägt erheblich zum besseren Klang der SE-Version bei


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