Beim Auflegen des violetten Vinyls habe ich mich ein wenig erschreckt, da sich ein ziemlich breiter Kratzer über den gesamten ersten Track zieht. Der scheint aber recht oberflächlich zu sein, da die Nadel mit dem Vertex-Schliff völlig unbeeindruckt davon durch die Rille gleitet: Kein störendes Geräusch ist zu vernehmen. „Third Call“ weckt Erinnerungen an die – für mich klassischen – ersten sechs Alben: Das beginnt mit dem feinen Hammond-Intro, setzt sich mit dem unwiderstehlichen Midtempo-Groove und dem klar strukturierten Gitarrensolo fort, bevor Don Airey sein Instrument in bester John-Lord-Manier traktiert. Das MC Vertex – und Christoph Stickels Mastering – sorgen dafür, dass das Klangbild nur so vor Energie strotzt und dennoch sehr gut durchhörbar und offen bleibt: Hard Rock und High End in Vollendung!

Das Titelstück von Carla Bleys Life Goes On höre ich noch immer mit Freude. Allerdings prädestinieren es die Aufnahme in natürlicher Akustik, der weit hinabreichende, akustische Elektro-Bass, die sonoren Tiefen des großen Flügels und die energiegeladenen Anblasgeräusche des ansonsten einschmeichelnden Saxophons zum Teststück. All die erwähnten klanglichen Genüsse vermittelt auch das MC Vertex – und ein bisschen mehr: Der große Saal wirkt noch etwas voluminöser, das sehr reduzierte Piano-Intro rhythmisch noch präziser und zum Greifen plastisch, der Bass erklingt gewohnt kraftvoll, doch so wohl definiert, dass er im Hörraum nichts mehr zum Mitschwingen anregt. So gut habe ich den Titel in meinen vier Wänden noch nicht gehört. Auch die beiden ersten Titel auf dem beinahe unverzichtbaren Bang, Barroom And Harp belegen die besonderen Qualitäten des MC Vertex. Es liefert auf allen Gebieten ein Quäntchen mehr: mehr Dynamik, mehr Raum, mehr Definition, mehr Durchhörbarkeit, mehr Klangfarben – und macht damit einfach mehr Spaß. Da die enormen Fähigkeiten des großen Ortofon gleichmäßig auf alle Disziplinen verteilt sind, entwickelt es keinen charakteristischen Eigenklang. Es agiert ungemein stimmig und homogen.
Abschließend lege ich Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit den Duisburger Philharmonikern auf: Auch hier fasziniert das MC Vertex mit einer völlig von den Lautsprechern losgelösten Raumdarstellung und einer weit in die Tiefe reichenden Bühne. Klangfarben, Separierung und Fokussierung der Instrumente respektive Instrumentengruppen lassen keinerlei Wünsche offen und zeigen damit auch, wie gut der Tonabnehmer mit dem firmeneigenen Tonarm harmoniert. Dennoch muss der AS-309R seinen Platz für den Einstein in der Zwölf-Zoll-Variante räumen. Die wiederholte Justagearbeit macht sich klanglich bezahlt: Das Ortofon suggeriert in The Tonearm eine in allen Dimensionen noch einen Hauch weiter ausgedehnte Bühne, die Farben der Instrumente strahlen jetzt noch einen Tick intensiver und der Tieftonbereich erscheint ein bisschen kräftiger, gleichzeitig aber auch farbiger. Obwohl ich in dieser Hinsicht beim Vertex in Kombination mit dem AS-309R wunschlos glücklich war, freue ich mich jetzt über eine noch eine Spur stabilere Abbildung und eine schärfere Fokussierung. Der sehr rigide Einstein-Arm entlockt dem Ortofon noch ein wenig mehr Wohlklang. Ich könnte rundum zufrieden mit dem MC Vertex im AS-309R leben, The Tonearm lässt aber noch mehr seiner enormen Fähigkeiten zur Geltung kommen. Während ich die LP weiterlaufen lasse und auch den zweiten Satz der Symphonie Nr. 15 genieße, fällt mir fast nebenbei auf, dass das fast völlige Verschwinden von Laufgeräuschen die Wiedergabe von mechanischen Artefakten befreit. Das MC Vertex lässt sich die Musik sehr natürlich entfalten: einfach großartig.
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