tests/26-09-15_ortofon
 

Ortofon MC Vertex

15.09.2006 // Dirk Sommer

Beim Auflegen des violetten Vinyls habe ich mich ein wenig erschreckt, da sich ein ziemlich breiter Kratzer über den gesamten ersten Track zieht. Der scheint aber recht oberflächlich zu sein, da die Nadel mit dem Vertex-Schliff völlig unbeeindruckt davon durch die Rille gleitet: Kein störendes Geräusch ist zu vernehmen. „Third Call“ weckt Erinnerungen an die – für mich klassischen – ersten sechs Alben: Das beginnt mit dem feinen Hammond-Intro, setzt sich mit dem unwiderstehlichen Midtempo-Groove und dem klar strukturierten Gitarrensolo fort, bevor Don Airey sein Instrument in bester John-Lord-Manier traktiert. Das MC Vertex – und Christoph Stickels Mastering – sorgen dafür, dass das Klangbild nur so vor Energie strotzt und dennoch sehr gut durchhörbar und offen bleibt: Hard Rock und High End in Vollendung!

Die übliche Ortofon-Dreipunktauflage
Die übliche Ortofon-Dreipunktauflage

Das Titelstück von Carla Bleys Life Goes On höre ich noch immer mit Freude. Allerdings prädestinieren es die Aufnahme in natürlicher Akustik, der weit hinabreichende, akustische Elektro-Bass, die sonoren Tiefen des großen Flügels und die energiegeladenen Anblasgeräusche des ansonsten einschmeichelnden Saxophons zum Teststück. All die erwähnten klanglichen Genüsse vermittelt auch das MC Vertex – und ein bisschen mehr: Der große Saal wirkt noch etwas voluminöser, das sehr reduzierte Piano-Intro rhythmisch noch präziser und zum Greifen plastisch, der Bass erklingt gewohnt kraftvoll, doch so wohl definiert, dass er im Hörraum nichts mehr zum Mitschwingen anregt. So gut habe ich den Titel in meinen vier Wänden noch nicht gehört. Auch die beiden ersten Titel auf dem beinahe unverzichtbaren Bang, Barroom And Harp belegen die besonderen Qualitäten des MC Vertex. Es liefert auf allen Gebieten ein Quäntchen mehr: mehr Dynamik, mehr Raum, mehr Definition, mehr Durchhörbarkeit, mehr Klangfarben – und macht damit einfach mehr Spaß. Da die enormen Fähigkeiten des großen Ortofon gleichmäßig auf alle Disziplinen verteilt sind, entwickelt es keinen charakteristischen Eigenklang. Es agiert ungemein stimmig und homogen.

Die Nadel von vorn
Die Nadel von vorn

Abschließend lege ich Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit den Duisburger Philharmonikern auf: Auch hier fasziniert das MC Vertex mit einer völlig von den Lautsprechern losgelösten Raumdarstellung und einer weit in die Tiefe reichenden Bühne. Klangfarben, Separierung und Fokussierung der Instrumente respektive Instrumentengruppen lassen keinerlei Wünsche offen und zeigen damit auch, wie gut der Tonabnehmer mit dem firmeneigenen Tonarm harmoniert. Dennoch muss der AS-309R seinen Platz für den Einstein in der Zwölf-Zoll-Variante räumen. Die wiederholte Justagearbeit macht sich klanglich bezahlt: Das Ortofon suggeriert in The Tonearm eine in allen Dimensionen noch einen Hauch weiter ausgedehnte Bühne, die Farben der Instrumente strahlen jetzt noch einen Tick intensiver und der Tieftonbereich erscheint ein bisschen kräftiger, gleichzeitig aber auch farbiger. Obwohl ich in dieser Hinsicht beim Vertex in Kombination mit dem AS-309R wunschlos glücklich war, freue ich mich jetzt über eine noch eine Spur stabilere Abbildung und eine schärfere Fokussierung. Der sehr rigide Einstein-Arm entlockt dem Ortofon noch ein wenig mehr Wohlklang. Ich könnte rundum zufrieden mit dem MC Vertex im AS-309R leben, The Tonearm lässt aber noch mehr seiner enormen Fähigkeiten zur Geltung kommen. Während ich die LP weiterlaufen lasse und auch den zweiten Satz der Symphonie Nr. 15 genieße, fällt mir fast nebenbei auf, dass das fast völlige Verschwinden von Laufgeräuschen die Wiedergabe von mechanischen Artefakten befreit. Das MC Vertex lässt sich die Musik sehr natürlich entfalten: einfach großartig.


  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026
  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026
  • Dan Clark Audio Aeon Core

    Anfang letzten Jahres stellte ich den Dan Clark Audio Noire X vor, dessen Klangsignatur der meines absoluten Favoriten, dem Stealth, sehr nahe kommt – und das zu einem Viertel des Preises des Dan Clark Audio-Topmodells. Jetzt charakterisiert der kalifornische Kopfhörerspezialist den Aeon Core sehr ähnlich: „Flagship Performance. Breakthrough Price.“ Dazu, wie sich die Hierarchie zwischen Stealth, Noire X und Aeon Core darstellt, möchte ich später kommen, denn bei seiner Arbeit für den Aeon Core ging…
    14.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.