boulevard/14-09-08_krakau
 

Krakow Sonic Society, Meeting No. 94, Teil 1

08.09.2014 // Wojciech Pacuła und Birgit Hammer-Sommer

In Krakau trifft sich schon seit Jahren eine Reihe von Hifi- und Musik-Enthusiasten, um gemeinsam bei gepflegten Getränken dem gemeinsamen Hobby zu frönen. Dazu laden sie Hersteller, Vertriebe oder auch Musikproduzenten ein. Diesmal waren es Ayon-Chef Gerhard Hirt sowie meine Gattin und ich für unsere Plattenfirma sommelier du son. Ein Forum findet die Krakow Sonic Society in High Fidelity, dem Magazin des Kollegen Wojciech Pacula, der auch den folgenden Artikel schrieb

Dirk Sommer & Birgit Hammer-Sommer | Sommelier Du Son
Gerhard Hirt | Ayon Audio – IN KRAKAU

Es ist schwer zu sagen, was an Vinyl so besonders ist, dass die Technologie, von der man vor 20 Jahren glaubte, sie würde verschwinden, sehr lebendig ist. Es mag daran liegen, dass die Existenz des Plattenspieler kulturell verankert ist, oder an der Tatsache, dass Vintage gerade sehr angesagt ist. Manche heben das fast schon feierliche Ritual beim Abspielen einer LP hervor, andere verweisen auf den künstlerischen Wert der Cover-Gestaltung, während wieder andere die überlegene Klangqualität in den Vordergrund stellen. Egal, wie wir nun das triumphale Comeback der schwarzen Scheibe interpretieren: Es ist eine Tatsache, dass die Schallplatte wieder eines der wichtigsten Formate für engagierte Audio-Enthusiasten darstellt.

Ist Ihnen bewusst geworden, dass es üblich ist, die Begriffe „Analog-Platte“ und „Analog“ synonym zu verwenden? Der Grund für diese semantische Verschiebung des Begriffs „Analog“ scheint klar: Man wollte eine klare Unterscheidung zwischen digitalen Audiosystemen wie zum Beispiel der CD und Plattenspielern treffen. In den späten 80-ern, als die Dominanz der schwarzen Scheibe nur noch in der Erinnerung existierte, wurde „Analog“ auf diese Bedeutung reduziert. Die Compact Cassette und die CD wurden nie als gleichwertige Quelle betrachtet – ich sage nicht, dass dies wahr ist, sondern gebe nur eine weitverbreitete Meinung wieder. Bandmaschinen wurden nur noch von wirklichen Hardcore-Analog-Fans benutzt.

Tomeks Anlage, der Plattenspieler und die Nagra wurden speziell für den Vergleich aufgebaut
Tomeks Anlage, der Plattenspieler und die Nagra wurden speziell für den Vergleich aufgebaut

Ich spreche über den Begriff „Analog“, weil er sich über mehrere Jahrzehnte auf beides bezog: Plattenspieler und Tonbandmaschinen. Letztere wurde in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden, erlangte aber erst in den 40-ern ihre jetzige Form mit auf Spulen gewickeltem Magnetband. Interessanterweise enthält der englische Wikipedia-Eintrag zu Bandmaschinen ein Bild eines deutschen Magnetophons aus dem Zweiten Weltkrieg und eines vom ZK-147 des polnischen Herstellers Unitra. Ein interessanter Zufall, dass in der September-Ausgabe von High Fidelity, die wie immer exklusiv polnischen Audio-Produkten gewidmet ist, ein Artikel von Maciej Tulodziecki, Assistenz-Professor an der Fakultät für Automotive- und Konstruktions-Maschinenbau der Warschauer Technischen Hochschule und privat ein Vinyl-Liebhaber und Plattenspieler-Experte, erscheint, in dem er die Geschichte der polnischen Bandmaschinen beschreibt, einschließlich der Aria und der Concert sowie verschiedener Modelle der ZK-Serie.

Um zu Thema zurückzukehren: Aktuell ist der Plattenspieler nur ein Teil dessen, wofür „Analog“ steht. Und darüber hinaus muss man feststellen, dass der Klang der Vinyl-Scheibe nicht ganz an den eines analogen Mastertapes herankommt. Wir haben dies Thema bei Treffen der Krakow Sonic Society diskutiert, als wir eine Studer A807-0.75 VUK gehört haben. Ich versuche dies immer klarzustellen, wenn ich höre, Vinyl sei das beste Musikformat der Welt. Ist es nicht.

DIRK SOMMER & BIRGIT HAMMER-SOMMER | Sommelier Du Son

In den vergangenen Jahren wurde beim Thema Vinyl am häufigsten die Frage nach dem Sinn oder Unsinn – ganz nach Standpunkt – der Fertigung von LPs von digitalen Aufnahmen diskutiert. Jemand, der sich recht dezidiert dazu äußert und es einen Fehler und eine Irreführung nennt, ist Dirk Sommer. Sie sind ihm schon in meinem Interview begegnet, das in der Serie „The Editors“ veröffentlicht wurde. In diesem Interview lernten wir ihn vorrangig als Audio-Journalisten, langjährigen Chefredakteur des deutschen Magazins image hifi und jetzigen Chef des Online-Magazins hifistatement.net kennen. High Fidelity arbeitet mit letzterem seit nun zwei Jahren zusammen, in dem wir Artikel austauschen.

Allerdings habe ich während unseres Gesprächs, das wir in Krakau im Restaurant Miód i Malina – Honig und Himberre – bei polnischen Bier und regionalen Spezialitäten führten, den Eindruck gewonnen, dass das Betreiben des Magazins nur eine Hälfte von Dirks Jobs ist. Im Fall von Enthusiasten ist „Job“ ein recht relativer Begriff, weil man wohl auch „Leben“ sagen könnte. Die andere Hälfte von Dirks Job ist derzeit etwas, das aus einer Eingebung des Augenblicks, aus reiner Neugier entstanden ist: Das Schallplattenlabel sommelier du son. Ich traf übrigens nicht nur Dirk in besagtem Restaurant, denn er war zusammen mit seiner Gattin Birgit Hammer-Sommer nach Krakau gekommen. Auch wenn man auf den ersten Blick sieht, wie sehr sie sich lieben, beschränkt sich Birgits Rolle keineswegs darauf, Dirk zu begleiten. {Vielleicht sollte ich den polnischen Kollegen für weitere Artikel um ein wenig mehr Diskretion bitten. Der Übersetzer.} In der Tat ist Birgit zu gleichen Teilen am Label beteiligt und während der Aufnahmen übernimmt sie den Job, den man auch in Polen als „Tape Operator“ bezeichnet. Sie kümmert sich darum, dass jederzeit ausreichend Band vor den Tonköpfen ist.


  • hifistatement.net intern – Teil 9

    Wider Erwarten habe ich die Selbstdarstellungen der Kollegen mit viel Freude gelesen, da ich noch einiges Neues erfahren konnte. Selbst wenn man sich schon lange kennt, hat man vielleicht nie darüber gesprochen, wie man zu unseren Hobby gekommen ist. Doch mit meinem Text beschließen wir die Reihe. Ab sofort geht’s mit Tests weiter. Versprochen. Ich beschäftigte mich schon während der Schulzeit mit simplen Radio- und Lautsprecherbasteleien und, sobald es die Finanzen erlaubten, mit richtigem HiFi.…
    07.01.2026
  • hifistatement.net intern – Teil 8

    Wenn es um Fotos in hifistatement.net geht, und zwar meist um solche von Messen, Firmenbesuchen oder Aktivitäten im Hörraum, taucht oft ein anderer Name auf als der von Helmut Baumgartner: Birgit Hammer. Meine Gattin macht aber nicht nur Aufnahmen für's Magazin, sondern erledigt auch organisatorische Aufgaben und betreut unseren Instagram-Auftritt. Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Schon als Kind war Musik für mich enorm wichtig, zuerst beim Zuhören, wenn meine Mutter beispielsweise…
    05.01.2026
  • hifistatement.net intern – Teil 7

    In dieser Folge sehen Sie das Gesicht hinter dem Gesicht von hifistatement.net: Letzteres wird geprägt von Helmut Baumgartners Fotografie. Viele, selbst gedruckte Hifi-Magazine verwenden inzwischen Herstellerfotos oder gar KI-generierte Bilder. Wir setzen auch in Zukunft auf Helmut Baumgartners informative Ästhetik – und sein enormes Fachwissen. Manchmal hat man eine Idee und äußert sie, ohne darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sich daraus für einen selbst ergeben. Aber eigentlich hätte ich es ja ahnen können, denn schließlich bin…
    02.01.2026
  • hifistatement.net intern – Teil 6

    Auch bevor Roland Dietl zum Team stieß, berichteten wir über – wie es damals hieß – Computer-Hifi. Aber sein Einstieg steigerte die digitale Kompetenz der Redaktion merklich – und nicht nur diese: Wenn er etwa mit Chord Electronics Digital-Spezialist Rob Watts über R. R. Cordells „Nested Feedback Loops“ spricht, gehe ich schon mal einen Tee kochen… „Time is flying by!“ Seit mittlerweile zehn Jahren schreibe ich nun schon in loser Folge mit viel Begeisterung für…
    31.12.2025
  • hifistatement.net intern – Teil 5

    Ohne einen kompetenten Röhrenspezialisten ist die Redaktion eines Hifi-Magazins nicht komplett. Wir haben zum Glück Carsten Bussler, den Sie im Folgenden ein wenig näher kennenlernen können. In den letzten Jahren erweiterte er seinen Themenbereich über reine Röhrengeräte hinaus. Artikel über Streamer sollten Sie von ihm jedoch nicht erwarten. Als Maschinenbauingenieur hatte ich von je her Probleme, Dinge zu verstehen, auf die man nicht mit dem Hammer hauen kann. Das sagte mir mein Elektrotechnik-Professor während des…
    29.12.2025
  • hifistatement.net intern – Teil 4

    Heute stellt sich Thomas Heinemann vor. Auch wenn er erst in diesem Jahr zum Team kam, konnten Sie schon drei seiner Artikel lesen, in denen er sich mit ausgesprochenen Wunschthemen beschäftigte. Das klingt zwar gut, birgt aber die Gefahr, dass man sich vom Testobjekt – oder einem größeren Modell desselben Herstellers – nicht mehr trennen möchte… Mein Name ist Thomas Heinemann und ja, wir kennen uns bereits. Sie und ich, wir teilen dieselbe Leidenschaft für…
    26.12.2025

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.