Tiefe Frequenzen strahlen, das wissen Sie sicher, kugelförmig ab. Platziert man jedoch mehrere Subwoofer nebeneinander, kann man ihre kugelförmige Abstrahlung auf der Horizontalen bündeln und eine Zylinderwelle erzeugen. Aus diesem Grund findet man bei Großkonzerten eine Reihe von Subwoofern, die nebeneinander vor der gesamten Bühnenbreite stehen. Ihre Schalleistung wird so auf die Zuschauerfläche konzentriert. Verzögert man einige der Subwoofer gezielt, entweder durch ein Delay oder mechanisch, durch das Aufstellen der Subwoofer in einem Bogen statt einer gerade Linie, kann noch präziser gesteuert werden, wie der Schalldruck auf der horizontalen Ebene verteilt sein soll. Es ist technisch dann sogar möglich, das Schalldruckmaximum außermittig zu verschieben. Genau diesen Effekt nutzt Trinnovs Cylindrical WaveForming, wofür mindestens zwei Subwoofer in festen Abständen nebeneinander an gegenüberliegenden Wänden (oder vier Subwoofer in den Ecken) benötigt werden. Das gleiche (Line-)Array-Prinzip setzt übrigens auch das Breitbandarray der meroVinger Hauptlautsprecher ein, allerdings in vertikaler Ebene (wobei es aufgrund der zu hohen Frequenzen hin zunehmenden Richtwirkung weniger effektiv ist). Doch zurück zum Bass: Fügt man Subwoofer auf vertikaler Ebene hinzu, kann die Welle auch vertikal „gesteuert“ werden. Da so eine möglichst homogene ebene Welle erzeugt wird, nennt Trinnov diesen Betriebsmodus Planar WaveForming. Hierzu sind mindestens 5 Subwoofer notwendig. Wie die Aufstellung im Detail aussehen muss, können Sie auf Trinnovs Website nachlesen oder mit dem „Waveforming Design Tool“ selbst ermitteln. Noch besser natürlich: Sie verlassen sich auf Markus' Expertise.

Damit die beschriebenen Mechanismen ideal ineinandergreifen, müssen alle Subwoofer an verschiedene Positionen im Raum gemessen werden. Passenderweise ist auch Trinnovs Messmikro (950 Euro) ein Array. Dank mehrerer Mikrofonkapseln in bestimmter Anordnung vereint in einem Gehäuse, ist es in der Lage, Richtungen und Entfernungen aufzulösen. Anhand der Messungen werden dann nicht nur die benötigten Delays und Pegel der einzelnen Subwoofer berechnet, sondern auch spezifische Korrekturfilter, um jeden einzelnen Subwoofer so anzusteuern, wie es für eine homogene Bassverteilung im Raum nötig ist. Das führt nicht nur am Haupthörplatz zu einem sehr linearen Frequenzgang ohne jeglichen Einbruch. Da beim Planar WaveForming die Reflexionsflächen des Raumes im Bassbereich quasi „abgeschaltet“ werden, kann der Nachhall über Trinnovs Software gesteuert werden. Das ist sehr beeindruckend – bereits in der Theorie – in der Praxis in Markus' Hörraum überragend! Dass Trinnovs Mess-Algorithmen dabei nicht nur im Bassbereich effektiv agieren, zeigt sich an den Hauptlautsprechern. Die Breitbänder sind lediglich händisch über zwei Shelving-Filter gezähmt, jedwede weitere Optimierung übernimmt Trinnovs Korrektur-Algorithmus auf Grundlage einer von Markus definierten Target-Kurve im Frequenz- und Phasenbereich, somit folglich auch im Impulsbereich! Sie bestimmten, wie ihr System klingen soll, Markus entwirft die passende Referenzkurve und Trinnov macht den Rest. Der Einsatz eines Bass-Arrays hat zusätzlich den Vorteil, dass die Hauptlautsprecher im tiefen Frequenzbereich entlastet werden und so höhere Frequenzen deutlich profitieren können. Doch wie klingt es denn nun?

Es ist fair vorauszuschicken, dass ich selten die Gelegenheit habe, auf einer derart großzügigen Stereobreite in einem vollkommen der Musikwiedergabe gewidmetem Raum zu hören. Dieses Erlebnis an sich wäre schon beeindruckend. Mit dem, was Trinnov zusätzlich leistet, gerät es höchst außergewöhnlich. Eine ähnlich kontrollierte Wiedergabe im gesamten Frequenzbereich habe ich noch nicht erlebt. Angefangen beim Bassbereich, der unmittelbar dem folgt, was das Musikstück vorgibt. Bei 11 Subs könnte man auf die Idee kommen, dass ihr Zusammenspiel etwas verwischt und ungenau wirkt, aber dank Trinnovs Algorithmen ist das Gegenteil der Fall. Alle 11 Bässe agieren wie ein einziges, schnelles, druckvolles und hochpräzises Chassis. Auch wenn man am Sitzplatz hin- und herrückt, ändert sich daran nichts. Die Homogenität, die das WaveForming verspricht, wird auch eingelöst. Verlangt das Musikstück nach einem weichen, rollenden Bass, wird dies bedient. Ist eine impulsive Attacke gefragt, wird diese anstandslos geliefert – sie beginnt brachial und unvermittelt und endet ganz genau dann, wenn sie es soll. An diese Art der Bassreproduktionen muss ich mich kurz gewöhnen. Nach einiger Zeit wird mir aber klar, dass es das erste Mal überhaupt ist, dass ich wirklich vollumfänglich beurteilen kann, wie der Bassbereich verschiedenster Instrumente in Aufnahmen ausfällt. Das verhältnismäßig lange Ausklingen von Basswellen in üblichen Räumen verhindert eine derart feine Unterscheidung von „weichen“ und „harten“, respektive trockenen Bässen, weil es normalerweise nie ganz trocken wird. Es fehlt einfach die Trennschärfe, die ich in Markus' Raum erleben kann. Gleichzeitig sorgen die 11 gemeinsam agierenden Subwoofer für eine überragende Souveränität. Selbst bei hohen Lautstärken wirkt es so, als würde der Pegel mit Leichtigkeit und ohne jegliche Anstrengung erreicht. Ähnliches gilt auch für die Hauptlautsprecher und mir leuchtet plötzlich ein, weshalb Markus Lautsprecher mit einem Chassis-Array einsetzt. Die einzeln betrachtet kleinen Chassis ermöglichen eine schnelle Ansprache und somit eine gleichermaßen spielfreudige, ansatzlose und agile Wiedergabe. Die in Summe große Membranfläche wiederum sorgt für die Mühelosigkeit bei hohen Pegeln.
