Markus und ich hören uns durch verschiedenste Musikstile. Von audiophilen bis hin zu durchschnittlichen Produktionen. Da wir beide eine Leidenschaft für Metal teilen, kommt auch dieses Genre nicht zu kurz. Markus' System verfügt über die Fähigkeit, auch durchschnittliche Aufnahmen ungewöhnlich spielfreudig wiederzugeben. Eine Abstufung zu sehr gelungenen Aufnahmen ist deutlich erkennbar, aber das System deklassiert nichts. Das werte ich als Indiz dafür, dass Linearität eine wichtige, wenn nicht die Grundvoraussetzung für diese Fähigkeit ist – diese Frage versuche ich selbst noch immer vollumfänglich und abschließend zu beantworten. Den Anfang macht Leprous „Have You Ever?“ vom Album Aphelion, das in meinen Hörbeschreibungen immer mal wieder auftaucht. Der tiefe Synth, der das Stück eröffnet, ist für mich ein guter Grundindikator. Die Reproduktion dieses Musikstücks überrascht mich gleich mehrfach. Die großzügige räumliche Komponente, die das System in Tiefe und Breite herausarbeitet, kannte ich bei dem Stück bisher nicht. Die verschiedenen Synths, Drums, Stimme, Gitarren, Effekte, alles ist eindeutig positioniert, klar und feingliedrig voneinander abgegrenzt und doch wird man von der Energie des Stücks überrollt und mitgerissen. Die Instrumente haben gleichzeitig einen kleinen, präzisen Kern und eine enorme Ausdehnung. Sie beanspruchen regelrecht „Fläche“ für sich. Besonders der Synth beeindruckt in dieser Hinsicht. Haben Sie mal eine Lasershow gesehen und können sich das charakteristische Wabern von Bühnennebel in einem breiten, durch den Raum fahrenden Laserstrahl vorstellen? So wirkte der Synth für mich: klar und deutlich vom Laser umrissen, aber in sich beweglich wabernd und changierend. Die Frequenzauflösung im Bassbereich des Stücks konnte ich ebenfalls noch nie so genau analysieren. Der Synth geht weniger tief, als es auf den meisten Systemen wirkt. Bei der Aufnahme der Bass Drum wurde die Tiefstbassenergie im Studio sauber eingefangen und geht noch deutlich tiefer in den Frequenzkeller als der Synth. Gleichzeitig wird die Bass Drum trotz ihres enormen Tiefgangs so impulsgetreu reproduziert, wie ich es sonst eigentlich nur von meinem eigenen Schlagzeug im Proberaum kenne. Auf den meisten Systemen sind diese feinen Unterscheidung kaum differenzierbar, zumal dort Synth und Bass Drum oft ineinander verschwimmen. Klarer voneinander abgegrenzt und eigenständiger als auf Markus' System habe ich sie noch nicht hören können.

In Shaun Martins „Introduction“ vom Album 7Summers ist die Unterscheidbarkeit von Bassinstrumenten gleichermaßen hoch. Während der E-Bass sehr weich und sanft rollend herausgearbeitet wird, hat die Bass Drum eine blitzschnelle Ansprache und wird dem Begriff „Kick Drum“ vollumfänglich gerecht. Im Vergleich zur Bass Drum von Leprous Drummer Baard Kolstad ist die Trommel von Robert "Sput" Searight auf dieser Aufnahme höher gestimmt und ihr Kessel klingt etwas kleiner als die 22-Zoll-Varianter, die Baard spielt. Das lässt sich zwar auch auf anderen Systemen gut heraushören, aber hier hatte ich das Gefühl, die Kessel regelrecht vor mir in ihrer individuellen Größe zu sehen. Ich bin inzwischen nicht mehr sonderlich leicht zu begeistern, aber nahezu alle Test-Tracks zwangen mich unmittelbar zu einem Lächeln. Dass Hedegaards „Ratchets“, ein Messeliebling und somit auf vielen verschiedene Systemen gehört, in Markus' Hörraum eines der breitesten auslöste, versteht sich von selbst. Wir fahren nahe an Club-Lautstärke und nach den Bassschlägen schwingt einfach nichts, überhaupt nichts nach.

Bei orchestraler Musik zahlt sich die Linearität des Systems aus. Einzelne Instrumente des Ensembles klingen natürlich, glaubhaft und charakterstark. Die Unbeschwertheit der Wiedergabe und die räumlichen Darstellung tut ihr Übriges. Wie bisher werden Instrumente unheimlich gut voneinander getrennt. Auch im großorchestralen Kontext sind die Instrumentengruppen in ihrer Ausdehnung und die einzelnen Instrumente innerhalb der Gruppe, sofern die Aufnahme dies zulässt, klar definiert. Sie werden sauber in Breite und auf einer großzügigen virtuellen Bühnentiefe gestaffelt. Zwischen den einzelnen Ebenen, die Instrumente oder Instrumentengruppen in ihrer räumlichen Platzierung einnehmen, herrscht allerdings etwas weniger „Luft“ als ich es von einigen anderen High-End-Systemen kenne. Und obwohl ich übergreifende Detailaufösung alles andere als vermisse, habe ich auch hier schon Systeme gehört, die noch mehr bieten. Allerdings spielten in diesen Systemen dann meist Stereo-DACs, die mit nur zwei Kanälen mindestens so viel kosteten, wie der bei Markus wandelnde Acousence multi-dac mit seinen vier DAC- und zwei ADC-Pfaden. Auch die eingesetzten Endstufen waren meist empfindlich teurer. Ich bin mir sehr sicher, dass auch im „Audio-Freak“-System noch mehr ginge, wenn man an diesen Stellschrauben drehen würde.
