tests/14-04-29_audiosolutions
 

AudioSolutions Rhapsody 130

29.04.2014 // Wolfgang Kemper

Im Sommer 2011 gründete Gediminas Gaidelis dann die Firma AudioSolutions, die dem Anspruch folgend den Untertitel „The Art And Science Of Speaker Engineering“ erhielt. Unser Proband, die Rhapsody 130, zweitgrößter von insgesamt vier Lautsprechern in dieser Linie, in der zusätzlich auch noch ein Center-Speaker angeboten wird, ist ein Zwei-Wege Konzept mit zwei 17-Zentimeter-Tieftönern, die im Bassreflexgehäuse die gleiche Arbeit verrichten und ab 2450 Hertz von einer 2,5-Zentimeter-Seidengewebe-Kalotte abgelöst werden. Diese ist nicht nach dem D´Appolito Prinzip zwischen, sondern oberhalb der Tieftöner angeordnet. Die Chassis sind keine Eigenentwicklungen von AudioSolutions, sie werden bei renommierten Herstellern zugekauft. Die Seiden-Kalotte liefert Seas, SB Acoustics fertigt die Tief-Mittel-Töner.

Die Seas Seidenkalotte arbeitet oberhalb 2450 Hertz, darunter die zwei 17er von SB Acoustics. Oben und hinten erkennt man wieder den schwarz lackierten Rahmen des eigentlichen Klangkörpers
Die Seas Seidenkalotte arbeitet oberhalb 2450 Hertz, darunter die zwei 17er von SB Acoustics. Oben und hinten erkennt man wieder den schwarz lackierten Rahmen des eigentlichen Klangkörpers

Die drei leistungsstarken Chassis arbeiten in dem nicht nur schönen, sondern auch mechanisch sehr solide konstruierten Gehäuse. Es besteht aus zweilagigem MDF und ist sehr resonanzarm. Die formale Gestaltung sorgt für zusätzliche Festigkeit. Besonderes Augenmerk legen die AudioSolution Designer auf die Frequenzweiche, die man zur mechanischen Bedämpfung in Quartz-Sand gelagert hat. Gediminas Gaidelis sagt selber über seine Weichenentwicklung: “Als Elektronik Ingenieur entwerfe ich alle Frequenzweichen selbst. Mein Grundsatz ist die Verwendung so weniger Bauteile wie möglich. Ich versuche, hoch-induktive Spulen zu vermeiden, weil diese die Impulsantwort ruinieren. Ohne eine saubere Impulsantwort kann man nicht wahrhaft über guten Klang reden. Falls Bedarf besteht, benutze ich Impedanz-Korrekturen für einzelne Chassis, dies aber nicht in jedem Weichen-Konzept. Überwiegend wähle ich Chassis mit sehr niedriger Induktivität. Die Weichenbauteile sind ausschließlich hochwertige Luftkern-Spulen und Kondesatoren sowie MOX Widerstände von Jantzen Audio. Ich achte nicht auf jeden Penny und benutze niemals billige bipolare Kondensatoren oder Spulen mit Kernen. Ich bestehe bei allen unseren Modellen auf der Verwendung von Qualitätsbauteilen. Denn der Benutzer soll sich nicht mit Lautsprecher-Tuning beschäftigen müssen. Ich habe harte Zeiten erlebt mit teuren Lautsprechern, die mit billigen Bauteilen bestückt waren. So etwas ist mörderisch für guten Klang. Und dann ist da die Tatsache, dass wir ein junges Unternehmen am Markt sind. Deshalb müssen wir im Vergleich zum Wettbewerb unseren Kunden mehr für ihr Geld bieten. Auch deshalb sind hochwertige Bauteile der Bereich, wo wir uns besonders engagieren. Wir benutzen auch keine Platinen, da deren Leiterbahnen stets dünner sind als vernünftige Kabel und das Signal verschlechtern, wenn richtig Strom fließt. Und es macht auch keinen Sinn, mit hochwertigen Komponenten zu protzen, wenn sie von einer Platine sozusagen erstickt werden. Unsere Frequenzweichen sind in eine Quartz-Verbindung eingetaucht, um mikrofonische Schwingungen zu unterbinden, die durch die Luftbewegungen im Inneren des Gehäuses entstehen. Diese Verguss-Masse verhindert zusätzlich Feuchtigkeits-Effekte, Korrosion und auch das Nachbauen.

Die Weichen der Rhapsody 130 sind Filter dritter Ordnung. Viele stehen dieser hohen Flankensteilheit wegen der starken Phasendrehung misstrauisch gegenüber. Jedoch ist der Leistungsfrequenzgang – da ist die abgestrahlte Schallleistung über alle Raumwinkel – der beste im Vergleich zu anderen Optionen. Der Frequenzverlauf auf Achse hat die geringste Welligkeit und die Phasenverschiebungen vor und hinter der Übergangsfrequenz sind wirklich die niedrigsten. Somit kümmert es mich nicht, dass sie sich mit der 270-Grad-Phasendrehung summieren. Denn so klingt es lebendig und natürlich, und dies ist mein Ziel. Ferner neigt sich Richtcharakteristik um15 Grad in der Horizontalen. Da das Lautsprechergehäuse um 7 Grad nach hinten geneigt ist, ergibt sich nur noch eine axiale Verschiebung von 8 Grad. Damit kann ich bei den vielen Vorteilen des Filters dritter Ordnung gut leben. Viele bevorzugen das 24-Dzibel-Linkwitz-Filter, weil dort der axiale Frequenzverlauf flach ist. Aber was nutzt ein geradliniger Frequenzgang auf Achse, wenn der Hörraum den Leistungsfrequenzgang beeinflusst? Alles muss mit in die konstruktiven Überlegungen einbezogen werden, nicht nur Messungen auf Achse. Und hier hat das Linkwitz-Filter eben Schwächen: einen schlechteren Leistungsfrequenzgang, hohe Gruppenlaufzeit-Fehler und Phasen-Drehungen unterhalb und oberhalb der Übernahme-Frequenz.” (vom Autor aus dem Englischen sinngemäß übersetzt)

So eher hässlich, weil ausgebaut. Normal so nicht zu sehen, aber wichtig: das Bassreflexrohr
So eher hässlich, weil ausgebaut. Normal so nicht zu sehen, aber wichtig: das Bassreflexrohr

Die AudioSolutions Rhapsody 130 weckt in mir gleich so viele Sympathien, weil jedes von aussen sichtbare Detail von liebevoller Fertigung zeugt. Da ist zum Beispiel die lederbezogene Schallwand, ein Hauch von Luxus, den ich auch schon beim Test der Rosso Fiorentino Volterra aus der Toscana sehr sympathisch fand. Das Erscheinungsbild der Rhapsody 130 vermittelt Emotionen, weil hier offenbar Menschen mit viel Feingefühl zu Werke gegangen sind. Beleg dafür ist auch der Hinweis „Hand made in Lithuania“ auf dem rückseitigen Messsing-Terminal unterhalb der Seriennummer. Diese wird wohl vor allem wegen der Gleichartigkeit des jeweiligen Furniers paarig an zwei ausgesuchte Exemplare vergeben.


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