tests/15-10-16_audioquest
 

Audioquest Nighthawk

16.10.2015 // Dirk Sommer

In letzter Zeit wurden an dieser Stelle häufig Kopfhörer kleiner Manufakturen vorgestellt. Der Nighthawk hingegen dokumentiert, was dabei herauskommt, wenn ein weltweit erfolgreicher Kabelhersteller wie Audioquest nach reichlich Entwicklungs- und Vorbereitungszeit in eine neue Produktkategorie einsteigt.

Schon vor längerer Zeit war Audioquest-Chef William E. Low in Gröbenzell, um über sein Kopfhörerprojekt zu sprechen. Nach dem Entschluss, auch in diesem Marktsegment aktiv zu werden, verpflichtete er Skylar Gray, der zuvor schon In-Ear-Monitore und Mikrophone konstruiert hatte und einige Patente im Audiobereich besitzt, um eine Serie von Kopfhörern für Audioquest zu entwickeln – und zwar von Grund auf. So kann man nun im Kapitel „Measurement“ auf Audioquests Website zum Nighthawk sehr detailliert nachlesen, dass Skylar Gray den Nutzen der üblichen, für die Abstimmung des Frequenzganges angewendeten Entzerrungskurven hinterfragt und diesen schlussendlich verneint. Die Frei- und Diffusfeld-Entzerrungen, die für Messungen für den Gehörschutz, aber nicht für den Musikgenuss erstellt wurden, führen seinen Untersuchungen nach oberhalb von zwei Kilohertz zu starken Frequenzgang-Überhöhungen, die schnell zu Ermüdungserscheinungen führten. Natürlich sorgen diese Überbetonungen des Präsenz- und Hochtonbereich für eine subjektiv empfundene, erhöhte Durchhörbarkeit. Diesen Effekt vergleicht Skylar Gray mit dem Nachbearbeiten von Bildern in Fotoprogrammen: Effekte wie nachträglich erhöhte Schärfe mögen zwar kurzfristig interessant sein, letztlich sei aber das „natürliche“ Maß an wahrnehmbaren Details deutlich angenehmer.

Der Nighthawk besitzt Gehäuse aus sogenanntem Flüssigholz, das im Spritzgussverfahren verarbeitet wird und hervorragende akustische Eigenschaften besitzen soll
Der Nighthawk besitzt Gehäuse aus sogenanntem Flüssigholz, das im Spritzgussverfahren verarbeitet wird und hervorragende akustische Eigenschaften besitzen soll

Nach der Festlegung auf den gewünschten Frequenzganges ging es vor allem darum, Verzerrungen bei der Wiedergabe zu minimieren. Ein erster Schritt dazu war die Wahl des Membranmaterials: Statt des üblicherweise in dynamischen Kopfhörern verwendeten Mylars entschied sich Skylar Gray für eine 50-Millimeter-Biozellulose-Konusmembran, die sich auch bei hohen Frequenzen noch kolbenförmig bewegen soll, statt wie Mylar eine Reihe von Partialschwingungen aufzuweisen. Auch bei deren Befestigung am Korb geht Audioquest eigene Wege: Die Biozellulosemembran besitzt wie die eines Lautsprechers eine Sicke aus Gummi, während Mylarmembranen direkt mit dem Korb verklebt werden. Beim Nighthawk sind im gesamten Korb Ventilierungsöffnungen zu finden, während – wie Syklar Gray ausführt – die Körbe anderer Kopfhörer üblicherweise kleinere, geschlossene Bereiche aufwiesen, die Verzerrungen im Bassbereich zur Folge hätten. Seine Konstruktion besitze auch abgerundete Ecken am Antrieb und an den Ventilierungsöffnungen des Korbes, um Turbulenzen des Luftstroms hinter der Membran zu vermeiden, die zu Störungen im oberen Frequenzbereich führten.

Der Kopfhörer wird mit in einer praktischen Aufbewahrungsbox mit zwei Kabelsätzen geliefert
Der Kopfhörer wird mit in einer praktischen Aufbewahrungsbox mit zwei Kabelsätzen geliefert

Nicht nur bei den Sicken, sondern auch beim Antrieb orientiert sich der Entwickler an hochwertigen Lautsprecherchassis: Statt auf lange Spulen ohne Spulenträger zu setzen, die sich in einem kurzen Magnetfeld bewegen und eine recht hohe Impedanz aufweisen, kommt beim Nighthawk ein sogenannter Short-Coil/Long-Gap-Motor zum Einsatz: Eine auf einen Spulenträger gewickelte kurze Spule bewegt sich in einem langen Magnetspalt. Audioquest hat das Prinzip des Langhub-Treibers aber noch einmal weiterentwickelt und dafür auch ein Patent erhalten: Ein sogenannter „split-gap motor“ oder Antrieb mit doppeltem Luftspalt soll hier für eine beinahe perfekte symmetrische Bewegung sorgen und die Intermodulationsverzerrungen noch einmal deutlich reduzieren.

Auch beim halboffenen Gehäuse geht Audioquest neue Wege: Die Ohrmuscheln bestehen aus Liquid Wood oder Flüssigholz. Das ist laut Produktinformation „echtes Holz, das mit recycelten Pflanzenfasern kombiniert, erhitzt und verflüssigt wird, so dass es im Spritzgussverfahren weiterverarbeitet werden kann“. Auf diese Art lassen sich in einem Arbeitsgang auch gleich Gehäuseversteifungen zur Resonanzminderung produzieren. Darüber hinaus soll Liquid Wood bessere akustische Eigenschaften bieten als Holz oder Kunststoff. Zur weiteren Resonanzminderung wird auf das Gehäuse aus Flüssigholz innen eine elastomere Beschichtung aufgebracht. Wie in den meisten Lautsprecherboxen wird auch beim Nighthawk Dämpfungsmaterial verwendet, und zwar eine Mischung aus Wolle und Polyester.


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