ZeroUno DAC – Teil 2

13.04.2016 // Roland Dietl

Während im ersten Teil der Klang des ZeroUno im Vordergrund stand, werde ich mich im 2. Teil meines Berichts mit der Technik des ZeroUno beschäftigen. Mitte März hatte ich die Gelegenheit, mich mit Mario Canever über die beim ZeroUno gewählten technischen Ansätze zu unterhalten.

Dabei durfte ich Mario Canever als unglaublich kompetenten Gesprächspartner kennenlernen, der sich in jedem noch so kleinen Detail auskennt und gleichzeitig vollkommen ohne jegliche Allüren auftritt. Was ursprünglich als kurzes Interview geplant war, endete in einem mehrstündigen Fachgespräch. Aus meinen dabei gemachten Aufzeichnungen habe ich nun die interessantesten Aspekte herausgegriffen und im folgenden Artikel zusammengefasst. Vielleicht werden Sie nach der Lektüre so manches Gerät mit anderen Augen betrachten. Schauen Sie also mit mir einmal hinter die Kulissen bei der Entwicklung eines DACs.

Mein Gespräch mit Mario Canever über den ZeroUno begann für den Laien vielleicht etwas unverständlich beim Motherboard, also der zentralen Platine im ZeroUno. Aber in einem DAC, der einerseits digitale Signale mit einer Frequenz von bis zu 12.228 Megahertz und andererseits winzige analoge Signale verarbeitet, sind die Vermeidung von Störkomponenten durch elektromagnetische Induktion und die korrekte Masseführung die absolute Grundlage für gute klangliche Ergebnisse. Die gesamte Schaltung des ZeroUno mit Ausnahme des USB-Eingangsmoduls ist auf einer einzigen, großen vierlagigen Platine mit extra dicken Leiterbahnen aufgebaut. Die Platine gewährleistet sehr kurze Signalwege und minimale externe Verdrahtung über Kabel. Auf der obersten und untersten Ebene der Platine werden digitale und analoge Signale fein sauber getrennt geführt. Von den beiden mittleren Lagen ist jeweils eine für die Führung der Stromversorgung und eine für die Masseführung reserviert. Alle Schaltungsbereiche sind sorgfältig über kleine By-Pass-Kondensatoren entkoppelt. In die Platine hat Mario Canever, wie er mir erzählte, einen ganzen Monat Entwicklungsarbeit gesteckt. Dabei hat er auf die Automatik-Routinen entsprechender Layout-Programme weitgehend verzichtet und die circa 500 bis 600 Bauteile manuell platziert und miteinander verbunden.

Das große vierlagige Motherboard: links das Netzteil für die Röhrenausgangsstufe, in der Mitte die Röhrenausgangsstufe, oben darüber von der kleinen USB-Platine verdeckt der SABRE 9018s, rechts die übrigen Netzteilkomponenten
Das große vierlagige Motherboard: links das Netzteil für die Röhrenausgangsstufe, in der Mitte die Röhrenausgangsstufe, oben darüber von der kleinen USB-Platine verdeckt der SABRE 9018s, rechts die übrigen Netzteilkomponenten

Mario Canever ist überzeugt, dass die Performance einer Audio-Schaltung mit der Qualität der Stromversorgung steht und fällt: „Etwa 60 Prozent der Entwicklungszeit für den ZeroUno sind in die Entwicklung des Netzteils geflossen. Unser Ziel war, die Störkomponenten im Netzteil so niedrig wie möglich zu halten. In vielen Audio-Komponenten sind diese Störkomponenten vorhanden und beeinflussen den Klang negativ.“ Nun ist das sicherlich keine neue Erkenntnis. Wer einmal erlebt hat, was ein gutes Netzteil bei einer an sich schon hervorragenden Line-Stufe an klanglicher Verbesserung bewirken kann, wird mir zustimmen. Schon weniger bekannt ist die Tatsache, dass dies auch bei Digital-Komponenten, wie DAC und Server, gilt, auch wenn es hier vordergründig nur um „Einsen“ und „Nullen“ zu gehen scheint. Insbesondere die billigen, mitunter auch in recht teuren Geräten verwendeten Schaltnetzteile sind für mich ein Graus. Allerdings sollte jedem klar sein, dass ein gutes Netzteil nicht billig sein kann. Die Konsequenz und der Aufwand, mit dem das Thema Netzteil beim ZeroUno gelöst wurde, sind allerdings außergewöhnlich.

Ein gutes lineares Netzteil beginnt ganz vorne beim Trafo und bei den Gleichrichtern. Die Basis des Netzteils im ZeroUno bilden vier Ringkerntransformatoren. Einer für den Digitalteil, einer für den Analogteil und zwei für die Stromversorgung der Röhrenausgangsstufe. Für die Gleichrichtung werden spezielle Silicon-Carbide-Dioden eingesetzt, die weitgehend frei von „converting spikes“ sein sollen. Anschließend folgen sage und schreibe 13 elektronische Stabilisierungen. Die Stabilisierung erfolgt dabei zweistufig. Auf der ersten Stufe nach der Gleichrichtung stellt ein Vorregler eine bereits sehr saubere Gleichspannung bereit und isoliert die nachfolgenden Hauptregler auf der zweiten Stufe nahezu vollständig von der Netzspannungsseite und von dort induzierten Störkomponenten. Der Vorregler ist mit einem integrierten Festspannungsregler der neuesten Generation aufgebaut, der hervorragende technische Eigenschaften aufweist und dem auch ein sehr guter Klang nachgesagt wird. Ein Vorregler versorgt dabei mehrere Hauptregler. Die Regler der zweiten Stufe versorgen die zentralen Schaltungseinheiten des ZeroUno mit extrem sauberer Spannung. Für die Versorgung besonders kritischer Schaltungsteile wie die „main clock“ sind darüber hinaus vier dieser Regler nicht mit integrierten Festspannungsreglern, sondern diskret mit dem Top-Operationsverstärker AD 797 aufgebaut, der oft in High-End-Audio-Verstärkerstufen eingesetzt wird und zum Besten zählt, was man kaufen kann. Diese Regler weisen exzellente Regeleigenschaften und außerordentlich hohe Störspannungsabstände auf. Im gesamten Netzteil kommen organische Polymer-Aluminiumkondensatoren statt normaler Elektrolyt-Kondensatoren zum Einsatz. Zur weiteren Ausfilterung von Störkomponenten werden nach den Reglern kleine Induktivitäten eingesetzt.


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