tests/19-08-30_boulder
 

Boulder 508

30.08.2019 // Dirk Sommer

So schnell die Boulder 508 ans Spielen kommt, so lange sollte man ihr nach dem Wunsch des Vertriebs Einspielzeit gönnen. Frank Pietersen sprach von einigen hundert Stunden. Da ist es wirklich schade, dass es mit dem Auflegen einer Scheibe nicht getan ist: Einen „Repeat“-Knopf kann ich auf meinem Plattenspieler leider nicht finden. Aber auch mit händischem Plattenwechsel und Tonabnehmer-Aufsetzen habe ich es auf etwa hundert Stunden gebracht. Mehr Zeit stand einfach nicht zur Verfügung – auch wenn die 508 die lange nicht gehörten Scheiben von Roland Kirk und Charles Mingus von Anfang an zu einem Erlebnis machte: Tonalität, Dynamik und Raumdarstellung ließen keine Wünsche offen und mich in Erinnerungen schwelgen – etwa denen, wo und wie ich einige der recht raren Scheiben nach langer Suche ergattern konnte. Inzwischen sind einige von ihnen wiederaufgelegt worden, was die Freude über den damaligen Jagderfolg jedoch nicht schmälert. Wenn ich die Wahl hatte, habe ich die – meist amerikanischen – Originale gehört. Für Abwechselung sorgten zwischendurch einige ECMs oder auch SteepleChase-Einspielungen von Niels-Henning Ørsted Pedersen.

Für den Anfang hatte ich meine momentane Lieblings-Arm/System-Kombination ausgewählt: Einsteins The Tonearme in der langen Ausführung und Transrotors Tamino. Der bei My Sonic Lab gefertigte Tonabnehmer hat trotz seines sehr geringen Innenwiderstandes eine recht kräftige Ausgangsspannung von 0,5 Millivolt. Bei der Einstein-Phonostufe schließe ich es üblicherweise mit 40 Ohm ab, aber auch 85 Ohm sind ohne Klangeinbußen möglich. Auch an den 100 Ohm der Boulder fühlt sich das Tamino hörbar wohl. Gegen Ende der Einspielzeit habe ich dann doch mal zu einem Reissue gegriffen: Charles Mingus' Mingus Ah Um in der Classic-Records-Version. Spätestens nach den beiden Klassikern „Better Git It In Your Soul“ und „Goodbye Pork Pie Hat“ frage ich mich, wie ich Analoges nur so lange vernachlässigen konnte. The Tonearm, Tamino und Boulder 508 verwöhnen mit einer faszinierenden Grob- und Feindynamik, hoher Intensität und dem so schwer zu beschreibenden, gewissen anlogen Etwas. „Better Git It In Your Soul“ spricht einen rhythmisch unmittelbar an. Regungslosigkeit im Hörsessel ist schlicht unmöglich. „Goodbye Pork Pie Hat“ entpuppt sich als eine einzige Schwelgerei in Klangfarben – zum Dahinschmelzen!

Der dritte Schalter, der zur Wahl zwischen MC- und MM-Systemen, befindet sich direkt neben den Eingangsbuchsen
Der dritte Schalter, der zur Wahl zwischen MC- und MM-Systemen, befindet sich direkt neben den Eingangsbuchsen

Da die Einstein/Transrotor-Kombination so gut mit der Boulder harmoniert und gemeinsam mit den beiden kanalgetrennten Einstein-Entzerrern momentan meine erste Wahl ist, vergleiche ich nun die beiden Phonostufen. Um es kurz zu machen: Trotz minimaler Unterschiede nehmen sich die beiden so gut wie nichts, wenn es um Dynamik, Klangfarben und musikalischen Fluss geht. Auch in puncto Rhythmus und Freiheit von Rauschen und Brummen bieten beide nicht den geringsten Anlass zur Kritik. Lediglich in Sachen Raumabbildung hat Einsteins allerdings knapp 30 Prozent teurere The Turntable's Choice ein klein wenig mehr zu bieten. Die – imaginäre? – Bühne wirkt noch ein kleines Stückchen tiefer. Auch wenn er ganz gewiss nicht mein Favorit ist, wechsele ich nun zum sehr leicht einstellbaren SME V, um die Boulder mit dem einen oder anderen Tonabnehmer zu hören. Noch ist im Fünfer Einsteins The Pick-Up montiert und begeistert mit der ihm eigenen Spielfreude, seinem soliden Bass-Fundament und adäquaten Leistungen in allen übrigen Disziplinen. Auch wenn Einstein bei einem Innenwiderstand des Pickup von zwölf Ohm eine Last zwischen 150 und 300 Ohm empfiehlt, legt ihm die 508 mit ihren 100 Ohm keinesfalls Steine in den Weg zu höchsten klanglichen Gefilden: Auch mit der Boulder kommen die bekannten klanglichen Vorzüge von The Pickup sehr gut zur Geltung.

Die Ein- und Ausgänge lassen zu Recht auf eine durchgehend symmetrische Signalverarbeitung schließen: trotz des dadurch erforderlichen Mehraufwands gerade bei der Verstärkung von Tonabnehmersignalen eine überaus sinnvolle Maßnahme
Die Ein- und Ausgänge lassen zu Recht auf eine durchgehend symmetrische Signalverarbeitung schließen: trotz des dadurch erforderlichen Mehraufwands gerade bei der Verstärkung von Tonabnehmersignalen eine überaus sinnvolle Maßnahme


  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026
  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026
  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026
  • Final UX5000

    Im Oktober habe ich den UX5000 in Warschau auf der Audio Video Show das erste Mal gehört. Zugegeben, Bluetooth-Overear-Kopfhörern gilt nicht unbedingt mein größtes Interesse, aber der UX5000 machte mich mit einigen Features neugierig auf einen Test. Final platziert das Modell an der Spitze seines Bluetooth-Kopfhörer-Line-Ups. Allein optisch spricht mich der UX5000 an. Schlicht und unauffällig, ohne ein Statement setzten zu wollen, um sich zwanghaft von der Masse abzuheben. Aber genau diese unaufgeregte Präsentation in…
    16.01.2026
  • Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

    Den letzten Bericht über eine Vor-/Endstufen-Kombination schrieb ich vor beinahe anderthalb Jahren. Bis jetzt kam lediglich Wolfgang Kempers Test des Senna-Sound-Duos dazu. Sollte das daran liegen, dass es in diesem Bereich nicht allzu viele Innovationen gibt? Die edlen Amps von Riviera Audio Laboratories sind jedenfalls alles andere als Mainstream. Die Verbreitung von digitalen Verstärkermodulen hat zumindest bei mir dazu geführt, dass mich ein Großteil der modernen Endstufen-Kreationen einfach nicht mehr interessiert. Schaltnetzteile in Kombination mit…
    14.01.2026
  • Keces Ewave

    Nein, wir werden nicht zur PR-Abteilung von Keces oder Robert Ross' Vertrieb, der die Produkte aus Taiwan in Europa betreut und hierzulande vertreibt. Doch bei einem Gespräch über den Ephono+ merkte Robert Ross an, dass er soeben das erste Null-Serien-Modell des Keces-Switch erhalten habe und uns zusenden könne. Da konnte ich nicht widerstehen. Da die Serienmodelle noch im Januar ausgeliefert werden, kann ich mir mit dem Bericht über das Switch auch nicht allzu lange Zeit…
    09.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.