tests/20-04-28_aperionaudio
 

AperionAudio Verus III Grand Tower

28.04.2020 // Wolfgang Kemper

Die Bestückung und der technische Aufwand der Verus III sind beachtlich und würden, nicht nur auf den ersten Blick, einen erheblich höheren Preis akzeptabel erscheinen lassen. Fangen wir mal mit dem von vorn E an. Die mittels unsichtbarer Magneten arretierte, schwarze Frontbespannung lässt sich durch einen Griff in die dafür gestaltete Mulde im Rahmen leicht abnehmen und wieder aufsetzen. Der Akustikstoff ist blickdicht und lässt die Bestückung unsichtbar werden. Hinter ihm sind fünf Chassis in die stets schwarze, hochwertig anmutende Gehäusefront aus MDF eingelassen. Sehr schön gemacht ist die Einfassung der einzelnen Chassis mit einem Ring aus festem Gummi, so dass keinerlei Verschraubung zu sehen ist und zusätzlich unerwünschten Vibrationen entgegengewirkt wird. Im oberen Teil des Gehäuses nehmen zwei 135-Millimeter-Konus-Mitteltöner den 25-Millimeter-Kalottenhochtöner mit seiner AperionAudio ASR™ -Technologie in ihre Mitte. Die beiden Mitteltöner tragen in ihrem Membran-Zentrum Phase-Plugs aus Aluminium. Die Anordnung der drei Chassis ist an das d´Appolito-Prinzip angelehnt, entspricht ihm jedoch technisch nicht ganz, was schon an den Abständen der drei Chassis zueinander erkennbar ist. ASR steht für Axially Stabilized Radiator™. Das Ziel dieser Kalottenhochtöner-Konstruktion soll ein zu den tiefen Frequenzen hin ausgedehntes und in Verbindung zu den Mitteltönern homogenes Abstrahlverhalten gewährleisten. Die Trennfrequenz zwischen Kalotte und Mitteltönern liegt bei 2600 Hertz. Die Seidenkalotte ist zur Resonanz-Optimierung mit einer speziell entwickelten Dämpfungsmasse beschichtet. Eine Besonderheit von ASR™ ist hinter dem Diffusor in der Mitte der Kalotte deutlich sichtbar. Dort erkennt man eine Einbuchtung in der Membran, die zentral mechanisch arretiert ist und deshalb in ihrem Zentrum nicht frei schwingt. Eine mittige Stabilisierung ist nicht einzigartig, man findet sie ähnlich auch bei wenigen anderen renommierten Herstellern. Dennoch haben die Entwickler bei AperionAudio eine besondere Technologie angewandt, die Sie sich, falls es Sie im Detail interessiert, in der 23-seitigen US-Patentschrift anschauen können. Im Hause AperionAudio legte man bei dem patentierten Hochtöner besonderen Wert darauf, das in den tiefen Frequenzen erweiterte Spektrum der Seiden-Kalotte auch im harmonischen Winkel zum Mitteltöner abstrahlen zu können. Das Resonanzverhalten soll ebenfalls profitieren. Um die Belastbarkeit zu steigern, ist die Schwingspule des Axially Stabilized Radiator™ mit Ferrofluid gekühlt.

Die beiden 5,25-Zoll-Mitteltöner arbeiten mit Membranen aus Kevlar und tragen über der Schwingspule ihren Phase Plug aus Aluminium
Die beiden 5,25-Zoll-Mitteltöner arbeiten mit Membranen aus Kevlar und tragen über der Schwingspule ihren Phase Plug aus Aluminium

In den jeweils zwei Tiefton- und Mittelton-Chassis sorgen Kevlar-Membranen für die Ankopplung an die Luft. Kevlar ist bekanntlich sehr leicht, verwindungs- und resonanzarm. Die beiden Tieftöner arbeiten auf den weitaus größten Teil des Gehäuses. Vom Gesamtvolumen ist eine eigene Kammer für die beiden Mitteltöner und den Hochtöner abgeteilt. So können die Luftbewegungen, die durch die beiden Bässe erzeugt werden, die Mitteltöner nicht anregen und umgekehrt. Die zwei rückseitigen Bassreflex-Öffnungen sind mit Schaumstoff-Pfropfen verschlossen. Das ergibt maximale Präzision im Bassbereich, da es sich so um ein annähernd geschlossenes System handelt. Entfernt man einen von ihnen oder auch beide, verändert dies den Frequenzverlauf im Tieftonbereich und erweitert ihn auch etwas nach unten. Dafür verzichtet man ein wenig auf die Präzision des geschlossenen Konzepts. Es macht Sinn, im eigenen Hörraum in Ruhe zu probieren, um das Bass-Verhalten dem persönlichen Geschmack und den Gegebenheiten des Raumes anzupassen. Die Erfahrung zeigt jedoch – so war es auch beim Test der XTZ Divine Delta, dass auch eine feinere Abstimmung mit nur einer Öffnung zielführend sein kann.

Der Kalotten-Hochtöner ist mit seinem patentierten Aufbau an die Mitteltöner angepasst
Der Kalotten-Hochtöner ist mit seinem patentierten Aufbau an die Mitteltöner angepasst

Dass beide Öffnungen nicht ganz die gleiche Auswirkung auf den Frequenzgang haben, entnehme ich Folgendem: Auf der amerikanischen Website von AperionAudio ist die Verus III Grand Tower im Querschnitt abgebildet und bietet einen begrenzten Einblick ins Innenleben. Man erkennt eine Aufteilung des Gehäusevolumens oberhalb des unteren Ventilierrohres. Es handelt sich dabei um eine recht massive Rundum-Verstrebung des Kabinetts zu dessen Stabilisierung, die eine große Öffnung in der Mitte lässt. Die Druckverhältnisse an den beiden Ventilierrohren sind deshalb nicht unbedingt exakt gleich. In der unteren Kammer befindet sich die aufwändige Frequenzweiche und das Anschluss-Terminal. Letzteres ist mit zwei Paar vergoldeter Anschlüsse für Vier-MillimeterBananas, Gabelschuhe oder freie Kabelenden für Bi-Amping oder Bi-Wiring ausgelegt. Eine Aperion-Audio-eigene Verkabelung und nicht, wie anderswo oft zu finden, eine minderwertige Messingbrücke, verbindet für den Standard-Betrieb die beiden Anschlüsse für die Bässe und für das Mittel-Hochton-Trio. Eine Steckbrücke erlaubt durch einfaches Umsetzen – auch während des Spielbetriebs – eine Absenkung des Hochton-Pegels um drei Dezibel. Die interne Verkabelung erfolgt ebenfalls mit einer Aperion-spezifischen Verdrahtung, ihre Kontakte sind mit Flachsteckern ausgeführt. In der Weiche sorgen neben anderen, speziell für Aperion gefertigten Bauteilen Dünnschicht-Kondensatoren für geringste dielektrische Verluste. Die Leiterplatine ist rot lackiert, wie man nachlesen kann: Rot, als Farbe der Liebe, aus Liebe zur Klangqualität – warum nicht.


  • Børresen Acoustics 05 Silver Supreme Edition

    While visiting Ansuz in August 2020, I was so captivated by the Børresen 05's elegant appearance alone that I instantly ordered a pair in the Silver Supreme Edition for a review. Now they finally happen to be in my listening room. But the way to it wasn’t that easy, and furthermore, these dream speakers also give rise to a question of conscience. I'm going to assume that those of you who have read the report…
    27.01.2022
  • Paltauf Phono-200

    Bisher hatte ich persönlich die feine High-End-Schmiede Paltauf aus Österreich noch nicht auf meinem HiFi-Radar gehabt. Umso begeisterter war ich beim Test von der röhrenbestückten Phonostufe Paltauf Phono-200 mit externem Netzteil. Denn hier sind ohne Frage musikalische Überzeugungstäter am Werk, die ihr Handwerk verstehen! Wie, Sie kennen Paltauf auch noch nicht?! Na dann wird es aber allerhöchste Zeit! Ansässig im österreichischen Graz, wird das Unternehmen von Gründer und Namensgeber Wolfgang Paltauf sowie Miteigentümer Thomas Stiegler…
    25.01.2022
  • SOtM ISO-CAT7 Special Edition

    Vor sechseinhalb Jahren habe ich an dieser Stelle das Vorgängermodell des aktuellen SOtM Ethernet-Isolators, den ISO-CAT6 getestet. In der Zwischenzeit sind die LAN-Verbindungen deutlich schneller geworden, und dem trägt SOtM mit dem ISO-CAT7 Rechnung, Doch vorrangig soll es dabei nicht um Geschwindigkeit, sondern um den Klang gehen. Beim Blick auf die bei der ersten Beschäftigung mit dem Isolator verwendeten Komponenten der Testanlage bin ich überrascht, wie viel sich an meiner Kette bis jetzt verändert –…
    21.01.2022
  • Dan Clark Audio Stealth

    Als ich den Stealth, das Topmodell von Dan Clark Audio, im Oktober gerade einmal eine halbe Stunde hören könnte, begeisterte er mich völlig. So dürfte es auch einer Menge Kopfhörerfans gegangen sein. Denn es dauerte bis Weihnachten, bis ein Exemplar für einen ausführlichen Test verfügbar war. Fasziniert der Stealth auch über längere Zeit? Carsten Hicking, einer der Inhaber des deutschen Dan-Clark-Audio-Vertriebs audioNEXT, hatte einen Stealth dabei, als er mir vor Monaten den Lotoo PAW S2…
    18.01.2022
  • Chord Electronics QUTEST

    Als Freund von Wortspielen bin ich stets fasziniert davon, welch findige Bezeichnungen sich Produktentwickler einfallen lassen. So auch beim neusten Testobjekt, Chord Electronics' QUTEST, dessen Name mich neben seiner Niedlichkeit sofort an die Bezeichnung Q-tips erinnert. Da bin ich mal gespannt, ob der DAC auch meine Gehörgänge „reinigen“ kann. Chord Electronics entstand aus einer Idee, die Gründer und Chefingenieur John Franks in den frühen 1980er Jahren hatte, als er als junger Elektronikingenieur in der Flugzeugindustrie…
    14.01.2022
  • Keces S300

    Keces meldet sich zurück. Längere Zeit war es, auch bei uns, eher ruhig um Keces, obwohl in fast jeder unserer Ketten mindestens eine Keces-Komponente arbeitet. Jetzt kommen gleich zwei Artikel in kurzer Folge. Nachdem Wolfgang Kemper mit dem Linearnetzteil P28 vorgelegt hat, lege ich mit der Analogendstufe S300 nach. Keces ist schon lange kein Geheimtipp oder Underdog mehr, dennoch ist vielleicht nicht jedem bewusst, dass Keces nicht nur Netzteile und Stromfilter anbietet. Anfang 2020 hat…
    11.01.2022

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.