tests/21-04-20_soundsmith
 

Soundsmith Strain Gauge

20.04.2021 // Dirk Sommer

Der Vorteil ist, dass sanftere Filter weniger Phasenprobleme verursachen als steilflankige. Ein weiterer Vorzug dieser Tonabnehmerkonstruktion ist die geringe bewegte Masse. Durch die Rillenauslenkung muss lediglich der Abtastdiamant samt Nadelträger in seinem Dämpfungsgummi bewegt werden – und nicht wie bei den üblichen Tonabnehmern zusätzlich noch ein Magnet, ein Eisenplättchen oder zwei Spulen. Und das dürfte der Dynamik und Präzision der Wiedergabe zugute kommen. Ein weiterer Pluspunkt des Strain Gauge ist es, dass die Nadeleinschübe leicht vom Besitzer ausgetauscht werden können. Dazu ist lediglich eine Inbusschraube zu lösen, und schon kann der Einschub entfernt werden. Bei frühen Versionen des Strain Gauge wurde dieser nur durch Magnetkraft in seiner Position gehalten und nicht durch eine Schraube gesichert. Bei aktuellen Modellen hilft der Magnet, den Nadeleinschub in die richtige Position zu ziehen. Der aufwendigste Einschub mit Rubinnadelträger und einem Diamanten mit Contact-Line-Schliff mit „Optimized Contour“ steht mit zehn Prozent des System-Preises in der amerikanischen Preisliste. Bei uns beträgt der Preis für den Tonabnehmer, das Versorgungsteil SG-200 und einen weiteren Nadeleinschub, diesmal mit einem Contact-Line-Diamanten ebenfalls auf einem Rubinnadelträger, 12750 Euro. Eine wahrlich stolze Summe, die sich aber schnell relativiert, wenn man in Betracht zieht, dass man beim Strain Gauge keinen Entzerrervorverstärker benötigt, eine Ersatznadel im Preis enthalten ist und dieser für weitere Nadeleinschübe ausgesprochen moderat ist – gerade im Vergleich zu dem, was ansonsten bei High-End-Abtastern für einen neuen Diamanten oder im Schadensfall für einen Nadelträger mit Diamant verlangt wird. Übrigens bietet Soundsmith auch Nadelschliffe für Schellacks und für alte Mono-Scheiben an. Das Strain Gauge erfordert zwar eine – wie man im Ruhrgebiet sagen würde: – happige Investition, die sich aber im Laufe der Jahre bezahlt macht, selbst wenn man sich irgendwann einmal für 78-er Scheiben begeistern sollte.

Rechts das komplette System mit seinen roten Nadeleinschub mit Rubinnadelträger und einem Diamanten mit Contact-Line-Schliff mit Optimized Contour, der schwarze Nadeleinschub besitzt ebenfalls einen mit Rubinnadelträger. Der Diamant hat einen Diamanten mit Contact-Line-Schliff
Rechts das komplette System mit seinen roten Nadeleinschub mit Rubinnadelträger und einem Diamanten mit Contact-Line-Schliff mit Optimized Contour, der schwarze Nadeleinschub besitzt ebenfalls einen mit Rubinnadelträger. Der Diamant hat einen Diamanten mit Contact-Line-Schliff

Das Strain-Gauge-Set mit dem Versorgungsteil SG-200 ist das günstigste im Angebot von Soundsmith, unterscheidet sich aber nicht von den beiden kostspieligeren Modellen, wenn es um die Signalerzeugung des Tonabnehmers geht. Das SG-210 bietet einen zweiten Ausgang mit höherem, per Potentiometer auf der Frontseite regelbaren Pegel zur direkten Ansteuerung von Endstufen, das SG-230 zusätzlich eine komplette unsymmetrische Vorstufe mit vier Line-Eingängen. Alle Versorgungsteile besitzen zwei Schalter für das Strain Gauge. Mit dem einen lassen sich die Gleichspannungen für das System bei längeren Spielpausen abschalten, mit dem anderen eine Auto-Mute-Funktion aktivieren. Wenn etwa der Tonarm angehoben wird und das System kein Signal mehr abgibt, werden die Ausgänge des SG-200 stumm geschaltet. Zur Stromversorgung des SG-200 liefert Soundsmith zwei lineare, also rein analog arbeitende Steckernetzteile mit. Für die Versorgung des Tonabnehmers mit Energie reichen die üblichen Tonarmkabel aus. Dass das Strain Gauge die benötigten beiden Spannungen erhält, dokumentieren übrigens zwei blaue LED an der Frontseite des Systems.

Wenn der SG-200 in meiner Kette einen Platz im Rack bekommen und kein unnötig langes Tonarmkabel zum Einsatz kommen soll, muss der Tonabnehmer in einem Arm montiert werden, der die Position für lange Tonarme auf dem LaGrange einnehmen kann. Ich wählte für einen ersten Versuch den AMG 12JT Turbo, der nicht nur hervorragend klingt, sondern aufgrund seiner durchdachten Konstruktion und extrem hochwertigen Verarbeitung schon beim Aufbau jede Menge Spaß bereitet. Bereits nach kurzer Zeit spielte das fabrikneue Strain Gauge sehr ansprechend: Ich wüsste nicht, was da nach längerer Einspielzeit in Sachen Dynamik noch groß passiert sollte. Auch bei der Raumdarstellung bleiben so gut wie keine Wünsche offen. Tonal agiert das Strain Gauge ungemein ausgewogen und reagiert auf Knackser in älteren Scheiben nicht so sensibel wie manche Moving Coils, womit Platten im schlechterem Zustand nur wenig Spaß machen. Ich freute mich also schon auf eine längere Einspielzeit. In dieser hörte ich das Soundsmith auch über die Børresen 01 und die Audiaz Cadenza. Da beide Schallwandler-Paare keine Auffälligkeiten im Frequenzgang zeigen und ungemein stimmig spielten, wurde die Einspielzeit nicht nur wegen der Wiederentdeckung so einiger analoger Schätze nach einer viel zu langen, fast ausschließlich digitalen Phase zum Genuss. Auch klanglich war ich rundum zufrieden. Doch dann machte ich einen schwerwiegenden Fehler.

System und Nadeleinschub sind exakt aufeinander abgestimmt, wie die Nummern nahelegen
System und Nadeleinschub sind exakt aufeinander abgestimmt, wie die Nummern nahelegen


  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026
  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.