tests/21-07-06_siltech
 

Siltech Explorer SG 280i, Classic Legend 680i, Crown Princess

06.07.2021 // Wolfgang Kemper

Während das beeindruckende Crown Princess nur ein Masse-Barrel am Ende des Kabels trägt, sind auf dem neuen Classic Legend sowohl in der XLR- wie auch in der Cinch-Ausführung je zwei dieser Beruhigungs-Massen von 7,5 Zentimeter Länge montiert. Sie dienen auch gleichzeitig als Übergang vom mit schwarzem Geflecht umhüllten Kabel zu den schlankeren, blauen Endstücken. Die Classic Legend Neuentwicklung soll dank ihres besonders guten Verzerrungsverhaltens, hoher Unempfindlichkeit gegenüber RF- und magnetischen Einstreuungen und seiner niedrigen Kapazität eine der Wirklichkeit entsprechenden Tonalität besitzen, was im späteren Hörtest auch bestätigt werden wird. Siltechs Classic Linie hat seit 1997 eine lange Geschichte und wurde im Laufe der Zeit stets weiter optimiert. So startete man damals mit der G3-Silber/Gold-Legierung. Heute hat das Classic Legend mit G9 als erstes im Siltech-Portfolio diesen homogensten der Edelmetallmixe. Dessen Vorteil besteht auch in einer verkürzten Einspielzeit, weniger als hundert Stunden sollen zum Erreichen der maximalen Musikalität bereits genügen. Noch bemerkenswerter ist die Langzeit-Qualitäts-Konstanz all dieser Silber/Gold-Legierungen, die – so ist bei Siltech zu lesen – einem Kupferleiter deutlich überlegen sei, der vergleichsweise rasch abbaue. Im Gegensatz dazu verbessere die Dauer der Nutzung die Qualität der Silber/Gold-Legierungen. Dieses bei den Siltech-Entwicklern „Positive-Aging“ genannte Verhalten sei ein Ergebnis der kontinuierlicher Forschung des Unternehmens in Elst. Die Dicke der zwei koaxial verdrillten Leiter liegt beim Classic Legend 680i zwischen dem dünneren 380i und dem noch materialintensiveren 880i. Die Isolierung ist aus den zwei DuPont-Materialien PEEK und Teflon in drei Schichten aufgebaut. Da Teflon, wenn es in stärkeren Lagen verwendet wird, wegen seiner Weichheit zur Mikrofonie neigt, konstruierten die Siltech-Entwickler hier ein Sandwich aus zwei dünnen Teflon-Schichten mit PEEK als Zwischenlage. Auch das neue Explorer SG 280i basiert auf Silber/Gold-Leitern, jedoch wie das klanglich und preislich überragende Crown Princess in G7-Qualität, da die G9-Legierung erst seit wenigen Monaten existiert. G8 gibt es übrigens nicht. Die beiden Leiter des SG 280i sind ebenfalls koaxial verdrillt, die Isolierung besteht hier aus Kapton und Teflon. Die SCC85 Cinch-Stecker sind mit Gold beschichtet.

Die schematische Darstellung der Silber/Gold-Legierungen G7 und G9
Die schematische Darstellung der Silber/Gold-Legierungen G7 und G9

Damals beim Test der drei Siltech USB-Kabel waren die musikalischen Unterschiede zwischen ihnen deutlich. Auch bei den drei Signal-Verbindungen ist das so. Allerdings gibt es bei diesen mehr Einsatzmöglichkeiten als bei einer USB-Leitung. Mein Plan sieht vor, sie zwischen dem D/A-Wandler und meinem Vorverstärker zu hören, sowie als Verbindung zwischen Vorverstärker und Endstufen. Die Entscheidung, welches Kabel ich zuerst in meiner Anlage erleben möchte, fiel nicht leicht. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass in meinem Setup – und das gilt wohl ganz allgemein – Geräte und Kabel im Miteinander agieren. Will sagen: es gibt Kompensationseffekte, und Kabel haben ebenso wie hochwertige Geräte ihre tonalen Eigenschaften, die sie im Gesamtarrangement in vergleichbarem Maße wie diese zur Geltung bringen.

Das Crown Princess wird mit einem Barrel mechanisch beruhigt und besitzt die arretierbaren Siltech SST-Cinch-Stecker mit monokristalliner Kontaktfläche aus Silber
Das Crown Princess wird mit einem Barrel mechanisch beruhigt und besitzt die arretierbaren Siltech SST-Cinch-Stecker mit monokristalliner Kontaktfläche aus Silber

Um mir den Einstieg zu erleichtern, besuchte ich meinen Freund T.B., der in einem akustisch guten Raum in seiner aufwändig und sensibel abgestimmten Anlage eine AirTight Vorstufe ATC-5 und die AirTight ATM-2 Plus Endstufe einsetzt. Zur Zeit verbindet er diese mit Luna Orange Cinch-Kabeln. Wohl wissend, dass letztere nicht das musikalische Ende einer Fahnenstange darstellen und er hier durchaus Verbesserungspotential vermutet, freute er sich auf meinen Besuch, vor allem wegen der Siltechs, von denen wir beide nun einiges erwarteten. Zwischen AirTight Vor- und Endstufe eingesetzt unterschied sich das Siltech Explorer SG 280i tonal nicht sehr vom kanadischen Luna Orange, für das man aber immerhin 20 bis 25 Prozent mehr bezahlen muss. Beide Kabel zeichnete eine angenehme Grundtonwärme aus, die das Siltech noch mit einer leicht besseren Prägnanz kombinierte, was vor allem klassischer Musik, wie auf Ludwig Streicher Spielt Bottesini dem Kontrabass, zugute kam. Die Hochtonauflösung paarte angenehm warmen Klang mit einer Durchzeichnug, die nichts vermissen ließ. Die Reproduktion bei den von Miles Davis-Drummer Tony Williams angeschlagenen Becken in „Elegy“ vom Album Tribute To Miles von 1994 gefiel uns. Das relativierte sich, als wir dann zum Classic Legend 680i wechselten. Da waren wir doch überrascht vom quantitativen wie qualitativen Mehrwert. Gut, den Preis sollte man bei einer fairen Bewertung nicht vergessen, aber es tat sich mächtig was hinsichtlich Offenheit und tonaler Ausgewogenheit. Mehr Licht kam in die Musik, die Becken ertönten plastisch mit viel Glanz und klangen lange nach. Das Classic Legend begeistert durch eine hohe Klarheit und frappierende Unauffälligkeit über das gesamte Frequenzspektrum, so dass ich es charakterlos zu nennen wage. Das verstehen Sie bitte ganz und gar positiv im Sinne von verfärbungsfrei und unbelastet von auch nur den geringsten Eigenarten. Es war uns beiden Hörern so, als könnte man diesem Siltech an keiner Stelle irgendeine Über- oder Unter-Betonung nachsagen oder ihm ein eigenes Merkmal zuschreiben. Es spielt genauso wenig unterkühlt wie warm. Ich weiß nicht, ob ich jemals einem Kabel gelauscht habe, das so wenig „hörbar“ war. Was bringt jetzt das mehr als doppelt so teure Crown Princess noch? Machen Sie diesen Test besser nicht. Es ist wieder einmal so eine Situation, wo ich fürchte, diesen Test teuer bezahlen zu müssen – wegen des Haben-Wollens. Ich möchte nur drei Eigenschaften nennen, die einfach grandios sind: Die Freistellung einzelner Instrumente und Stimmen im Raum, wo scheinbar nichts auf den Instrumenten-Nachbarn überspringt ist eine Klasse für sich. Bei Händels Giustino von Harmonia Mundi, gestreamt bei Qobuz in CD-Qualität, ist dies ebenso faszinierend wie die naturgetreuen Klangfarben und Konturenschärfe bei den tiefen Streichern. Da zeichnet das Explorer – ich erinnere: ein Zehntel des Preises – im Vergleich schön angenehm warm, das Crown Prinzess bringt die Saiten ohne Härte mit fesselnder Dynamik zu Gehör. Und da ist noch etwas, was kein anderes Kabel so konnte, auch kein ebenfalls verfügbares 3000-Euro-Kabel eines Mitbewerbers: Im „Titel Body & Soul“ von Nnenna Freelons Album Live reproduziert das Crown Princess das Glissando der Sängerin so authentisch voluminös, farbintensiv und lebensecht wie kein anderes.


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