tests/21-07-06_siltech
 

Siltech Explorer SG 280i, Classic Legend 680i, Crown Princess

06.07.2021 // Wolfgang Kemper

Die RCA-Stecker der neuen Classic Legend SG Linie sind ebenfalls arretierbar, die XLR-Version wird mit edlen Neutrik-Nickel-Steckern ausgestattet, die vergoldete Kontakt-Pins besitzen
Die RCA-Stecker der neuen Classic Legend SG Linie sind ebenfalls arretierbar, die XLR-Version wird mit edlen Neutrik-Nickel-Steckern ausgestattet, die vergoldete Kontakt-Pins besitzen

Nun wollte ich die Kabel in meiner eigenen Umgebung hören und verband zuerst meine Audio-gd-Master-9-Vorstufe und meine AirTight-Mono-Endstufen mit dem Explorer. Als Tonquelle wählte ich mein Wadia Laufwerk und den Sonic-Frontiers-Röhren-DAC. Diese Tonquelle ist in puncto Transparenz sicher nicht Stand der Technik, besitzt jedoch eine hohe Musikalität. Mein Gedanke war festzustellen, ob die drei Siltechs ihre bei meinem Freund bewiesenen Eigenschaften auch bei weniger gutem Frontend – der Plattenspieler von T.B. kostet allein über 60.000 Euro – und insgesamt auch in einer weit weniger aufwändigen Anlage zur Geltung bringen. Den Sonic Frontiers schloss ich mit der XLR-Version des Classic Legend an, das ich ja als einziges auch als symmetrische Variante zur Verfügung habe, so dass stets zwei Kabelpaare aus dem Hause Siltech im Spiel waren. Die phänomenale Neutralität des Classic Legend, wie ich sie zuvor bei T.B. erlebt hatte, scheint mir an dieser Stelle genau richtig. Gewechselt werden sollten allein die drei Kandidaten zwischen Vor- und Endstufen. Als erstes zeigte das Explorer SG 280i sein Können und demonstrierte auch hier sofort seinen sehr angenehmen, leicht warmen musikalischen Charakter. Nach einigen CDs zum Einhören wählte ich „Calypso Minor“ aus dem Album Sotho Blue von Abdullah Ibrahim & Ekaya für den direkten Vergleich. Die eingängige Bassmelodie inszenierte das Explorer mit schönen Konturen, die Bläsersätze mit Posaune und den verschiedenen Saxophonen erschallten farbenprächtig, differenziert und dynamisch. So macht Hören Spaß. Hier geht es mit Wohlklang und Spielfreude zur Sache. Beim Wechsel zum Classic Legend erlebe ich Ähnliches, wenn auch nicht gar so ausgeprägt wie in der Audio-Kette meines Freundes. Das leicht Warme des Explorer wechselt zu nuancenreicher Neutralität. Die Bläser bekommen bei ihren Attacken mehr Biss und könnten einen ermüdeten Feierabendhörer vorm Einschlafen bewahren. Keinerlei Härte ist zu bemerken, auch nicht bei diesen Dynamik-Explosionen. Die Saiten des von Belden Bullocks gezupften Basses klingen rund. Wer jemals daran gezweifelt hat, hört dies jetzt dank frappierender Plastizität. So wie sich das Explorer und das imposante Classic Legend rein äußerlich deutlich unterscheiden, so eindrucksvoll stellt sich auch der klangliche Mehrwert des 680i dar..

Das Schaubild zeigt den Aufbau eines Classic Legend SG-Kabels im nicht verdrillten Zustand
Das Schaubild zeigt den Aufbau eines Classic Legend SG-Kabels im nicht verdrillten Zustand

Auch wenn die schöne, gelungene musikalische Abstimmung des Explorer den Wechsel wieder zurück leicht erträglich macht, vermisse ich doch, mit wie viel filigraner und mit mehr Raum ich die Musik zuvor mit dem Classic Legend erlebte. Ich legte Nnenna Freelon „Body & Soul“ in den Wadia und erfreute mich der sauberen Darbietung. Wunderschön zeichneten die beiden Classic Legend nun die einzelnen Instrumente und stellten sie glasklar auf die wohlgeordnete imaginäre Bühne. Es war leicht, Details zu erkennen, die ich in dieser Anlage mit den Epsilon Bändchen-Lautsprechern so klar, fein und strukturiert noch nicht erlebt habe. Dazu trug sicher auch das gleichwertige Classic Legend zwischen Wandler und Vorverstärker bei. Das Duo überzeugt durch bestechende Genauigkeit, glänzt präzise und frei von aggressiven Nebentönen mit körperlichen Stimmen, spannend und zu langen Hörabenden auffordernd. Das Classic Legend 680i möchte ich nicht wieder hergeben. Der Schritt von hier zum luxuriösen Crown Princess zeigte nicht den Abstand wie ich ihn bei meinem Freund wahrgenommen hatte. Das Crown Princess scheint dann doch für dieses Setup etwas überdimensioniert. Doch Zweifel kommen auf, je länger ich es erlebe. Diese Stimmwiedergabe ist einfach „unschlagbar“. Auch hier höre ich wieder ganz deutlich, wie bei der Tonlagen-Veränderung Nnenna Freelons das stimmliche Volumen mitgeht und eine überzeugende, ja begeisternde Körperhaftigkeit der Sängerin suggeriert. Das wirkt so authentisch, dass ich allein an diesem Kriterium die Qualität des Crown Princess festmachen möchte. In der Ordnung der Instrumente, der Transparenz und Feinzeichnung und auch im feindynamischen Verhalten ist der Abstand zum Classic Legend 680i an dieser Stelle in Anbetracht der Preisunterschiedes von 1607 zu 4169 Euro nicht so zwingend. Ich bin gespannt, ob sich die bisherigen Eindrücke bei der Verbindung meines PS Audio DirectStream-DAC mit der Audio-gd Vorstufe in meiner anderen, analytischeren Anlage bestätigen werden.

Beim Classic Legend 680i dienen zwei Masse-Barrels je Kabel auch dem Übergang zum schlankeren, hellblauen Endstück
Beim Classic Legend 680i dienen zwei Masse-Barrels je Kabel auch dem Übergang zum schlankeren, hellblauen Endstück


  • SOtM sMS-2000 – ein weiterer Nachtrag

    Endlich ist es soweit: Der SOtM sMS-2000 spielt in der gewünschten Konfiguration: In der Eunhasu-App habe ich teils auf Roland Dietls Rat hin alle klangfördernden Einstellungen vorgenommen, Ethernet- und USB-Karte werden von externen Netzteilen gespeist, die 10-Megahertz-Clock gibt den Takt vor und die Daten kommen von einer kryo-behandelten SSD. Vor rund zweieinhalb Monaten berichtete ich darüber, dass der SOtM sMS-2000 der einzige von mir getestete Streamer ist, bei dem auf einer internen Festplatte gespeicherte Musik-Files…
    03.07.2026
  • Keces Euphony

    Die taiwanesische Marke Keces ist inzwischen nicht allein wegen ihres Portfolios exzellenter Analog-Netzteile bekannt und angesehen. Für die neue Phonostufe und den neuen Switch aus der Essential Serie bekam Keces unlängst ebenfalls viel Applaus. Jetzt steht der brandneue Streaming-DAC Essential Euphony zum Test bereit. Als Dirk Sommer unlängst die Keces Phono-Stufe Ephono+ und den Ewave Switch beschrieb, gefielen mir diese Geräte auch wegen ihrer sinnvollen und beim Ewave sogar sehr fortschrittlichen Ausstattung, nämlich den zu-…
    30.06.2026
  • Aavik Acoustics R-588

    Keces' Vorverstärker S4 war der erste Anlass, mich mit einem DS-Audio-Tonabnehmer zu beschäftigen. Für den Erwerb eines W3 sprachen dann meine sehr positiven klanglichen Erfahrungen damit, aber auch die Tatsache, dass immer mehr hoch interessante Phonostufen einen dafür geeigneten Eingang aufweisen würden. Eine davon ist die Aavik R-588. Schon vor meinem Entschluss, meinen Tonabnehmerfundus um ein photoelektrisches Exemplar zu erweitern, hatten beispielsweise Kato san, Angus Leung und Michael Børresen angekündigt, dass in den in Entwicklung…
    26.06.2026
  • Qln Prestige Three Gen 2

    Mit Lautsprechern der schwedischen Marke Qln haben wir uns bei Hifistatement bisher noch nicht beschäftigt. Ein Versäumnis – wie sich gleich zeigen wird. Also kommen wir schleunigst zum Test der brandneuen QLN Prestige Three Gen 2, einem eleganten Standlautsprecher in klassischer Zwei-Wege-Bestückung mit ambitioniertem Anspruch. Die Ursprünge von Qln reichen bis ins Jahr 1977 zurück. Die fundamentale Zielsetzung der damaligen Gründer ist von Beginn an audiophiler Natur, nämlich einen Lautsprecher zu entwickeln, der die Klangbühne…
    23.06.2026
  • Vertere Ruby one

    Die Beschäftigung mit dem Vertere Xtrax vor beinahe anderthalb Jahren hatte richtig Spaß gemacht. Daher nahm ich das Angebot von Andreas Kayser, dem Inhaber des deutschen Vertere-Vertriebs Beat Audio, das neue Topmodell Ruby one zu testen, gerne an. Dafür habe ich sogar eine meiner selbstauferlegten Regeln für Tests gebrochen. Dazu später mehr. Vorrangig freute ich mich darauf, nach Monaten endlich mal wieder längere Zeit nur Schallplatten zu hören. Außerdem unterscheiden sich Xtrax und Ruby one…
    19.06.2026
  • Canor Foundation Line Virtus I4S und Verto D4S

    Die neue Vollverstärker und Digital/Analog-Wandler der Canor Foundation Line erfreuen nicht allein wegen ihrer eleganten Optik, sondern auch dank ihrer Preise. Die kostspieligeren Komponenten aus dem Hause Canor verwöhnten stets mit beeindruckender Musikalität und waren daran gemessen preiswert. Profitiert die Foundation Line von deren Genen? Auf der Canor Website findet man in der Beschreibung des Virtus-I4S-Vollverstärkers gleich als Überschrift den Hinweis, dass mit „modernsten, teilweise aus der Referenzserie adaptierten Technologien und Konzepten für ein überzeugendes…
    16.06.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.