tests/21-11-16_spl
 

SPL Performer s1200

16.11.2021 // Dirk Sommer

Die s1200 zog ins Wohnzimmer um – und hier erwartete sie vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe: Die Acapella Violon VI sind alles andere als anspruchslos. Es hat einer Menge Zeit und einiger Versuche mit unterschiedlichen Endstufen bedurft, bis sie schließlich an Einsteins The Poweramp wie aus einem Guss spielten – keine Wunder, dass Acapella-Lautsprecher auf internationalen Messen oft mit Einstein-Elektronik vorgeführt werden. Nicht allen Leistungsverstärkern ist es gegeben, das konventionelle Bass-Chassis, den Horn-Mitteltöner und den Ionen-Hochtöner als Einheit erklingen zu lassen. Für SPLs s1200 ist das allerdings selbst zu Beginn der Einspielzeit überhaupt kein Problem: An ihr agieren die so unterschiedlichen Treiber völlig bruchlos als ein stimmiges Ganzes. Und so hatte ich auch nicht das geringste Problem, die SPL-Endstufe in der Kette zu lassen, als ich Audioquests Jitterbug FMJ, den Weiss DAC502 und den Waversa Isolator-Ext1 testete – auch wenn ich das damals in der Liste beteiligten Komponenten aus – hoffentlich – verständlichen Gründen nicht vermerkte. Überhaupt habe ich Einsteins The Poweramp – ohne direkten Vergleich – nicht wirklich vermisst: Die SPL passt einfach hervorragend in die bestehende Kette.

Ein zwölfstufiger Schalter erlaubt die Absenkung der Eingangsempfindlichkeit um 5,5 Dezibel in 0.5-Dezibel-Schritten
Ein zwölfstufiger Schalter erlaubt die Absenkung der Eingangsempfindlichkeit um 5,5 Dezibel in 0.5-Dezibel-Schritten

Apropos Kette: Nach der Einspielzeit probiere ich einmal aus, wie die s1200 auf eine firmeneigene Vorstufe statt der Brinkmann Marconi in der Ur-Version reagiert. Wie praktisch, dass der Phonitor x auch als Vorverstärker eingesetzt werden kann. Um es mir so bequem wie möglich zu machen, lasse ich den Phonitor die Infrarotsignale der Brinkmann-Fernbedienung für die Lautstärkeregelung lernen. In nicht einmal zwei Minuten ist das vollbracht: Der Ausgangspegel des Phonitor ist nun bequem von Hörplatz aus einstellbar. Als erstes streame ich das 96-Kilohertz-24-Bit-File „Immersion“ vom Album A Prayer For Lester Bowie der David Sanford Big Band über den Aries Femto zum Manhattan DAC II: Das Stück ist hervorragend aufgenommen. Das Intro mit Percussion und Trompete verwöhnt mit dynamischen Kontrasten und Klangfarben. Auch als immer mehr Instrumente hinzukommen, bleibt das rhythmisch packende Gebrodel trotz aller Dichte bestens durchgezeichnet. In Kombination mit der Marconi überzeugt die s1200 mit Kraft, Offenheit und Finesse. Wenn der Phonitor x die Rolle der Vorstufe übernimmt, scheint die Temperatur im Aufnahmeraum ein, zwei Grad kälter zu sein, die Klangfarben wirken eher silbern als golden. Andererseits werden die Instrumente noch besser differenziert und von einem Hauch mehr Luft umgeben. Gerade in den sehr dichten Passagen ist die Durchhörbarkeit noch minimal höher. Damit erfüllt der Phonitor meine Erwartungen: Mit ihm hört man mehr. Dafür klingt der Brinkmann eine Spur schöner. Gerade in Kombination mit den Acapellas gefällt mir aber die SPL-Vorstufe ausgesprochen gut.

Die Endstufentransistoren und die der Treiberstufe werden von Metallhalterungen an die Kühlkörper gepresst
Die Endstufentransistoren und die der Treiberstufe werden von Metallhalterungen an die Kühlkörper gepresst

Mit Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mache ich die Gegenprobe: Im Hochtonbereich gibt sich der Brinkmann einen Hauch geschmeidiger, und auch die Bühne scheint eine paar Zentimeter tiefer zu sein. Der Phonitor setzt die tiefen Streicher mindestens ebenso druckvoll in Szene wie der Marconi, verwöhnt hier aber zusätzlich mit mehr Klarheit und Definition, insgesamt ist der Unterschied aber ausgesprochen gering. Das Experiment mit der Vorstufe schließe ich mit Abdullah Ibrahims „Calypso Blue“ ab: Der Brinkmann sorgt für eine in der Tiefe ein wenig ausgedehntere Bühne, der Phonitor bildet das musikalische Geschehen gerade im Bassbereich eine Spur konturierter ab. Bleibt festzuhalten: Auch wenn sich der Phonitor als Vorstufe auf überraschend hohem Niveau bewegt, gibt es keine klaren Synergieeffekte zwischen den beiden SPLs. Die Bewertung der Unterschiede zum Ur-Marconi hängt eher vom persönlichen Geschmack – und der s1200 macht sie deutlich hörbar.


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