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Soundastic Reference

07.12.2021 // Wolfgang Kemper

Ausgewählt habe ich einiges Musikmaterial verschiedener Genres, die mir gut bekannt sind und von denen ich weiß, wie gut sie auf einer Top-Anlage klingen können. Das sind unter anderem Carl Orffs Carmina Burana in der Telarc-Aufnahme mit Robert Shaw und dem Atlanta Symphony Orchestra und Chor, Jennifer Warnes The Well, und Free Live!. Zum Warmwerden lege ich als erstes das Live-Album The In Crowd des Ramsey Lewis Trios in mein Wadia CD-Laufwerk und traue meinen Ohren nicht: Die Drums von Red Holt im Titelstück knallen aus der Kälte derart livehaftig, staubtrocken und dennoch plastisch und mit Nachklingen über die Epsilon-Lautsprecher, dass es mich sprachlos macht und ich dies sofort mit den AirTights, die allein bereits mehr als das dreifache des Reference kosten, gegenchecken muss. Und tatsächlich: Da halten die Monos nicht ganz mit. Dieser Punch, mit dem der Reference das Drumset mittig-links im Hörraum aufbaut, ist trocken und mit Bauch und Zwerchfell spürbar. Dafür suggerieren die AirTights allerdings einen mehr nach hinten gezogenen, real wirkenden Raum und klingen insgesamt auch wunderschön. Ich höre mir das ganze Live-Konzert dann wieder über den Soundastic an und bemerke, dass dessen etwas plakativere Darbietung keine Tiefe vermissen lässt, wenn man sich eingehört hat. Seine ungemein feine, klangreine Zeichnung erlaubt ein genaues Hinhören auf Details und das Erkennen leisester Nuancen. Das kompensiert die Tiefe der Bühne allein deshalb, weil der Reference auf seine Art ungemein spannend musiziert. Dieses 1965 live in The Bohemian Caverns in Washington D.C. aufgenommene Konzert reproduziert der Reference mit der Fähigkeit, mich als Hörer dabei sein zu lassen. Deshalb hat er mich bereits nach diesem einen Album für sich eingenommen.

Der Kühlturm bietet reichlich Oberfläche und trägt zur nur geringen Erwärmung des Reference bei
Der Kühlturm bietet reichlich Oberfläche und trägt zur nur geringen Erwärmung des Reference bei

Ich will weiterhin weitestmöglich objektiv bleiben und lege nun Jennifer Warnes´ Album in den CD-Transport. Der Song „The Well“ offenbart Stärken und Schwächen, wobei letztere für mich nur in einem Aspekt erkennbar ist. Denn auch hier spielt der Reference eine Spur plakativer und stellt die Backgrond-Stimme nicht ganz so deutlich räumlich getrennt links hinter die Erststimme, sondern mehr nur links. Das ist aber keineswegs störend oder gar musikalisch abträglich und tritt weit zurück hinter die phänomenale Artikulations-Qualität des Reference. So fein detailreich, als könnte ich ihr auf die Zunge blicken, und gleichermaßen körperhaft erscheint der Gesang von Mrs. Warnes – großartig. Auch die Percussion hört man räumlich sauber geordnet, druckvoll, mit anspringender Dynamik und hervorragender Farbe. Das Metall schwingt nach und verschwindet nicht hinter anderen Tönen. Die versprochene klangliche Reinheit dieses Verstärkers ist enorm gut und begeistert mich. Sie gewährt jedem Instrument räumliche Eigenständigkeit und lässt es in authentischer Tonalität und mit frappierender Feindynamik auf der virtuellen Bühne auftreten.

Ein Blick auf die Eingangsplatine mit der Phono MC und MM-Vorverstärkung
Ein Blick auf die Eingangsplatine mit der Phono MC und MM-Vorverstärkung

Die Carmina Burana sind nach dieser Hörerfahrung eine harte, fast schon gemeine Prüfung für den Reference. Denn im Idealfall, erklingt der Chor „O Fortuna“ aufgefächert aus der Tiefe des Raumes, schön in der Breite über die Lautsprecher hinaus aufgereiht, klar verständlich und ohne Härte in den Stimmen. Der Reference erreicht dieses Ideal nicht ganz, er inszeniert etwas anders, was möglicherweise sogar besser gefallen kann. Denn der Chor steht mit seinem präzisen aufgenommenen Gesang deutlich weiter vorn. In der Breite der Bühne ist die Auffächerung wie gewohnt weiträumig. Doch an diese Tiefenstaffelung kann ich mich schnell gewöhnen und finde Gefallen daran, weil durch die Nähe des Chores sein musikalisches Gewicht an Bedeutung gewinnt. In den folgenden Liedern des Orffschen Werkes imponiert der Soundastic wieder mit schönen Klangfarben bei Stimmen wie Instrumenten, was ein Zuhören ungemein leicht fallen lässt. Der Reference macht einfach schön Musik. Aber irgendetwas ist da, was über eine authentische Darstellung hinausgeht. Irgendetwas schafft der Reference, was nur sehr gute Verstärker können, auch meine teuren AirTights. Ich möchte ihn unprätentiös nennen, aber weit weg von unbeteiligt oder steril und ganz weit weg von langweilig. Er vermittelt das „gewisse Etwas“ in der Musik, was diese braucht, um den Hörer glücklich zu machen, mit Leichtigkeit. Es dürfte für viele von Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, bedeutsam sein, dass er all dieses Können genauso bei kleinen Lautstärken zeigt. Auch bei niedrigen Pegeln kann er den Zuhörer emotional berühren.


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