tests/21-12-17_antipodes
 

Antipodes Audio S20, S60

17.12.2021 // Wolfgang Kemper

Die Hörerfahrung mit dem S40 und dem S20 Reclocker, beide über ihr Schaltnetzteil mit Strom versorgt, ist durchaus ambivalent. Dabei verbinde ich den Reclocker mit meinem PS-Audio D/A-Wandler gleichzeitig mit meinem Habst AES/EBU, einem Boaacoustic Silver Carbon S/PDIF und einem relativ preisgünstigen Boaacoustic Silver Rubidium HDMI für den I2S-Anschluss. Letzteres kostet nur 70 Euro bei 1,5 Meter Länge. Egal, welchen dieser drei Wege ich wähle: im Vergleich zur direkten Verbindung des S40 ohne den S20 kann ich mit Sicherheit eine klangliche Veränderung wahrnehmen. Zwischen dem S40 und dem S20 Reclocker wird stets das Siltech Royal Signature Golden Universal II USB und zum Gegencheck das Habst USB Ultra 3 verwendet. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zuerst die Einflüsse der drei Kabel zum DAC auf Tonalität und andere musikalische Parameter zu verifizieren. An dieser Stelle ist lobend zu erwähnen, dass der Antipodes Reclocker für die nicht genormte I2S Kontakt-Belegung eine flexible Lösung anbietet: Im Boden des Gerätes befindet sich ein Mäuseklavier mit zehn DIP-Schaltern. So lässt sich der Ausgang des S20 an unterschiedliche Spezifikationen verschiedener DAC-Hersteller anpassen. Der Antipodes S40 mit S20 und mein PS Audio-Wandler legen die klanglichen Unterschiede der drei Verbindungen eindeutig offen. Am überzeugendsten ist trotz des günstigen HDMI-Kabels die I2S-Verbindung, weil sie die Musik am homogensten reproduziert, die imaginäre Bühne am glaubhaftesten umreißt und mit der gleichen Transparenz zeichnet wie die beiden Alternativen. Die S/PDIF-Strecke klingt minimal dunkler und strukturiert den virtuellen Raum einen Hauch weniger klar. AES/EBU über das silberne Habst-Kabel brilliert in den Höhen mehr als die beiden anderen und vermittelt dadurch eine Offenheit, die es bei dem einen oder anderen Musikstück vorteilhaft erscheinen lässt. Die Tatsache, dass nicht jeder von Ihnen, lieber Leser oder liebe Leserin, einen D/A-Wandler mit einem I2S-Eingang benutzt, macht an dieser Stelle den Hinweis unumgänglich, auf diesem Qualitätsniveau auch für die passende S/PDIF- oder AES/EBU-Leitung zu sorgen. Man würde ansonsten Klangqualität auf der Strecke lassen. Das gilt natürlich gleichermaßen für I2S. Da ich nun die Einflüsse der Kabel ausgelotet habe, ist es möglich, die Veränderung der Musik durch den S20 Reclocker zu beschreiben.

Die DIP-Schalter an der Unterseite des S20 erlauben die Anpassung des I2S-Ausgangs an die Beschaltung des folgenden D/A-Wandlers
Die DIP-Schalter an der Unterseite des S20 erlauben die Anpassung des I2S-Ausgangs an die Beschaltung des folgenden D/A-Wandlers

Der ist nicht riesig – meint man – erst einmal. Wer die Unterschiede im schnellen Hin- und Her-Hörtest ermitteln will, besitzt entweder ein ausgezeichnetes Gehör oder spart an dieser Stelle 2450 Euro. Es gibt durchaus Passagen in Musikstücken, bei denen ich den Eindruck hatte, ohne den S20 sei das eine oder andere Detail deutlicher zu hören. Dies erlebte ich beim Qobuz-Streaming des Albums Live At The Loa – Summer Wind vom Ray Brown Trio (Concord Records 1990). Ein Telefon-Klingeln im Hintergrund und das darauf einsetzende Gelächter im Publikum ob der unerwarteten Störung schien mir ohne S20 geringfügig klarer, was jedoch nicht gleichbedeutend mit richtiger sein soll, sondern eben anders und sehr glaubwürdig. Für den S20 brauche ich jedenfalls Zeit, um mir seiner Stärke absolut sicher zu sein. Was der S20 leistet, erschließt sich, sobald man nach längerem Hören auf den S40 allein zurückgeht. Er fokussiert das musikalische Geschehen deutlicher und grenzt die Bühne realistischer ab, womit ich meine, dass er diese von etwas Diffusem befreit, was den Raum unklar vergrößert.

Im Inneren des Reclockers ist durchaus noch Platz, jedoch gilt auch hier: Qualität vor Quantität
Im Inneren des Reclockers ist durchaus noch Platz, jedoch gilt auch hier: Qualität vor Quantität

Das Entscheidende jedoch ist die Ruhe in der Musik, gepaart mit gesteigerter Sauberkeit. Daraus erklären sich auch Fehleinschätzungen wie beim eben erwähnten Telefon-Klingeln. Dies wird ohne den S20 etwas aggressiver und dadurch deutlicher wahrgenommen. Die Bestätigung für diese These bekomme ich immer wieder, denn der S20 befreit die Musik von nervenden Artefakten. Genau dies ist der Sinn eines Reclockers. Er hat die Aufgabe, das digitale Signal von Jitter-Verunreinigung zu befreien. Dies gelingt auch meinem Mutec sehr gut und so drängt sich hier der Vergleich geradezu auf. Da der Mutec keinen I2S-Ausgang besitzt, also alles auf S/PDIF oder AES/EBU umsetzt, plane ich einen fiesen Vergleich. Erst einmal muss ich den Mutec in Schutz nehmen. Denn er kostet weniger als die Hälfte des Antipodes und bietet dank seiner Eingangs-Vielfalt die Möglichkeit, das digitale Signal von meinem CD/DVD-Laufwerk neu zu takten, was an dieser Stelle ebenfalls zu besserem Klang führt. Es gibt da dieses schöne Live-Album Clique von Patricia Barber, das ich im DXD-Format auf der Festplatte des Antipodes S40 bereit halte.


  • Rega Aos MC

    Rega schließt die Lücke in seinem Portfolio für MC-Phonovorstufen. Die neue Aos positioniert sich zwischen der vergleichsweise einfachen Fono MC und der Referenz-Phonovorstufe Aura MC. Mit von der Aura abgeleiteter Technik und einem Preis von 2000 Euro dürfte sie im interessanten Sweet Spot für die meisten MC-Fans liegen. Schon allein aufgrund ihrer bloßen Abmessungen wickelt mich dieses Gerät sofort um den Finger. Mit der ungefähren Grundfläche eines DIN-A4-Blatts und der schmalen Seite als Front entspricht…
    03.11.2026
  • KLH Audio Model Four

    Endlich steht mal etwas ganz anderes in meinem Hörraum. Der Lautsprecher des traditionsreichen amerikanischen Herstellers KLH entspricht einem Design von vor mehr als 50 Jahren, wie man es auch heutzutage bei Edelmarken wie Harbeth oder Audio Note findet. Bislang hatte ich nicht das Vergnügen, einen solchen Lautsprecher im Hörraum zu erleben. Neben dem Design mit breiter Schallwand und geringer Bautiefe macht der Paarpreis von knapp 2000 Euro die KLH Model Four hochgradig interessant. Auf zum…
    19.10.2026
  • darTZeel Audio CTH-8550 Mk II

    darTZeel ist ein Schweizer Unternehmen, das 2001 in Genf von Hervé Delétraz gegründet wurde. Der Name ist ein Anagramm des Nachnamens Delétraz. Die Arbeit an den ersten Geräten begann bereits 1984 im Rahmen einer Diplomarbeit, und nach 18 Jahren Forschung wurde 2002 der Leistungsverstärker NHB-108 offiziell vorgestellt. Es gibt Marken, auf die man viele Jahre warten muss, aber man wartet trotzdem weiter. So war es für mich bei der Marke darTZeel. Zufällig traf ich ihren…
    13.10.2026
  • IsoAcoustics GAIA Neo I

    Erinnern Sie sich noch? Es ist bereits eine ganze Weile her, da haben Hifi-Fans ihre Lautsprecher auf Tennisbälle gestellt, um einen besseren Klang aus ihnen herauszukitzeln. Oder sie haben abenteuerliche Selfmade-Konstruktionen gebastelt, auf denen die vielleicht nicht ganz highendigen Schallwandler platziert wurden. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat sich in Sachen Lautsprecher-Füße einiges getan. Es gibt eine große Zahl an Herstellern, die Basen, Spikes oder Ständer mit unterschiedlichen Konzepten und Materialien produzieren,…
    09.10.2026
  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.