tests/22-07-26_cengrand
 

Cen.Grand 9i-92SA III

26.07.2022 // Dirk Sommer

Nicht verzichtet habe ich aber darauf, den fabrikneuen 9i-92SA III kurz nach seinem Eintreffen per USB mit einen MacBook Pro zu verbinden und ihn im mehrtägigen Dauerbetrieb einzuspielen. Die Musik-Daten dazu wurden von Apple Music gestreamt – klanglich alles andere als ideal, aber zum Sammeln von Betriebsstunden sollte es reichen. Weiter ging's, als der Stealth von Dan Clark Audio aus Wien – oder genauer: aus dem Studio von Christoph Stickel – eintraf. Der Stealth ist momentan mein Kopfhörer-Favorit – trotz des prohibitiven, wenn letztlich dennoch angemessenen Preises. Erschwerend kommt ein Wirkungsgrad von lediglich 87 Dezibel hinzu, aber der macht ihn ja gerade zum Prüfstein für alle Kopfhörerverstärker. Ohne genauer in die Bedienungsanleitung zu schauen, habe ich den Stealth voller Wiederhörensfreude mit der XLR-Buchse des 9i-92SA III verbunden, der vom Analogausgang des DAVE gespeist wurde. Die Kombination begeisterte mich schon mit den ersten Takten. Nachdem ich zur Funktionskontrolle Abdullah Ibrahims und Ekayas Sotho Blue angespielt hatte, blieb ich gleich für einige Titel bei den vertrauten Klängen. Weniger vertraut war mir, wie sauber und dennoch kraftvoll der Bass über einen Kopfhörer zu hören ist und wie viel Luft die Instrumente umgibt. Bei soviel Wohlklang habe ich mich dann an das nach dem Kauf so gut wie nie wieder „aufgelegte“ Album Alisei getraut: Stefano Scodanibbios Solo-, Duo- und Oktett-Kompositionen für Kontrabass, eingespielt von Daniele Roccato und dem Ludus Gravis Ensemble für ECMs New Series. Die Kombination von ECMs vorzüglicher Aufnahmetechnik und jeder Menge mächtiger Viersaiter schien mir sehr verlockend. Doch die Kompositionen sind alles andere als eingängig und leicht verdaulich. Diese Art Moderner Klassik erfordert schon konzentriertes Zuhören und ein sich Einlassen-Wollen auf diesen alles andere als einfachen Stoff. Aber dank der sehr hochwertigen Quelle, Cen.Grand und Stealth mundet auch dieser schwere Kost: So erzeugen die acht Bassisten in einem realistisch anmutenden Raum eine fein durchgezeichnete Klangkollage – überraschend abwechslungsreich, jedoch fernab jeglicher Melodie.

Mit der Fernbedienung lassen sich alle Einstellungen vornehmen, die auch mit den Tasten und dem Potentiometer mit goldenem Knopf auf der Frontseite gewählt werden können
Mit der Fernbedienung lassen sich alle Einstellungen vornehmen, die auch mit den Tasten und dem Potentiometer mit goldenem Knopf auf der Frontseite gewählt werden können

Melodiös, und spätestens nach dem dritten Hören nicht aus den Ohren zu bekommen, sind die Songs von Dephazz' Album Garage Pompeuse, die ich kürzlich für das Musikportal nativedsd.com direkt vom analogen Mastertape in DSD256 produzierte. Da das Equipment schon aufgebaut war, habe ich auch gleich eine Version in PCM mit 384 Kilohertz und 32 Bit erstellt. Ich verbinde nun den 9i-92SA III per USB mit dem Melco N10/2-S38, um zu hören, ob der Cen.Grand diese Formate akzeptiert. Das tut er ohne zu mucken und klingt dabei wirklich überzeugend: Dynamik, Auflösung, Tonalität und rhythmische Spannung lassen keine Wünsche unerfüllt. Übrigens, wenn Pit Baumgartner, der kreative Kopf hinter Dephazz, zustimmt, werde ich Ihnen hier in Kürze einen Song von Garage Pompeuse in den genannten Formaten zum kostenlosen Download anbieten.

Statt mit dem Cen.Grand weiter Musik in höchster Auflösung zu genießen, muss er nun seine Fähigkeiten im Vergleich mit Chord Electronics' HUGO II beweisen. Beide Wandler/Kopfhörerverstärker-Kombinationen beziehen ihre Daten vom Melco. Der Peacock wird in beiden Fällen über die Klinkenbuchse angeschlossen. Beim Cen.Grand habe ich als Betriebsart „Paralle“ und das Digital-Filter Numero 4, das „Short Delay Slow Roll Off Filter“, gewählt. Beim Hugo ist „Crossfeed“ deaktiviert und das Filter ist die Numero 3, „16fs – warm“. Mikhail Alperin und Arkady Shilklopers „Unisons“ vom Album Wave Of Sorrow bringt der 9i-92SA III rhythmisch packend, dynamisch und mit viel Luft um die Instrumente rüber. In Sachen Luft und Rhythmus steht der HUGO dem Cen.Grand in nichts nach. Der ordnet die Klangquellen aber nicht so rigoros auf einer imaginären Linie zwischen den Ohren an wie der HUGO. Auch wenn es in beiden Fällen keine echte Tiefenstaffelung gibt, präsentiert der 9i-92SA III die Musik räumlich überzeugender. Cen.Grand hat die ESS-Wandler ganz hervorragend in den Griff bekommen: Klangfarben und Raum überzeugen rundum. Da vermisse ich meinen HUGO II kein bisschen – zumal der Sendy Audio Peacock Keith Jarretts „God Bless The Child“ noch ein wenig intensiver erleben lässt, sobald der Kopfhörer mit einer symmetrischen Verkabelung an die vierpolige XLR-Buchse des Cen.Grand angeschlossen und der Betriebsmodus „BTL“ aktiviert ist: Der Hochtonbereich erklingt noch filigraner, das Ausschwingen der Akkorde ist deutlicher zu verfolgen, die Instrumente umgibt ein Hauch mehr Raum und die Bass-Drum wirkt minimal kraftvoller und klarer definiert: wirklich beeindruckend!

Für welche Bereiche der Schaltung die beiden Ringkerntransformatoren zuständig sind, verrät Cen.Grand nicht
Für welche Bereiche der Schaltung die beiden Ringkerntransformatoren zuständig sind, verrät Cen.Grand nicht


  • Pro-Ject Flatten it

    Das Thema thermische Behandlung von Festplatten, Kabeln oder Schallplatten wurde in Hifistatement mehrfach ausführlich behandelt. Heute geht es um den Flatten it Schallplatten-Bügler von Pro-Ject, der dank seines attraktiven Preises ein Angebot für jedermann sein könnte. Dirk Sommer hat an dieser Stelle seit Jahren immer wieder über Kältebehandlungen zur Klangverbesserung explizit bei der Firma CoolTech berichtet. Das liest sich überzeugend, ist aber mit ein wenig Aufwand verbunden, der selbst manch eingefleischtem Audio-Freak zu lästig erscheint.…
    28.04.2026
  • Sumiko Oriole

    Sumikos Firmensitz befindet sich in Mineapolis, USA im Bundesstaat Minnesota. Von hier aus werden die Tonabnehmer weltweit vertrieben. Hergestellt werden sie allerdings in Japan bei Excel Sound in Yokohama. Dort werden die Systeme seit 1982 von ausgewählten Handwerkern handgefertigt. Das neu auf dem Markt befindliche Oriole aus der Reference-Serie von Sumiko liegt preislich und klanglich in der Mitte zwischen dem Starling und Songbird aus gleichem Hause. Oriole ist übrigens die englische Bezeichnung für den hierzulande…
    24.04.2026
  • WestminsterLab Omne

    Ich schätze WestminsterLab-Komponenten für ihre Musikalität und Authentizität, die den Zugang zur Musik ganz selbstverständlich öffnen. Diese Qualität verspricht nun WestminsterLab in Form des Omne, einem Vollverstärker, der das gesamte Westminster-Lab Erlebnis in einem All-in-One-Paket vereinen soll. Ein Versprechen, das neugierig macht. Als Angus Leung den Omne Vollverstärker Anfang Februar 2025 in Hamburg präsentierte, ging es ihm erkennbar nicht um die übliche Choreografie aus Neuheit und Superlativen. Im Zentrum stand für ihn vielmehr die Antwort…
    21.04.2026
  • SOtM sMS-2000 – ein Nachtrag

    Klanglich, optisch und in Sachen Verarbeitung hat mich der SOtM sMS-2000 rundum begeistert. Im täglichen Betrieb erweist er sich als komfortabel und bisher völlig stabil. Die Einrichtung einer zusätzlichen internen Festplatte hätte allerdings Programmierkenntnisse in Linux erfordert. Ich habe deshalb die zum Lieferumgang gehörende SSD aktiviert. Beim kürzlich erschienenen Test agierte der sMS-2000 ja lediglich als Streaming Bridge. Die Musikdaten bezog er vom Melco N1Z H60/2 über Ethernet, denn die Kombination eines netzwerkgebunden Servers als…
    17.04.2026
  • Soulnote A-2 ver.2

    Ist man, wie ich, seit zwei Jahren zufriedener und stolzer Besitzer eines Soulnote A2 Vollverstärkers, kann man durchaus unruhig werden, wenn da eine Version 2 auf den Markt kommt. Klingt diese nun besser? Sollte ich meinen A2 verkaufen, um den neuen zu erwerben? Lohnt das, und macht der Vorteil auch den Preisunterschied wett? Mein Soulnote A2 stand damals mit rund 7.000 Euro in der Preisliste. Sein Nachfolger A2 ver.2 ist exakt 1500 Euro teurer, also…
    14.04.2026
  • Unison Research Unico PRE v2 und Unico DM v2

    Unison Research? Genau, das sind doch diese schmucken Röhrengeräte aus Treviso mit den edlen Holzapplikationen am Gehäuse. Und stopp! Unisons neueste Vor-/Endstufenkombi hört auf die Namen Unico PRE v2 und Unico DM v2 und passt einfach in keine Schublade. Wir fühlen diesen Wandlern zwischen den Welten auf den hifidelen Zahn. Die neue Unico-Serie kommt in vollständig überarbeitetem Design daher. Sie besticht durch ihre sehr moderne Designsprache, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt, insbesondere in der…
    07.04.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.