tests/22-10-07_krell
 

Krell K300p

07.10.2022 // Dirk Sommer

Beim MC-Eingang hat man die Wahl zwischen vier Verstärkungsstufen und neun Eingangsimpedanzen
Beim MC-Eingang hat man die Wahl zwischen vier Verstärkungsstufen und neun Eingangsimpedanzen

Probehalber trennte ich einmal die beiden Einstein-Phonos vom Niagara: Plötzlich verhielt sich die natürlich auch über meinen Netzaufbereiter angeschlossene K300p ebenso mustergültig brummfrei und extrem rauscharm im zuvor im Wohnzimmer. Und nicht nur das: In meinem Hörraum muss ich bei der Verwendung von unsymmetrischen Phonostufen oft ungewollt zwitschernde Radioprogramme – sprich Einstreuungen – ertragen. Nicht so bei der Krell: Sie zeigt sich auch gegenüber HF-Störungen immun. Symmetrie vermisse ich nur in den seltenen Fällen, in denen ich bei recht weit aufgedrehtem Lautstärkeregler eine Lampe in unmittelbarer Nähe des Laufwerks ein- oder ausschalte. Dann ist ein Knackser über die Boxen zu hören. Den fängt sich aber nicht die Phonostufe, sondern der Tonabnehmer oder das unsymmetrische Anschlusskabel ein. Daran ist – wie gesagt – die Krell nicht im mindesten Schuld!

Doch endlich zurück zur Musik: Die liest jetzt ein in Einsteins The Tonearm montiertes Transrotor Tamino aus der Rille. Bei der K300p ist die höchste Verstärkung, 62 Dezibel, und eine Abschlussimpedanz von 47,5 Ohm gewählt. Um das Dämpfungsgummi ein bisschen geschmeidig zu spielen, höre ich mal wieder Oregon In Performance. Die Doppel-LP begeistert wie gewohnt mit jeder Menge Klangfarben der illustren Instrumente, die auf einer realistisch anmutenden Bühne angeordnet sind – keine Selbstverständlichkeit bei einer Live-Aufnahme an verschiedenen Orten. Nichtsdestotrotz klingen die vier Plattenseiten dank Bob Ludwigs Mastering wie aus einem Guss. Musikalisch ist mir das Album bestens vertraut, und auch klanglich sorgt die Krell nicht für die kleinste Unstimmigkeit, so dass ich kurzzeitig alle Hifi-Kriterien vergessen und einfach rundum zufrieden zuhöre. Um aussagekräftigere Höreindrücke zu bekommen, lege ich wieder Bang, Baa-Room And Harp auf: Dynamisch hat die K300p mindestens ebenso viel zu bieten wie The Turntable's Choice. Der Tiefbass der Krell besitzt sogar noch einen Tick mehr Energie, und in Sachen Spielfreude tun sich die beiden Entzerrervorverstärker nichts. Der Einstein lässt die Bühne der Orchestra Hall noch ein wenig tiefer erscheinen, dafür wirken die Instrumente einen Hauch erdverbundener, plastischer und präsenter, wenn die K300p mit im Spiel ist: Auch in der noch einen Tick höher auflösenden Kette überzeugt die Krell voll und ganz.

Für Moving-Magnet-Tonabnehmer stehen acht kapazitive Lasten und zwei Verstärkungsstufen zur Verfügung
Für Moving-Magnet-Tonabnehmer stehen acht kapazitive Lasten und zwei Verstärkungsstufen zur Verfügung

Weiter geht’s mit dem Lyra Etna im Thiele TA01, einer Abschlussimpedanz von 100 Ohm und „God Bless Child“ mit dem Keith Jarrett Trio. Der Song lebt vom seinem Groove und da lässt die Krell nichts anbrennen. Die mitreißende Spielfreude des Etna ist jederzeit erlebbar. Auflösung, Energie und Definition im Bassbereich erreichen ein sehr hohes Niveau. Da habe ich nicht die geringste Lust, den Tonarmlift zu betätigen und die Platte zu wechseln. Aber bevor ich zur MM-Sektion komme, möchte ich kurz noch wissen, wie die Krell mit jeder Menge Tieftonenergie umgeht: Jonas Hellborgs Bass auf Elegant Punk bleibt bei „Drone“ trotz aller Energie sehr gut definiert und „Little Wing“ verwöhnt den Zuhörer mit knackigen Impulsen und viel Luft um die Saiten. Hier verschwende ich keinen Gedanken daran, schnell wieder zu den – doch noch ein Stück teureren – Einsteins zu wechseln. Auch bei „It's The Pits, Slight Return“ behält die Krell die Übersicht – und jenseits aller Hifi-Kriterien: mit der K300p macht das Stück einfach einen unbändigen Spaß!


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