tests/22-11-15_cayin
 

Cayin N8ii und Fantasy YD01

15.11.2022 // Wolfgang Kemper

Die Cayin Website gibt sehr umfassend Auskunft über das technische Konzept des N8ii. Imposant ist das Gehäuse, das mit seinen Proportionen und auch dank des Geräte-Gewichts von 442 Gramm nicht in Hemds- oder Blusentaschen und auch nicht in jeder Hosentaschen unterzubringen ist. Von der Wärme mal abgesehen. Es besteht aus CNC-gefrästem Aluminium mit einer eigenen, gedämmten Kammer für die zwei Korg Nutube 6P1 Doppel-Trioden. Durch eine entkoppelnde Aufhängung ihres Silikon-Gehäuses werden die Röhren vor Erschütterungen bewahrt. Zwei jeweils für Mono konfigurierte Rohm Mus.ic BD34301EKV Chipsätze, die hier erstmalig in einem portablen Highres-Player verbaut sein sollen, wandeln das digitale Signal ins Analoge. Mittels zweier Low-Pass-Filter für PCM und drei DSD-Filtern ist der Klangcharakter fein justierbar. Zwei Femto-Oscillatoren sorgen für minimalen Jitter und zweimal zwei Strom-Spannungswandler für eine rauschfrei Versorgung der Wandler-Chips. Auf der sechslagigen Platine werden sensible Bauteile voneinander distanziert positioniert, um das Störsignalverhalten zu optimieren. Aufwändig wird der diskret mit JFETs und BJTs aufgebaute Verstärker teils in Handarbeit gefertigt, nachdem die Komponenten individuell aufeinander abgestimmt wurden. So wird die gleiche Verstärkung für die insgesamt vier symmetrischen Signalwege gewährleistet. Die analoge symmetrische Lautstärke-Regelung erfolgt über vier Widerstands-Reihen. Für die stabile Funktion sorgen ein 64-bit Qualcomm Snapdragon 660 mit sechs Gigabyte DDR4 RAM sowie ein leistungsstarkes FPGA für die eigene Programmierung. Der Home-Button unterhalb des Displays leuchtet je nach Auflösung des digitalen Signals in sechs unterschiedlichen Farben.

Die Leder-Schutzhülle mit den vergoldenen Metall-Aplikationen unterstreicht die Wertigkeit dieses Highres-Players
Die Leder-Schutzhülle mit den vergoldenen Metall-Aplikationen unterstreicht die Wertigkeit dieses Highres-Players

Den ersten klanglichen und begeisternden Eindruck vom N8ii bekam ich wie gesagt auf den Norddeutschen Hifi-Tagen. Zum Vergleich bot man mir auf dem Cayin-Stand einen deutlich preisgünstigeren Musik-Player, es war wohl das Erfolgsmodell N3-Pro, sowie auch alternativ zum in-Ear Fantasy YD01 den YB04 für 598 Euro an. Die klanglichen Unterschiede der beiden Kopfhörer ließen sich schnell und klar nachvollziehen. Der Fantasy bot eine intensivere Strahlkraft in den oberen Tonlagen und offenbarte klar und deutlich die Feinheiten in der Musik. Dies gelang ihm farbenfroh und ohne unangenehme Härte. Im Vergleich wirkte der YD01 wärmer und weniger transparent. Man gab mir beim Fantasy sogar durch einen schnellen Wechsel der Kopfhörerkabel die Möglichkeit, den symmetrischen mit dem unsymmetrischen Ausgang zu vergleichen. Den Unterschied empfand ich damals nicht so deutlich, dass ich ihn heute aus der Erinnerung wirklich benennen könnte. Was ich aber eindeutig erkennen konnte, war die Musikalität des N8ii. Der viel gelobte N3-Pro hat dank seiner Größe und seines niedrigeren Gewichts sicherlich Vorteile in Sachen Portabilität, und natürlich spricht auch der Preis für ihn. Aber das war´s dann auch, und zwar ganz deutlich. Der Klangunterschied zum N8ii ist enorm, und ich glaube, man tut gut daran, letzteren nur zu probieren, wenn man seinen stattlichen Preis bezahlen will. Ich hatte jedenfalls keinerlei Lust, zum Vergleich noch einmal auf den Kleinen zu wechseln. Vielmehr interessierte mich dann mit dem Fantasy YD01 im Ohr, welche klanglichen Einflüsse der Wechsel von Röhre zu Transistor und die Betriebsart Class A zu Class AB mit sich bringt. Das Ergebnis dieser ersten Kennenlern-Phase war: Irgendwie hat alles seinen Sinn, weil die Musik in keinem Falle darunter leidet, sondern mit anderer Diktion kommuniziert wird. In der Kürze der Zeit war da kein Urteil möglich. Aber auch heute, nachdem ich etliche Stunden mit dem Cayin-Topmodell verbrachte, bin ich vorsichtig mit einer Bewertung.

Weiteres Zubehör sind USB C-Kabel und Adapter
Weiteres Zubehör sind USB C-Kabel und Adapter

Dank der Möglichkeit, mit vier Kopfhörern vergleichend zu hören, sehe ich eher das Zusammenspiel von N8ii und dem jeweiligen Kopfhörer als relevant. Dazu kommt in hohem, wenn nicht sogar im entscheidenden Maße der persönliche Geschmack und dieser auch wieder in Abhängigkeit von der Musik ins Spiel. Ich würde noch nicht einmal sagen mögen, dass diese oder jene Betriebsart für Klassik, Jazz, Frauenstimmen oder Hörspiele besonders geeignet ist. Persönlich habe ich am liebsten mit dem Fantasy im Röhren-Modus und Class A gehört. Die Präzision dieses In-Ears harmoniert ausgezeichnet mit dem leicht wärmeren Timbre in diesem Setup. Bei Jazz oder Rock mit dem Audeze gebe ich durchaus oft dem Transistor den Vorzug und auch gerne im knackigen Class AB. Diese Variabilität ist ein enormes Plus für diesen Luxus-Player. Sein Besitzer dürfte für seinen Kopfhörer, bei dessen Wahl ihm dank der Leistungsfähigkeit des N8ii nichts im Wege steht, für die bevorzugte Musik und für seine momentane Stimmung wohl jederzeit der richtige Klangcharakter einstellbar sein, um genussvoll in der Musik zu schwelgen. Und ich gestehe, obwohl ich eigentlich kein Kopfhörianer bin: Schwelgen kann ich mit dem N8ii und den Kopfhörern beinahe besser als über mein x-mal teureres Lautsprecher-System.


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