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Accustic Arts Power III

07.03.2023 // Wolfgang Kemper

Von vorn betrachtet bleibt der Accustic Arts Power III auch im eingeschalteten Zustand dezent, dezenter als ich erwartet hatte. Angezeigt wird in dem in der Helligkeit variablen Display mit blauer alphanumerische Anzeige nur die Nummer des gewählten Eingangs und die Lautstärke. Bei digitalen Quellen erscheint kein Hinweis auf Format oder Auflösung. Das ist ungewöhnlich aber auch vorteilhaft. So lenkt wirklich nichts vom Musik Hören ab. Im Laufe des Tests werde ich darauf achten, ob ich die Format-Angabe irgendwann mal vermisse. Die Einrichtung des Vollverstärkers ist unkompliziert und alternativ über die Fernbedienung oder am Gerät selbst möglich. Die schön gestaltete Fernbedienung – der Ursprung von Accustic Arts liegt ja in der Metall-Verarbeitung – muss mittels der mit Select beschrifteten Taste so eingestellt werden, dass der Verstärker anspricht. Blaue LEDs zeigen drei Optionen an. Bei meinem Power III war die dritte LED richtig, und der Verstärker reagierte. Die Fernbedienung ist in der Lage, weitere Komponenten von Accustic Arts – möglicherweise das traumhafte CD-Laufwerk Drive IV – zu steuern. Dann muss die Fernbedienung kurzerhand darauf umgeschaltet werden. Ein DC-Steuerungs-Ausgang auf der Rückseite des Vollverstärkers ermöglicht das Ferneinschalten eines Endverstärkers oder Subwoofers. Das Menü lässt sich Schritt für Schritt einrichten. Es bleiben stets zehn Sekunden Zeit, dann wechselt das Display wieder in den Normal-Modus. Am Gerät drückt man dazu den linken verchromten Drehknopf aus massivem Messing, dessen eigentliche Funktion die Wahl des Eingangs ist, nur kurz. Drückt man lange, wird das Gerät in Standby versetzt. Nach kurzem Druck erscheint derjenige Menüpunkt stets wieder, in dem man sich zuletzt befand. Die Einstellungen bleiben auch erhalten, falls man den Power III mit dem rückseitigen harten Netzschalter vom Strom getrennt hat. Das ist praktisch. Denn üblicherweise braucht man nach dem grundsätzlichen Einrichten als Kopfhörer-Nutzer nur noch den einen Menüpunkt, der das Abschalten der Lautsprecher bewirkt. Hat man diesen zuletzt betätigt, ist er sofort nach Menü-Aufruf wieder da. Hört man nie mit Kopfhörern, lässt sich der frontseitige Klinkenausgang auch ganz abschalten. Dieser 6,3-Millimeter-Ausgang ist durch eine Schutzkappe aus verchromtem Messing abgedeckt. Die Menüpunkte im einzelnen sind: Balance, Lautstärke beim Einschalten des Verstärkers aus dem Standby, Helligkeit des Displays, Vorverstärker-Ausgang wahlweise fix oder variabel, Überbrückung der Lautstärke bei Integration des Power III in ein Kino-Surround-Sytem, separate Pegeleinstellung für jeden Eingang mit einem Regelbereich von plus/minus zwölf Dezibel, um Lautstärkesprünge beim Umschalten zu vermeiden, Kopfhörer an/aus, Lautsprecher an/aus und Werks-Reset zum Aufrufen der Auslieferungs-Einstellungen. Diese Reset- und auch die Surround-Durchschaltung sind mit einem Countdown gekoppelt, um versehentliches Aktivieren rückgängig machen zu können. Die Surround-Integration ist für Kino-Fans ein begrüßenswertes Feature. Hier kann man den Eingang Fünf so konfigurieren, dass die Lautstärkeregelung des Power III inaktiv ist. Die Lautstärke wird dann ja am Surround-Prozessor eingestellt. Der rechte Drehregler auf der Front ist mit seiner Hauptfunktion Volume bezeichnet und dient in der Menüführung der Veränderung der Werte, zum Beispiel der Helligkeitsintensität des Displays.

Einer der beiden verchromten Drehregler aus massivem Messing. Der Kopfhörerausgang lässt sich durch einen Stecker aus dem gleichen Material abdecken
Einer der beiden verchromten Drehregler aus massivem Messing. Der Kopfhörerausgang lässt sich durch einen Stecker aus dem gleichen Material abdecken

So, nun endlich der Blick ins Innere: Hier erkennt man die Verwendung hochwertiger Bauteile, nichts Exotisches, aber dennoch aufwendig selektiert. Darin liegt ein wesentliches technisches Merkmal dieses Vollverstärkers, das auch seinen Preis mitbegründet. Die hochgradige Selektion aller verwendeten Bauteile garantiert kanalgleiche Werte, was auch für die symmetrische Signalführung besonders bedeutsam ist. Wir haben symmetrische und unsymmetrische Eingänge. Beide Arten werden auch als solche fortgeführt. In der aufwändigen Lautstärker-Regelung mit hoch selektierten Widerständen erfolgt die Asymmetrierung der symmetrischen Eingänge. Nur so ist die Eliminierung der Störsignale möglich, weil jetzt die gegenphasigen Züge zur Deckung gebracht werden und sich Störungen dadurch eliminieren. Gleichzeitig steigt das Nutzsignal um sechs Dezibel. Hinter dem Lautstärkeregler geht es direkt auf die parallel-symmetrischen Endstufen im Doppel-Mono-Aufbau mit insgesamt zwölf selektierten Bipolar-Transistoren von erstklassiger Güte, wie in der Bedienungsanleitung zu lesen ist. Die üppigen Kühlkörper sind im Inneren dicht am massiven Aluminium-Gehäuse platziert. Gemeinsam sorgen sie für eine nur geringe Erwärmung des Verstärkers. Die Endstufen beziehen ihren Strom aus dem üppig dimensionierten, geschirmten Ringkerntransformator mit 600 VA und hochqualitativem Kernmaterial. Der versorgt über etliche Sekundärwicklungen die einzelnen Sektionen des Vollverstärkers und D/A-Wandlers separat. Im Netzteil dienen satte 80.000 Mikrofarad Kapazität der Glättung des Stroms. Die analoge Lautstärkeregelung ist per Mikroprozessor gesteuert. Sie sehen also beim Betätigen der Fernbedienung keine Bewegung des Drehreglers am Gerät. An dieser Stelle eine kleine Kritik, die aber nach kurzer Gewöhnung an die Fernbedienung des Power III keiner Rolle mehr spielen dürfte: Die waagrechte Beschriftung Volume auf der Fernbedienung verführt zum Bedienen der daneben angeordneten Tasten. Diese schalten aber die Eingänge rauf oder runter. Für die Lautstärke müssen jedoch die darunter und darüber angeordneten Taster bedient werden. Ich kritisiere hier etwas beinahe Banales, weil ich ansonsten an diesem Verstärker nichts zu bemängeln finde – außer vielleicht seinem Preis, der aber durch die musikalische Qualität gerechtfertigt werden wird.

Der solide Aufbau verdeckt die Digital-Platine. Sie liegt unterhalb der Platine, auf der die Phonostufe senkrecht ihren Platz hat
Der solide Aufbau verdeckt die Digital-Platine. Sie liegt unterhalb der Platine, auf der die Phonostufe senkrecht ihren Platz hat

Nochmal zur Lautstärkeregelung: Die Mikroprozessor-Steuerung aktiviert Mosfet-Relais, die in 99 Schritten die Lautstärke analog regeln. An dieser Stelle ist der Selektionsaufwand wiederum besonders bedeutsam, um bei niedrigen Pegeln gleiche Werte für beide Kanäle zu erhalten. Die optionale Phonostufe arbeitet mit einer Kombination aus passiver und aktiver Entzerrung. Das Hochton-Spektrum der RIAA-Kennlinie wird passiv gestaltet, die Mittelton- und Bass-Sektion wird aktiv moduliert. Das Ergebnis ist sehr geringes Rauschen. Die Verstärkung für MC-Tonabnehmer beträgt 60 Dezibel, für MM legt liegt sie bei üblichen 40 Dezibel. Eine weitere Stufe auf dem Phono-Bord verstärkt das Signal von MC und auch MM zusätzlich, um den Pegel heute üblicher Ausgangsspannungen von Geräten mit Line-Ausgang zu erreichen und Pegeldifferenzen klein zu halten. Auch hier ist die Bauteile-Selektion wieder enorm wichtig, ebenso wie das Platinen-Layout, was auch hörbare Auswirkungen mit sich bringt, wie ich vom Entwickler erfuhr. Dem Platinen-Layout wird selbstverständlich nicht nur im Phono-Bord sondern in sämtlichen Stufen des Power III besondere Aufmerksamkeit geschenkt, eben weil man hier Musikalität verschenken kann. Präzision, Selektion und kluge Anordnung sind auch im Digital-Analog-Wandler die Maxime. Als D/A-Wandlerbaustein wurde ein ESS9026 gewählt, der sich vom immer gerne wieder verwendeten bisherigen Flaggschiff 9038 dadurch unterscheidet, dass er nur zwei Ausgänge hat. Wichtig ist an dieser Stelle, so der Entwickler, vielmehr die optimale Nutzung der internen Architektur des Chips, der stets auf 384 Kilohertz und 32 Bit hochrechnet. Die bei der Verwendung der digitalen Pegelregelung notwendige interne Umwandelung von DSD auf PCM wurde hier abgeschaltet, so dass der Power III-Wandler DSD bis zur Umwandlung ins Analoge nativ behandelt. Analoge Filter hinter dem Ausgang des Chips entfernen restliche unerwünschte HF-Signalanteile.


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