tests/23-04-26_iotavox
 

IOTAVX AVXP 2-840

26.04.2023 // Finn Corvin Gallowsky

Doch bevor ich mich kopfüber in die Hörsession stürze, noch ein paar Hintergrundinformationen zur Endstufe: Das IOTAVX-Kernteam sitzt noch immer in England, ist aber über die Jahre immer weiter mit dem deutschen Vertrieb HifiPilot zusammengewachsen. Die HifiPilot-Geschäftsführer Berthold Daubner und Jens Hörmann sind inzwischen direkt involviert in den Prozess der Ideenfindung und Auslegung der Produkte der Marke IOTAVX. Die Entwicklung obliegt nach wie vor hauptsächlich dem Team in England. Ausgangspunkt für die Entwicklung der AVXP 2-840 war zunächst der Wunsch, der erfolgreichen und sehr preiswerten Mehrkanal-Endstufe AVXP1 ein leistungsstärkeres und hochwertiger bestücktes Schwestermodell zur Seite zu stellen. Nicht zuletzt aufgrund von Kundenwünschen entstand dabei auch gleich ein leistungsstarkes Stereomodell. Das Ziel dabei war ein unverwüstliches, funktionales, mit hochwertigen Komponenten solide aufgebautes Arbeitstier mit überzeugenden akustischen Eigenschaften zu erschaffen.

Der Doppel-Mono-Aufbau ist leicht nachzuvollziehen
Der Doppel-Mono-Aufbau ist leicht nachzuvollziehen

Die AVXP 2-840 verfügt tatsächlich nicht über ungewöhnliche Raffinessen, sondern ist im Push-Pull-Design mit guten Komponenten aufgebaut. Mittels je eines Kippschalters pro Kanal kann zwischen einem XLR- oder Cinch-Eingang gewählt werden. Die Lautsprecherterminals sind nicht doppelt ausgelegt, wie es bei manchen Endstufen der Fall ist. Bi-Wiring ist folglich nicht möglich. Der Monobetrieb ist ebenfalls nicht möglich. Aber mal ehrlich, wer benötigt noch mehr Power als zweimal 840 Watt? Das Gehäuse ist stabil, aber aufgrund seiner Größe nicht vollends resonanzarm. Solange die Endstufe aber auf einer stabilen Oberfläche steht, rühren von dieser Warte keinerlei Probleme her. Auch die Verkabelung gelingt problemlos. Meine Furutech-Bananenstecker sitzen schön straff in den Anschlussterminals. Eine gute Verbindung ist schonmal gewährleistet. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu meiner NAD-Endstufe zu haben, steuere ich die IOTAVX zunächst mit Cinch an.

Die Transistoren arbeiten in Push-Pull-Konfiguration
Die Transistoren arbeiten in Push-Pull-Konfiguration

Nach dem Drücken des mit einem dezenten Leuchtstreifen umrandeten Power-Schalters auf der Front, schalten nacheinander drei Relais. Ihr kräftiges Klacken macht Eindruck und steigert die Erwartungen. Wie bereits in meinem letzten Test, beginne ich mit Peter Gabriel. Die Vorfreude auf das neue Album und Konzert ist derart hoch, dass ich die bisher erschienenen Singles bei jeder Gelegenheit höre. Das wunderschöne „Playing For Time“ von kommenden Album i/o höre ich als Bright-Side Mix. Das Stück beginnt ruhig, von Gabriels Stimme dominiert und einem Klavier, einer zurückhaltenden Bassline und einigen Streichern begleitet. Zum Ende steigt Manu Katché am Schlagzeug ein, Tom Cawley spielt dichtere Akkordstrukturen am Piano und die Streicher spielen akzentuierte Achtelnotenmuster. Wie erhofft, kann die Endstufe bereits in den zarten Klängen des Beginns ihre Fähigkeiten ausspielen. Die einzelnen Piano-Anschläge klingen gleichermaßen kontrollierter, leicht härter, akzentuierter, etwas präziser und scheinen doch ausgewogener und leichtfüßiger aus den Lautsprechern zu perlen als mit meiner eigenen Endstufe zuvor. Auch Peter Gabriels Stimme profitiert. Ihre verschiedenen Frequenzbereiche scheinen noch feiner miteinander verwoben. Die Stimme steht schärfer umrissen und plastischer in der Mitte des Stereopanoramas positioniert. Die Wiedergabe scheint mir eine Spur heller zu sein. Dies erweckt zunächst den Eindruck etwas stärker betonter Sibilanten. Beim genaueren Hinhören entpuppt sich dieser Eindruck jedoch als trügerisch. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die Sibilanten nicht mehr isoliert herausstechen, sondern stärker in den Gesamtstimmklang integriert werden. Die künstliche Bühne wirkt minimal größer, der wirkliche Unterschied aber ist die Ausgestaltung ihrer einzelnen Ebenen. Sie scheinen viel feinfühliger und exakter positioniert. Richtig deutlich wird dies gegen Ende des Stücks, sobald die Instrumentierung dichter wird. Die Instrumente sind unheimlich klar voneinander getrennt, setzen sich räumlich geradezu voneinander ab. Sie wirken fokussierter, weniger flächig. Auch die Auflösungsfähigkeit der IOTAVX ist größer als die meiner NAD. Durch die besonders starke Zeichnung einzelner Instrumente kommen ein paar mehr Details zum Vorschein, die bei meiner Endstufe stärker ineinanderfließen und miteinander verschmelzen. Im besten Sinne spielt die NAD etwas musikalischer, die IOTAVX hingegen noch genauer, dafür aber minimal weniger geschmeidig. Ihre Kraftreserven sind dabei allgegenwärtig. Zwar agiert auch meine NAD zu keinem Zeitpunkt wirklich komprimiert, aber wie unbeschwert und souverän die AVXP 2-840 die letzten Minuten des Musikstücks darbietet, ist unmöglich zu überhören. Es herrscht so gar keine Spur von Überfrachtung oder Angestrengtheit. Jedem Instrument wird unheimlich viel Bedeutung zugemessen. Die Streicher bleiben wunderbar luftig, Bass und Schlagzeug druckvoll und Peters Stimme schwebt noch genauso unbeeindruckt wie zuvor über allem. Obwohl meine Lautsprecher alles andere als anspruchsvoll sind, vermag es die IOTAVX, ihnen noch mehr Klang zu entlocken. Nur in einem einzigen Punkt ist die Kombination aus viel Leistung und dem hohen Wirkungsgrad meiner Lautsprecher nicht optimal. Da ich zusätzlich verhältnismäßig nah an meinen Lautsprechern sitze, kann ich ein leises Grundrauschen der Endstufe wahrnehmen. Dies ist vollkommen normal und war in dieser Konstellation zu erwarten. Sobald ich mit normaler Lautstärke höre, ist es vollständig maskiert. Lediglich wenn ich spät am Abend sehr, sehr leise höre, nehme ich es aktiv wahr. Je niedriger die Empfindlichkeit ihrer Lautsprecher und je größer ihr Hörabstand, desto besser wird es. Alles unter 90 Dezibel Empfindlichkeit und einem Hörabstand von über zwei Metern würde ich als absolut unkritisch bewerten. Wenn sie zudem ohnehin selten leise hören möchten, sowieso.


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