tests/23-06-20_wilson
 

Wilson Benesch A.C.T. 3Zero

20.06.2023 // Dirk Sommer

Es sind ziemlich genau 28 Jahre ins Land gegangen, seitdem mein Test einer Wilson Benesch A.C.T. erschien. Damals hatte ich die Boxen für über sechs Wochen zum Einspielen im Wohnzimmer geparkt, wo ich keinerlei Hifi-Hoheit habe, aber meiner Gattin gefielen die A.C.T. One ausgesprochen gut. Und das hatte Folgen.

Soweit ich mich erinnern kann, war die A.C.T. One der erste Lautsprecher, bei dem ein Teil des Gehäuses aus Kohlefaser besteht. Die Chassis des Zweieinhalb-Wege-Designs wurden damals noch von einem bekannten skandinavischen Hersteller zugekauft. Was die Einser so ungewöhnlich machte, war erstens die Abkehr von einem rechtwinkeligen Gehäuse – heute fast schon eine Muss für einen Schallwandler mit Anspruch – und zweitens der aufwendige Materialmix aus Stahl, Aluminium, MDF, Massivholz und den bereits erwähnten Kohlefaserwänden, der auch Grund für die Modellbezeichnung war: „Advanced Composite Technology“.

Die Wilson Benesch A.C.T. 3Zero in der Sonderlackierung Aventador Blue Aegir
Die Wilson Benesch A.C.T. 3Zero in der Sonderlackierung Aventador Blue Aegir

Doch noch kurz zu den Folgen des Asyls für die Wilson Benesch im Wohnzimmer: Klang und Design hatten meine Gattin während der Einbrennphase so für die A.C.T. eingenommen, dass sie sie nach Abschluss des Test behalten wollte. Das war die erste von einer Reihe größerer Neuerwerbungen, die der damals noch recht neue Job so mit sich brachte. Und auch ich muss zugeben, dass die One in Kirschbaumausführung ganz vorzüglich mit dem Brinkmann-Avance-Laufwerk mit seinem Rahmen aus demselben Holz in der Wohnzimmeranlage harmonierte, optisch wie klanglich. Da wir lange Jahre viel Freude mit der A.C.T. One hatten – schließlich erlaubte sie außerhalb meiner Arbeitsumgebung Musikgenuss auf hohen Niveau –, sollte ich gleich zu Anfang dieses Berichts eine sehr positive Voreingenommenheit gegenüber den Produkten von Wilson Benesch im allgemeinen und der A.C.T im besonderen eingestehen. Schon als ich die One vor kurzem für einen Test bestellte, war klar, dass dieser im Wohnzimmer stattfinden würde, wo sich die vorgeschaltete Kette im Laufe der Jahre beständig verbessert hatte – ebenso wie die A.C.T.

Die Hochtonkalotte wird von einem sogenannten Fibonacci-Element umgeben, das Reflexionen des vom Hochtöners abgestrahlten Schalls auf der Frontplatte reduzieren und so den Frequenzgang linearisieren soll
Die Hochtonkalotte wird von einem sogenannten Fibonacci-Element umgeben, das Reflexionen des vom Hochtöners abgestrahlten Schalls auf der Frontplatte reduzieren und so den Frequenzgang linearisieren soll

Der Name des jetzigen Modells trägt der Tatsache Rechnung, dass die Entwicklung des ersten Wilson-Benesch-Schallwandlers vor über dreißig Jahren begann. „3Zero“ könnte man also auch so schreiben: 30. Natürlich bildet auch ein Materialmix das Gehäuse der aktuellen A.C.T. Doch besteht ein Großteil der Wände nun aus Biocomposite-Werkstoffen, die im Anschluss an ein Projekt entwickelt wurden, das Wilson Benesch im September 2017 mit 17 internationalen Partnern startete: „Sustainable Structural and Multifunctional Biocomposites from Hybrid Natural Fibres and bio-based polymers" oder kurz SSUCHY. Bei dieser wohl umfassendsten Studie zum Thema ging es darum, wie sich Verbundwerkstoffe auf Ölbasis und auf Basis natürlicher Materialien verhalten, wenn sie strukturellen Schwingungen ausgesetzt sind. Entscheidend für Lautsprechergehäuse ist das komplexe Zusammenspiel von Steifigkeit und Dämpfung. Das Ergebnis ist das A.C.T.-3Zero-Biocomposite-Monocoque aus neuartigen Materialien, die aus nachhaltigen und erneuerbaren Quellen stammen. Es soll seinem Vorgängermodell um mehrere Größenordnungen überlegen sein und dabei fast genauso steif.


  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026
  • Dan Clark Audio Aeon Core

    Anfang letzten Jahres stellte ich den Dan Clark Audio Noire X vor, dessen Klangsignatur der meines absoluten Favoriten, dem Stealth, sehr nahe kommt – und das zu einem Viertel des Preises des Dan Clark Audio-Topmodells. Jetzt charakterisiert der kalifornische Kopfhörerspezialist den Aeon Core sehr ähnlich: „Flagship Performance. Breakthrough Price.“ Dazu, wie sich die Hierarchie zwischen Stealth, Noire X und Aeon Core darstellt, möchte ich später kommen, denn bei seiner Arbeit für den Aeon Core ging…
    14.08.2026
  • Oladra Presence

    Die Server und Streamer von Antipodes Audio sind kostspielig. Das ist nicht neu. Sie bieten für's Geld eine hervorragende Klangqualität. Das begann seinerzeit für mich mit dem EX, ging über die S-Serie zum K50 und schließlich sogar bis zum Oladra G4. Jetzt steht der brandneue Oladra Presence bei mir zum Test. Der Oladra Presence kostet enorme 58.000 Euro. Das ist für mich eigentlich Grund genug, mich nicht mit ihm zu befassen. Aber mein Interesse und…
    11.08.2026
  • MSB Technology Cascade DAC – aktuelle Version

    Die Bilder könnten zwar den Anschein erwecken, aber ich recycele hier nicht den Cascade-Test von vor zwei Jahren – auch wenn das bei den Temperaturen im Hörraum ein verlockender Gedanke wäre. Der aktuelle MSB-Wandler unterscheidet sich rein äußerlich nicht von dem, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe, in Sachen Technik und Klang aber sehr wohl. Ich habe Jürgen Sachweh, den Inhaber des deutschen MSB-Vertriebs gefragt, was mein damaliges Testmodell von der neuen Version unterscheidet, und…
    04.08.2026
  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026
  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.