tests/23-09-15_miyajima
 

Miyajima Laboratory Carbon

15.09.2023 // Klaus Schrätz

16 Ohm Innenwiderstand sind bei Miyajima üblich, eine relativ geringe Ausgangsspannung von 0,21 Millivolt lässt auf ein eher leises System schließen. Der korrespondierende Abschlusswiderstand von 100 Ohm lässt sich an der Phonovorstufe Roksan Artaxerxes X über Mikroschalter problemlos einstellen. Die empfohlene Auflagekraft beträgt 2,3 Gramm. Miyajima empfiehlt als Träger des Tonabnehmers einen Tonarm mit mittlerer bis hoher effektiver Masse. Da mein Linn Ittok mit seinen 12 Gramm effektiver Masse genau in diese Kategorie passt, montierte ich das Carbon an den Linn Tonarm. Der Einbau des Systems erwies sich als nicht ganz trivial. Es gibt nirgends eine gerade Seitenkante, an der man sich bei der Ausrichtung im Headshell orientieren könnte. Der Nadelträger ist zudem recht gut unter dem Korpus versteckt, so dass er als Bezugsgröße auch nur bedingt taugt. Das Gehäuse besitzt eine sehr organische Form ohne Montageflansch. Das hat zur Folge, dass die Befestigungsschrauben durch den gesamten Systemkörper ragen und deshalb ziemlich lang sein müssen. Vier Paar vergoldete Befestigungsbolzen mit sorgsam abgestuften Längen liegen bei. Die ebenfalls beiliegenden Befestigungsmuttern sind in Sachen Außendurchmesser besonders klein, so dass die Montage doch recht anspruchsvoll war. Hilfreich war der ebenfalls mitgelieferte nicht magnetische Keramik-Kreuzschraubendreher, da man wegen des starken Magneten des Tonabnehmers keine magnetischen Metalle in seine Nähe bringen sollte.

Der Hohlraum im Aluminium-Nadelträger ist bei diesem Modell mit Nano-Röhrchen aus Carbon gefüllt
Der Hohlraum im Aluminium-Nadelträger ist bei diesem Modell mit Nano-Röhrchen aus Carbon gefüllt

Also, nun Butter bei die Fische und auf zum Hörtest. Aber: Miyajima sind keine Systeme für mal eben testen. Da die Systeme einen speziellen Aufbau haben, benötigen Sie auch eine deutlich längere Einspielzeit. Wer sich die Zeit nimmt und die Entwicklung in den ersten 100 Stunden abwartet, der erhält ein sehr musikalisches System, das lange Zeit Freude an der Musik bereitet. Das Carbon spielt farbig, enorm schnell, tief und dynamisch. Zuerst legte ich das In-Akustik-Album Great Cover Versions auf den Plattenteller des Audiolabor Konstant. Als Mastering-Ingenieur zeichnet sich kein Geringerer als Johannes Wohlleben verantwortlich. Ich spielte das Stück „Davy´s On The Road Again“ von Chris Thompson. Er nahm als Sänger den Titel bereits mit der legendären Manfred Mann's Earth Band auf. Bei dieser neueren Einspielung wird das Stück im ungewohnten Jazz-Kontext und mit Big-Band-Sound interpretiert. Die ausdrucksstarken Bläsereinsätze werden mit einer großen Strahlkraft wiedergegeben und kommen ohne jegliche Schärfe rüber. Die Snare-Drum knallt ordentlich – wie es sein soll – und der Gesang von Chris Thompson bringt genau die Emotionalität mit, die das Stück so auszeichnet. Das ist schon fast funky, nimmt einen mit und man hört begeistert zu.

Das Miyamjima Carbon wird in einer repräsentativen Schatulle geliefert
Das Miyamjima Carbon wird in einer repräsentativen Schatulle geliefert

Eine meiner Lieblingsplatten stammt vom Label Vital Records aus Chino in Kalifornien, produziert von David Manley, dem Gründer von VTL, Vacuum Tube Logic. Sie heißt Todd, das Stück „The River Bends“. Das Album wurde „live“ eingespielt und komplett analog unter ausschließlicher Verwendung von Röhrenmikrofonen auf einem 2-Spur-Studer C37 Tonbandgerät aufgenommen. Dies verspricht eine hohe Dynamik und eine Räumlichkeit, die ihresgleichen sucht. Die Band ist ein klassischen Piano-Trio, auf dem gehörten Stück ergänzt durch eine akustische Gitarre und Congas. Das Stück hat einen ganz eigenen Rhythmus, der einen sofort packt. Ganz im Zeichen des Songtitels spielt das Klavier eine plätschernde Melodie, unterbrochen von überraschenden Wendungen, die eben auch Flusswindungen bieten können. Die Stahlseiten der Gitarre lassen mich an kleine Wellen im Fluss denken, auf die man mit einem Kanu dahin gleitet. Spätestens wenn Michael O'Neill das Solo auf der Gitarre spielt, wird man vom Fluss der Musik und der Wiedergabequalität mitgerissen. Die Gitarre klingt, als ob O´Neill direkt vor einem sitzen würde und die Seiten anreißt. Man hört das Piano klar und deutlich, nimmt wahr, dass die Tasten für die hohen Töne rechts und die der tiefen Töne links angeschlagen werden. Schlagzeug und Congas sind hinter den Leadinstrumenten positioniert, das Schlagzeug etwas links von der Mitte, die Congas rechts. Dies alles dermaßen plastisch darstellen zu können, verlangt eine sehr gute Wiedergabekette, an deren Spitze das Tonabnehmersystem steht. Das Carbon macht hier seine Arbeit so gut, dass sich Hersteller deutlich teurerer Systeme eine kräftige Scheibe abschneiden können.

Das Carbon wird mit langen Schrauben, die durch den gesamten Holzkorpus gehen, und passenden Muttern befestigt. Ein nicht magnetischer Schraubendreher gehört auch zu Lieferumfang
Das Carbon wird mit langen Schrauben, die durch den gesamten Holzkorpus gehen, und passenden Muttern befestigt. Ein nicht magnetischer Schraubendreher gehört auch zu Lieferumfang


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