tests/24-01-30_vtl
 

VTL TL-6,5 Serie II Signature

30.01.2024 // Klaus Schrätz

Doch die rührigen Chefs von VTL waren auch noch anderweitig aktiv. So wurde ein Plattenlabel ins Leben gerufen, das vorrangig die Aufgabe hatte, die Qualität unter Beweis zu stellen, die mit den Manley-Produkten für die Aufnahme und den VTL-Produkten für die Wiedergabe von Musik möglich war. Einige dieser Schallplatten befinden sich glücklicherweise in meinem Besitz Die Alben sind grundsätzlich „live“ eingespielt und komplett analog unter ausschließlicher Verwendung von Röhrenmikrofonen auf einem 2-Spur-Studer C37 Tonbandgerät aufgenommen. Dies verspricht eine hohe Dynamik und eine Räumlichkeit, die ihresgleichen sucht. Übrigens verrichtet in meiner Kette ein VTL TL 2.5 Vorverstärker seit mehr als 20 Jahren seine Dienste. Abgesehen von einem gelegentlichen Röhrentausch spielt er munter wie am ersten Tag. Nun also durfte ich den VTL TL 6,5 Serie II testen. Als der DHL-Mitarbeiter mir das Paket übergab, sagte er: Vorsicht, ist schwer. Recht hatte er, so wiegt das voluminöse Paket satte 25 Kilogramm, der ausgepackte Vorverstärker bringt noch gut 20 Kilogramm auf die Waage. Das hohe Gewicht ist einerseits bedingt durch das sauber verarbeitete ausladende Gehäuse aus überwiegend silberfarben eloxierten Aluminium mit Stahlskelett und andererseits durch den ziemlich komplexen inneren Aufbau, was nicht zuletzt an der Vielzahl von Relais liegt und den hochwertigen Komponenten, die sie verwalten. Der Vorverstärker ist in zwei Farbvarianten erwerbbar, so wie hier abgebildet silberfarben mit schwarzem unteren Teil des Gehäuses und mit komplett schwarzem Gehäuse. Die VTL TL 6,5 Serie II ist eine deutlich aktualisierte Version des TL 6.5 Signature. Das Ziel des Unternehmens für die Series II Edition bestand darin, einen Großteil der fortschrittlichen Technologie des Flaggschiff-Vorverstärkers TL 7.5 Series III – eines Hybridmodells mit zwei Chassis – eines für die separate Stromversorgung – in einem einzigen Chassis zu integrieren.

Der VTL TL 6.5 II besitzt 8 Eingänge, die ersten 3 von links sind umschaltbar von symmetrisch auf unsymmetrisch
Der VTL TL 6.5 II besitzt 8 Eingänge, die ersten 3 von links sind umschaltbar von symmetrisch auf unsymmetrisch

Die neue Version verfügt unter anderem über ein umfassend überarbeitetes Netzteil, das auf der Shunt-Regler-Technologie basiert, die die Auswirkungen auf das Audiosignal minimieren soll. Während übliche Analog-Netzteile immer nur so viel Strom liefern, wie der Verbraucher gerade zieht, fließt hier ständig der maximal mögliche Strom, der von einem Lastwiderstand „verbraucht“ wird. Zieht der Verbraucher Strom, so teilt sich dieser mit dem Lastwiderstand auf, da durch die Konstantstromquelle immer der gleiche Strom fließt. Dieses Schaltungs-Prinzip ist vergleichbar mit einem Auto, das mit Vollgas gefahren und die Geschwindigkeit nur mit der Bremse geregelt wird. Folglich werden durch diese „Energievergeudung“ die Kühlelemente des Netzteils recht heiß, wobei die Temperatur sinkt, je mehr Strom der Verbraucher zieht. Dafür nimmt VTL eine Verlustleistung von beständig drei bis zwölf Watt pro Kanal in Kauf. Als Belohnung soll es eine Spannungsversorgung in Akku-Qualität geben, was Störungsfreiheit und audiophiles Verhalten betrifft. Durch geschickten Einsatz entsprechender integrierter Schaltkreise und Transistoren soll diese perfektionierte Schaltung frei von jeglicher Schwing- und Rauschneigung sein. Auch ist keine einzige Kompensations-Maßnahme gegen Schwingneigung erforderlich. Das ermöglicht einen puristischen Bauteile-Einsatz, was sich entsprechend auf die Lebendigkeit der Musikwiedergabe auswirken soll. Auch Netzstörungen werden wirkungsvoll unterdrückt, da eine Stromquelle für Wechselstrom jeder Art einen nahezu unendlich hohen Widerstand darstellt. Aus dem gleichen Grund werden auch so gut wie keine Rückwärts-Störungen ins Netz verursacht, da der konstante Stromfluss – von den üblichen Stromspitzen über den Gleichrichtern abgesehen – keine weiteren impulsartigen Strom-Änderungen zulässt. Am Ausgang sollen kaum messbare Brumm- oder Rauschspannungen oder andere Störanteile vorhanden sein.

Alle Funktionen des Vorverstärkers lassen sich auch über die hochwertige Fernbedienung steuern. Sie besitzt ein massives Aluminiumgehäuse
Alle Funktionen des Vorverstärkers lassen sich auch über die hochwertige Fernbedienung steuern. Sie besitzt ein massives Aluminiumgehäuse

Von der Spannungs- zur Lautstärkeregelung: Die hochauflösende Lautstärkeregelung mit hoher Überlastfähigkeit besteht aus einem Array, also einer Widerstands-Relais-Lautstärkeregelung. Die hier genutzten Widerstände, wie auch die in der gesamten Architektur verwendeten, bestehen aus präzisen, lasergeschnittenen Metallschichtwiderständen mit niedriger Induktivität. Der Pegel wird durch Auswahl von Kombinationen aus einem Array dieser Widerstände festgelegt. Diese Schaltung bietet auch bei niedrigeren Lautstärken die volle Auflösung und einen nahe unbegrenzten Headroom. Die Steuerung variiert den Pegel des Audiosignals in 95 Schritten zu je 0,7 dB, bei jeder Einstellung soll nur ein Relais im Signalweg liegen. Der jeweilige Pegel wird in blauen Ziffern auf dem Display auf der rechten Gehäusevorderseite angezeigt. Die Vorverstärkerschaltung selbst ist vollständig symmetrisch in einem spiegelbildlichen Links-/Rechts-Layout aufgebaut. Sie erzeugt auch aus den an den unymmetrischen Eingängen anliegenden Signalen ein symmetrisches Signal und besitzt eine Polaritätsumkehrfunktion, die sowohl über die Frontplatte als auch über die Fernbedienung aktiviert werden kann. Bei Aufnahmen mit invertierter Phase kann die eine spürbar klangliche Verbesserung bewirken.


  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026
  • Dan Clark Audio Aeon Core

    Anfang letzten Jahres stellte ich den Dan Clark Audio Noire X vor, dessen Klangsignatur der meines absoluten Favoriten, dem Stealth, sehr nahe kommt – und das zu einem Viertel des Preises des Dan Clark Audio-Topmodells. Jetzt charakterisiert der kalifornische Kopfhörerspezialist den Aeon Core sehr ähnlich: „Flagship Performance. Breakthrough Price.“ Dazu, wie sich die Hierarchie zwischen Stealth, Noire X und Aeon Core darstellt, möchte ich später kommen, denn bei seiner Arbeit für den Aeon Core ging…
    14.08.2026
  • Oladra Presence

    Die Server und Streamer von Antipodes Audio sind kostspielig. Das ist nicht neu. Sie bieten für's Geld eine hervorragende Klangqualität. Das begann seinerzeit für mich mit dem EX, ging über die S-Serie zum K50 und schließlich sogar bis zum Oladra G4. Jetzt steht der brandneue Oladra Presence bei mir zum Test. Der Oladra Presence kostet enorme 58.000 Euro. Das ist für mich eigentlich Grund genug, mich nicht mit ihm zu befassen. Aber mein Interesse und…
    11.08.2026
  • MSB Technology Cascade DAC – aktuelle Version

    Die Bilder könnten zwar den Anschein erwecken, aber ich recycele hier nicht den Cascade-Test von vor zwei Jahren – auch wenn das bei den Temperaturen im Hörraum ein verlockender Gedanke wäre. Der aktuelle MSB-Wandler unterscheidet sich rein äußerlich nicht von dem, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe, in Sachen Technik und Klang aber sehr wohl. Ich habe Jürgen Sachweh, den Inhaber des deutschen MSB-Vertriebs gefragt, was mein damaliges Testmodell von der neuen Version unterscheidet, und…
    04.08.2026
  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026
  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.