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Aavik C-880 und P-880 – Teil 2

23.02.2024 // Dirk Sommer

Im Bericht über Aaviks C-880 und P-880 ging es um die Geräte und ihre Menüs, vor allen aber um die enormen klanglichen Leistungen des Verstärker-Duos. Die technischen Besonderheiten seiner Entwicklung erläutert Michael Børresen nämlich im folgenden Interview. Ein Geheimdienst, Kirchen, ein Spitzbube und nukleares Material werden ebenfalls zum Thema.

Dirk Sommer: Warum baut Aavik keine symmetrischen Verstärker?
Michael Børresen: Ich denke, es ist ganz natürlich, dass Du diese Frage stellst, weil Du Dich in gewisser Weise in einer professionellen Welt bewegst. In der professionellen Welt gibt es keinen Zweifel daran, dass Symmetrie eine sehr gute Sache ist, weil man oft Kabel in unmittelbarer Nähe hat. Man will also nicht, dass Störungen von einem Kabel auf das andere übertragen werden. Das gilt natürlich für die professionelle Welt, wo man das wirklich braucht. Aber in einer HiFi-Umgebung möchte man die besten Schaltungen schaffen, und wenn man die besten Schaltungen schaffen will, sind sie immer so einfach wie möglich. Und symmetrische Schaltungen erfordern wirklich den doppelten Aufwand. Das heißt, wenn man einen Lautstärkeregler bauen will, ist es sehr schwierig, ihn symmetrisch zu machen. Es ist viel einfacher, eine Schaltung mit geringem Rauschen und guter Leistung zu bauen, wenn man dafür nur eine Verstärkerstufe verwenden kann und nicht zwei. Ein symmetrisches Signal lässt sich nur schwer verstärken und in der Lautstärke reduzieren, ohne einen Lautstärkeregler zu verwenden, der vor allem die Signale mit niedrigem Pegel beeinträchtigt. Die Topologie, die wir haben, ist also auf Single-Ended-Eingänge ausgelegt. Unsere Schaltungen im Verstärker sind Single Ended, um die maximale Leistung zu erreichen. Das bedeutet, dass wir, wenn wir symmetrische Kabel verwenden wollen, im Wesentlichen symmetrische Signale in unsymmetrische und unsymmetrische in symmetrische umwandeln müssen, wodurch mehr Schaltkreise in den Signalweg gelangen, was die Qualität beeinträchtigt. So etwas wie ein kostenloses Mittagessen gibt es nicht.
DS: Was würdest Du für das symmetrische Signal von einer Tonbandmaschine empfehlen?
MB: Ein Signal von einer Tonbandmaschine ist ein bisschen so wie das von einem Tonabnehmer. Im Grunde ist es ein erdfreies Signal. Das heißt, wenn es schwebend ist, kann man eine Seite ohne Probleme mit der Masse verbinden. Man kann also einen einfachen Symmetrisch-zu-Single-EndeD-Adapter verwenden, indem man eines der Signale mit der Masse verbinden. Und hier brummt die Masse in keiner Weise. Damit erhält man also ein gutes Ergebnis.

Der Blick in die Vorstufe: unten das Resonant-Mode-Netzteil, oben die Platinen zur Signalverarbeitung und jede Menge aktiver Tesla-Spulen
Der Blick in die Vorstufe: unten das Resonant-Mode-Netzteil, oben die Platinen zur Signalverarbeitung und jede Menge aktiver Tesla-Spulen

DS: Die einzige symmetrische Schaltung, die Du verwendest, ist also die der 580er Phonostufe.
MB: Das ist sie, weil ein Tonabnehmer im Grunde eine symmetrische Quelle mit einer separaten Masse ist. Und die Schaltung, die wir dort gemacht haben, ist eine erdfreie symmetrische Schaltung. Es ist also keine Masse vorhanden. Aber wir haben das symmetrische Signal weiter hinten in der Kette einseitig geerdet, damit es Single Ended weitergeht. Wenn man Transistoren mit dem geringsten Rauschen verwenden will, dann sind das bipolare Transistoren vom industriellen Typ mit einem großen Gehäuse. Wir haben hier Transistoren, die das gleiche Rauschen erzeugen wie ein Zwei-Ohm-Widerstand. Sie haben also ein sehr, sehr geringes Rauschen. Aber wenn man sie verwenden will, muss man eine symmetrische Schaltung mit einem hoch selektierten Paar aufbauen. Wenn man das nicht tut, treten Basisströme auf, und dann muss man einen Kondensator zur deren Entkopplung einsetzen, was zu einem erheblichen Qualitätsverlust führt. Der natürliche Weg, eine Phonostufe mit einem Bipolar zu bauen, besteht also darin, eine erdfreie Symmetrie zu schaffen und dann einen Servo einzusetzen, um den Basisstrom auszugleichen. Die Spannung an der Basis ist dann genau dieselbe. Sie ist nicht Null, sie liegt nicht auf Masse, aber ist sind genau gleich. Es fließen also keine Ströme durch die Wicklung des Tonabnehmers. Um also etwas wirklich Rauscharmes zu machen, ist die beste Schaltung eine erdfreie symmetrische Schaltung. Das ist der Grund, warum ich sie dort verwende.
DS: Ich habe mich gefragt, warum man das von außen nicht sehen kann, warum ihr Cinch-Stecker verwendet.
MB: Wir schreiben es ja in unser Handbuch. Weißt du, die Pins am Tonabnehmer sind potentialfrei und du hast eine Masse. Es gehen also immer fünf Drähte zur Phonostufe. Einer davon ist eine Abschirmung. Der Anschluss kann also Cinch sein, aber auch XLR. Aber das Problem ist, wenn man XLRs einsetzt, was macht man dann mit der Masse? Wenn man die auf einen oder zwei Stecker aufteilen will, wie soll man das verbinden? Die Signale sind nur zwei. Deshalb verwenden wir dort Cinch-Buchsen .

DS: Du hast bereits die Lautstärkeregelung des Vorverstärkers erwähnt. Wie hast Du die konstruiert?
MB: Wir arbeiten da mit diskreten Operations-Verstärker. Einen davon betreiben wir invertiert. So können wir die Rückkopplung nutzen, um eine Verstärkung unter Null zu erreichen. Wenn man also die Lautstärke verringert, erhöht sich die Rückkopplung. Und dadurch erhöhen wir die Klangqualität der Verstärkerstufe, weil sie eine höhere Rückkopplung hat, aber wir senken das Rauschen mit dem Signal. Wir behalten also das gleiche Signal-Rausch-Verhältnis bei. Bei herkömmlichen Lautstärkereglern auf Relais- oder MOS-Schalterbasis besteht das Problem, dass sich das Rauschen erhöht, wenn man die Lautstärke verringert. Wir vermeiden dieses Problem. Um die Widerstände in der Rückkopplungskette einzustellen, verwenden wir einen 12-Bit-DAC, der per Laser getrimmt wird. So wissen wir, dass die Widerstände, die wir im Rückkopplungsnetzwerk einsetzen, genau gleich sind. Wenn sie in einer Position offen sind, schalten sie nicht. Es ist eine sehr, sehr gute Lautstärkeregelung. Aber wir haben verschiedene Typen verwendet. Wir haben auch Lautstärkeregler mit Fotowiderständen (LDRs, Light Depended Resistors) gebaut. Und die sind auch sehr gut. Aber sie haben das Problem, dass sich LDRs mit der Zeit verändern, was bedeutet, dass man die Kalibrierung verliert. Wenn man also einen LDR-Lautstärkeregler hat, muss man jedes Mal, wenn man den Verstärker einschaltet, eine Kalibrierungsroutine ausführen, um die Lautstärke der beiden Kanäle anzupassen. Andernfalls wir man in eine Situation geraten, in der sich ein Kanal vom anderen unterscheidet. Wir haben dies durch den Lautstärkeregler in der Vorverstärkerstufe vermieden, die invertiert läuft. Danach haben wir einen Buffer, der das Signal wieder in einen nicht invertierten Zustand versetzt. Es gibt also im Wesentlichen eine Verstärkungsstufe im Vorverstärker, die gleichzeitig der Lautstärkeregler ist.


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