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MK Analogue MM-PH-AMP und SUT-1L

08.10.2024 // Dirk Sommer

Wenn man einen linearen Phasengang im Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz realisieren möchte, braucht man einen linearen Frequenzgang von fünf Oktaven oberhalb von 20 Kilohertz, also bis 640 Kilohertz. Der MM-PH-AMP arbeitet daher je nach eingestellter Verstärkung linear bis 800 Kilo- oder 1 Megahertz. Da das Gleiche natürlich auch für Frequenzen unterhalb von 20 Hertz gilt, verzichtet Matej Kelc auf ein Subsonic-Filter und lässt den Phonoentzerrer linear bis zu einer Grenzfrequenz von 3,2 Hertz arbeiten. Ganz ähnlich argumentiert übrigens auch der darTZeel-Entwickler Hervé Delétraz im ersten Teil des Interviews, das ich im Juli mit ihm führte.

Beim MM-PH-AMP erreicht Matej Kelc den gewünschten linearen Phasengang, indem er vor und hinter der passiven Entzerrung OP-Amps einsetzt, die lediglich eine Verstärkung um 30 Dezibel bewerkstelligen müssen und daher sehr breitbandig arbeiten können. Bei der Phonostufe von MK Analogue hat man die Wahl zwischen einer Verstärkung um 40, 43 oder 46 Dezibel. Darüber hinaus bietet sie neben den üblichen 47 Kiloohm auch noch die Abschlussimpedanzen 33, 68 und 100 Kiloohm und vier verschiedene Abschlusskapazitäten zwischen 50 und 470 Picofarad. Für den Betrieb mit dem SUT-1L werden 150 oder 250 Picofarad und die größtmögliche Verstärkung empfohlen.

Da nach meiner Erfahrung jedes Ortofon SPU besser klingt, wenn seine Signale vom Ortofon SPU-T100 mit seinen Wicklungen aus Silber am MM-Eingang einer Phonostufe statt über einen Entzerrervorverstärker mit MC-Eingang weiterverarbeitet werden, habe ich mein SPU Century im Ortofon AS-309R montiert und damit die MK-Analogue-Kombination eingespielt. Auf Anraten Markus Wierls hatte ich die beiden Cinch-Buchsen am SUT-1L mit Cinch-Steckern mit gelbem Ring bestückt, um die für das Century optimale Abschlussimpedanz einzustellen. Zwischen Tonarm und Übertrager und zwischen diesem und dem MM-PH-AMP verwende ich Kabel von MK Analogue, die mit Preisen unter 250 Euro für 90 Zentimeter Länge wirklich erschwinglich sind. Zuvor hatte ich ein wenig in einem Fach des Plattenregals gestöbert, in dem vor Jahren erworbene und bisher nicht LPs vor sich hindämmern. Dort habe ich unter anderem Wild Percussion And Horns A'Plenty (Living Stereo LSP-2289) von Dick Schorys New Percussion Ensemble gefunden, dann gewaschen und kurz darauf aufgelegt.

An der MM-Phonostufe lässt sich nicht nur die Lastkapazität für den Tonabnehmer und die Verstärkung einstellen, sondern auch die Eingangsimpedanz
An der MM-Phonostufe lässt sich nicht nur die Lastkapazität für den Tonabnehmer und die Verstärkung einstellen, sondern auch die Eingangsimpedanz

Das Album wurde ebenso wie zuvor Bang, Barroom And Harp in der Orchestra Hall in Chicago aufgenommen und zeichnet sich durch eine beeindruckende Raumdarstellung aus – zumindest, wenn der SPU-T100 am MK Analogue MM-PH-AMP die Signalaufbereitung übernimmt. Die Fülle der Instrumente und das witzige Arragement von „Stumbling“ machen einfach jede Menge Spaß. Die Bläsersätze und die Pauken aus der Tiefe des Raumes kommen mit Druck: Da ist es schlicht unmöglich, still und unbeteiligt im Hörsessel zu verharren. Das ist, wie zu erwarten, beim SUT-1L auch nicht anders. Der Titel spricht einen emotional genauso intensiv an. Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte, ist, dass nun neben dem mindestens ebenso packenden Groove auch wieder einige Hifi-Aspekte in den Fokus rücken: Man kommt beim besten Willen nicht umhin zu registrieren, dass der Aufnahmeraum plötzlich in allen Dimensionen gewachsen zu sein scheint und die Vielzahl der Akteure ein Stückchen weiter voneinander entfernt ist und von mehr Luft umgeben wird. Über den SUT-1L gefallen mir auch die folgenden Stücke einfach besser als über den SPU-T100. Nun gut, es könnte von Vorteil sein, dass die beiden MK Analogues und die günstigen Kabel aus gleichem Haus schlicht besser miteinander harmonieren. Aber für den Ortofon-Silber-Übertrager hatte ich ebenfalls ein passendes Umfeld geschaffen: Er ist per Ortofon TSW-5000Silver mit dem Tonarm und per AC-5000-Silver mit der MM-Phonostufe verbunden. Trotzdem klingt's über den SUT-1L besser!

Aber natürlich bekommt der SPU-T100 noch eine Chance: Auf dem Teller des LaGrange liegen die Bilder einer Ausstellung in der Interpretation des Chicago Symphony Orchestras unter Carlo Maria Giulini. „Die Hütte der Baba Jaga“ und „Das Große Tor von Kiew“ klingen über den Silber-Übertrager gewohnt dynamisch und luftig. Nach dem Wechsel auf den SUT-1L wirkt aber nicht nur Aufnahmeraum ein wenig größer und die Musiker einen Tick engagierter. Trotz eines Hauchs mehr Dynamik und Offenheit findet sich beim MK Analogue anders als beim Ortofon nicht mal ein Anklang von Rauigkeit oder Schärfe. Der SUT-1L verwöhnt mit einem geschmeidigeren musikalischen Fluss und einer stimmigeren Tonalität. Sehr beeindruckend!


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