tests/24-11-15_silversmith
 

Silversmith Audio Fidelium

15.11.2024 // Wolfgang Kemper

Im kommenden Januar wird Silversmith Audio 25 Jahre alt. Wer ist dieser bei uns recht unbekannte amerikanische Hersteller und was fertigt man dort? Es handelt sich um Lautsprecherkabel ganz besonderer Art, nämlich sehr flach und sehr breit.

Bei Flachkabeln denke ich bislang zuerst an die hochwertigen Produkte von Nordost, ebenfalls aus den USA kommend. Die konstruktiven Unterschiede zu den Kabeln von Silversmith Audio sind jedoch fundamental, denn diese bestehen aus einem einzigen Leiter pro Kabel und unterscheiden sich auch anderweitig erheblich. Silversmith Audio ist das Unternehmen von Jeffrey Smith, der neben seiner Laufbahn beim US-Militär eine beachtliche Karriere als Wissenschaftler vorzuweisen hat. Sein audiophiles Interesse ließ ihn an einem Lautsprecherkabel arbeiten, dass er nach Kriterien entwickelte, die von denen bekannter etablierter Marken abweichen. Seine als Wissenschaftler erworbenen Kenntnisse führten zu grundlegend neuartigen Denkansätzen. Es entstand ein erstes Ergebnis, die Silver-Line Kabel, flach und aus Silber. Diese erfuhren in Fachkreisen Aufmerksamkeit und Anerkennung, weil sie im Vergleich zu diversen deutlich teureren Mitbewerbern musikalisch überzeugten. Nach weiterer Forschung hinsichtlich des Leitermaterials stellte Jeffrey Smith fest, dass sowohl Kupfer als auch Silber als Leiter für Audioverbindungen bei identischer Drahtgröße mehr Zeitfehler generieren als jedes nichtmagnetische Metall. Auf der Suche nach einem geeigneten Leitermaterial kam er zu Palladium. Palladium ermöglichte gegenüber der Silver-Line eine deutliche Verbesserung. Er spricht von einer 25-fachen Steigerung bei Berücksichtigung aller Parameter. Diese Palladium-Legierung brachte er anno 2002 auf den Markt. Es war die erste Lautsprecherkabel-Legierung überhaupt mit diesem Platin-Metall und daraus resultierend enorm kostspielig. Der Aufbau des Kabels entsprach ansonsten dem des Silver-Line. Unter gut betuchten Audiophilen, die bereit waren, knapp 20.000 Dollar für zwei mal drei Meter zu bezahlen, genoss das Palladium Referenz-Status. 2020 brachte Jeffrey Smith nun das Fidelium an den Markt und überraschte mit einem Preis, der nur bei etwa einem Zehntel des Palladium liegt und, das ist der eigentliche Clou, besser klingen soll als der kostspielige Vorläufer. Diese Erfahrung machte auch Davide Dellacasa aus dem norditalienischen Pinerolo und bietet nun als Silversmith Audio Europe mit seiner Firma Hifi4music das Fidelium dem europäischen Markt für einen Paarpreis von 1900 Euro bei drei Metern Länge. Dies entspricht dem amerikanischen Preis zuzüglich der Mehrwertsteuer, scheint also fair kalkuliert.

Der extrem flache und sehr breite Leiter erfordert ein wenig mehr Sorgfalt im Umgang als andere Kabel
Der extrem flache und sehr breite Leiter erfordert ein wenig mehr Sorgfalt im Umgang als andere Kabel

Eine solche Produktentwicklung ist sehr ungewöhnlich, wenn nicht einmalig. Bei einer Preisreduktion auf ein Zehntel eine musikalische Verbesserung zu erhalten, ist absolut nicht branchentypisch. Nun ist Jeffrey Smith kein Zauberer, sondern ein Wissenschaftler, der sich in der Physik eben auch mit Metallurgie beschäftigt. Das Fidelium besteht aus einer weit weniger kostspieligen nicht magnetischen Legierung als das Palladium. Diese zu finden ist der entscheidende und wesentliche Teil der Neuentwicklung Fidelium. Jeffrey Smith folgt bei allen drei nacheinander entstandenen Lautsprecherkabeln den gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Wenn Sie diese im Detail erfahren möchten, bitte ich um einen Blick auf die amerikanische Website. Dort finden Sie reichlich Formeln und Grundsätze. Tragender Gedanke ist der Skin-Effekt bei elektrischen Leitern. Die Energie, so sagt Jeffrey Smith, wird in Form einer elektromagnetischen Welle übertragen. Diese durchdringt das Metall des Leiters und generiert damit ein zeitverzögertes Fehlersignal. Je dicker ein Leiter ist, desto mehr Zeit benötigt die elektromagnetische Energie, um das Metall zu durchdringen. Je dünner ein Leiter ist, desto geringer ist demnach diese Zeitverzögerung. Viele Hersteller bauen ihre Kabel mit vielen Einzelleitern mit kleinem Durchmesser auf, um diesen Skin-Effekt zu minimieren. In der Palladium- und Fidelium-Konstruktion werden nicht nur extrem dünne Bänder verwendet, um die durch das Eindringen der elektromagnetischen Welle in den Leiter verursachten Zeitfehler zu verringern. Darüber hinaus erhöhen auch die Legierungen dieser Kabel die Durchdringungs-Geschwindigkeit um ein Vielfaches und optimieren das Zeitverhalten zusätzlich. Dies bedeutet, so kann man auf der Website nachlesen, dass frequenzabhängige Dämpfung und Phasenverzerrungen mit der Legierung des Fidelium fünfeinhalb Mal besser sind, als sie es mit Kupfer oder auch Silber wären. Um den Widerstand des Kabels niedrig zu halten, ist eine bestimmte Größe des Leiters wichtig. Daraus resultiert beim Fidelium dessen Breite. Der Zeitfehler ist laut Jeffrey Smith verantwortlich für unsaubere, dröhnende, aufgeblähte Bässe und übertriebene, raue Hochtonwiedergabe. Er verschulde Dynamikeinbußen, Fehler in der räumlichen Darstellung und einen Mangel an Transparenz und Details in der Musikwiedergabe.

Auch an den Enden bleibt das Silversmith Audio Fidelium ungewöhnlich breit, lässt sich aber dennoch sehr viel leichter anschließen als man es aufgrund der Optik vermuten mag
Auch an den Enden bleibt das Silversmith Audio Fidelium ungewöhnlich breit, lässt sich aber dennoch sehr viel leichter anschließen als man es aufgrund der Optik vermuten mag


  • KLH Audio Model Four

    Endlich steht mal etwas ganz anderes in meinem Hörraum. Der Lautsprecher des traditionsreichen amerikanischen Herstellers KLH entspricht einem Design von vor mehr als 50 Jahren, wie man es auch heutzutage bei Edelmarken wie Harbeth oder Audio Note findet. Bislang hatte ich nicht das Vergnügen, einen solchen Lautsprecher im Hörraum zu erleben. Neben dem Design mit breiter Schallwand und geringer Bautiefe macht der Paarpreis von knapp 2000 Euro die KLH Model Four hochgradig interessant. Auf zum…
    19.10.2026
  • darTZeel Audio CTH-8550 Mk II

    darTZeel ist ein Schweizer Unternehmen, das 2001 in Genf von Hervé Delétraz gegründet wurde. Der Name ist ein Anagramm des Nachnamens Delétraz. Die Arbeit an den ersten Geräten begann bereits 1984 im Rahmen einer Diplomarbeit, und nach 18 Jahren Forschung wurde 2002 der Leistungsverstärker NHB-108 offiziell vorgestellt. Es gibt Marken, auf die man viele Jahre warten muss, aber man wartet trotzdem weiter. So war es für mich bei der Marke darTZeel. Zufällig traf ich ihren…
    13.10.2026
  • IsoAcoustics GAIA Neo I

    Erinnern Sie sich noch? Es ist bereits eine ganze Weile her, da haben Hifi-Fans ihre Lautsprecher auf Tennisbälle gestellt, um einen besseren Klang aus ihnen herauszukitzeln. Oder sie haben abenteuerliche Selfmade-Konstruktionen gebastelt, auf denen die vielleicht nicht ganz highendigen Schallwandler platziert wurden. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat sich in Sachen Lautsprecher-Füße einiges getan. Es gibt eine große Zahl an Herstellern, die Basen, Spikes oder Ständer mit unterschiedlichen Konzepten und Materialien produzieren,…
    09.10.2026
  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026