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Ortofon SPU GTX E

18.02.2025 // Dirk Sommer

Die ersten Bilder der Prototypen der beiden SPUs mit integriertem Übertrager und sphärischer respektive elliptischer Nadel waren an dieser Stelle nach der High End 2023 zu sehen. Doch die akustischen Eigenschaften der ersten Gehäuse kollidierten mit Ortofons Perfektionismus. Nun hat eine stark überarbeitete Version Serienreife erlangt.

Auch wenn ich glücklicher Besitzer des ein oder anderen SPUs bin, bin ich kein so beinharter und traditionell orientierter Fan dieser Analog-Legenden, dass es für mich gleich ein sphärischer Nadelschliff sein muss, weswegen ich die Variante mit elliptischen Diamanten für diesen Test gewählt habe. Bei den beiden SPUs mit integriertem Übertrager, der den Anschluss an einen Verstärker oder eine Phonostufe mit MM-Eingang ermöglicht, verwendet Ortofon ebenso wie bei den Einsteigermodellen SPU #1 S und E einen sogenannten „tipped“ Diamanten, also lediglich eine Diamantspitze, die auf einem Metallschaft am Nadelträger montiert ist. Wie die Tonabnehmerspezialisten auf ihrer Website selbst schreiben, kann ein solcher Schaft die Masse der Nadelspitze erhöhen und somit die Transientenwiedergabe des Tonabnehmers im Vergleich zu einem Tonabnehmer mit einem nackten Diamanten beeinträchtigen. Dieses Konstruktionsmerkmal gibt auch einen Hinweis darauf, an welchem Ende der Preisskala für SPUs das GTX E zu verorten ist: am unteren. Der Generator entspricht dem, der auch im #1 S und E Verwendung findet, die mit 700 respektive 800 Euro die erschwinglichsten Varianten des Klassikers darstellen. Für den zusätzlichen Übertrager berechnet Ortofon jeweils 400 Euro. Anders als die beiden Einser, deren Gehäuse aus einem Verbundwerkstoff aus Holzpartikeln und Harz gefertigt wird, besitzen die GTX-Modelle einen Korpus aus Kunststoff, der noch nie zuvor für einen Ortofon-Tonabnehmer verwendet wurde.

Das Gehäuse des SPU GTX besteht aus einem glasfaserverstärkten Co-Polymer
Das Gehäuse des SPU GTX besteht aus einem glasfaserverstärkten Co-Polymer

Dass man für das Unibody-Gehäuse nicht auf bereits bewährte Materialien zurückgriff, liegt am zusätzlichen Gewicht der Übertrager in den GTX-Typen: Sie sollten trotzdem nicht allzu viel schwerer sein als die bisherigen SPUs – unter anderem auch, um problemlos in Ortofons klanglich wie fertigungstechnisch rundum überzeugenden Tonarm, dem AS-309R, montiert und ausbalanciert werden zu können. Nach der Produktion einer kleineren Serie der leichten Kunststoffgehäuse stellte das Team um Leif Johannsen, Ortofons Chief Officer Acoustics and Research, jedoch fest, dass es einige unerwünschte Resonanzen und nicht genügend Rigidität aufwies, um den gewünschten SPU-typischen Sound zu reproduzieren. Daraufhin beschloss man, lieber das ein oder andere Gramm zusätzliches Gewicht in Kauf zu nehmen und das Unibody-Gehäuse, das in einem Stück geformt wird, aus einem speziellen glasfaserverstärkten Co-Polymer zu fertigen, so dass das bewährte Generatorsystem nun in einem formstabileren, steiferen und resonanzärmeren Gehäuse arbeiten kann. Die Ausgangsspannung nach dem Übertrager liegt bei einer Schnelle von fünf Zentimetern pro Sekunde bei vier Millivolt und ist damit völlig ausreichend für übliche Moving-Magnet-Phonoeingänge.

Das GTX E mit seinen nun 38 Gramm lässt sich im Ortofon-AS-309R-Tonarm problemlos ausbalancieren. Ich halte mich natürlich an die empfohlene Auflagekraft von vier Gramm. Die Verstärkung übernimmt der MK Analogue MM-PH-AMP, den mir Audio-Freak freundlicherweise noch einmal zur Verfügung stellte und mit dem auch die Aufnahmen für die Klangbibliothek gemacht wurden. An der Phonostufe waren der von Ortofon vorgeschlagene Abschlusswiderstand von 47 Kiloohm und eine Lastimpedanz von 150 Picofarad eingestellt, der niedrigste Wert der vom Hersteller angegebenen Spanne, die bis 600 Picofarad reicht. Im Stapel mit nur einmal gehörten und deshalb noch nicht ins Regal geräumten Scheiben entdecke ich Dean Peers Airborne: Dass ich sie nicht öfter gespielt habe, liegt keinesfalls an der Musik oder der Besetzung – der E-Bassist wird hier nur vom Schlagzeuger Bret Mann begleitet –, sondern allein daran, dass ich ein Exemplar mit so ganz und gar nicht perfekter Oberfläche erwischt habe und die Nebengeräusche beim Abspielen mit einem sehr hochauflösenden Tonabnehmer den Genuss doch recht stark schmälerten. Nicht so beim SPU GXT E: Hier stehen Spielfreude und Wärme bei den teils elektronisch verfremdeten tiefen Tönen und den Drums im Vordergrund. So macht die nicht unbedingt audiophile Scheibe einfach Spaß. Wie zu erwarten, lässt auch das günstige SPU in Sachen Timing, Rhythmik und Druck nicht das Geringste anbrennen. Spätestens nach dem zweiten Stück sitze ich nicht mehr unbeteiligt und unbewegt im Hörsessel.

Der Boden ist aus demselben Material gefertigt wie das übrige Gehäuse
Der Boden ist aus demselben Material gefertigt wie das übrige Gehäuse


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