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Wilson Audio – Watt/Puppy

06.05.2025 // Thomas Heinemann

Zurück in die Zukunft. Mit dem 50-jährigen Jubiläum von Wilson Audio kehrt einer der legendärsten Lautsprecher der Welt zurück: die Watt/Puppy. Doch wer hier ein Retro-Modell erwartet, liegt falsch. Sie greift das Zwei-Kammer-Prinzip ihrer Urahnen auf, ist aber in Hinblick Materialwahl, Fertigung und klanglichem Können in der Gegenwart angekommen.

Da steht sie nun in meinem Hörraum, die Watt/Puppy. Für eine Box dieser Klasse kommt sie mit gerade mal 30 Zentimetern Breite und einer Höhe von 111 Zentimetern inklusive Spike-System recht schlank und wohltuend wohnraumfreundlich daher. Hinzu kommt die feine, in vielen Farben erhältliche Lack-Oberfläche und eine perfekte Verarbeitung, wohin auch das noch so kritische Auge blickt. Kurz gesagt, allesamt Tugenden, die auch ich mir für einen Lautsprecher dieser Klasse und einem Preis von 50.000 Euro wünsche. Natürlich standen auch für mich gleich zu Beginn mehrere Fragen im Raum: Was unterscheidet die Watt/Puppy von ihren Vorgängern, welche Gemeinsamkeiten gibt es und welche Motivation gab es überhaupt für die Neuinterpretation eines Klassikers? Um auf diese Fragen Antworten zu geben, ist es nach 50 Jahren Unternehmensgeschichte durchaus nahliegend, mal einen Blick zurückzuwerfen. Alle Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte verbindet der Anspruch, den Hörer nahe an die Wahrheit zu bringen. Die technische Expertise und ein fundiertes Fachwissen spielen dabei zweifellos eine wichtige Rolle. Doch genauer hingesehen, sind es doch vor allem die Menschen, die ein Unternehmen prägen – durch ihre individuellen Erfahrungen, ihre fachlichen Kompetenzen und ihr kontinuierliches Engagement. Betrachten wir im Speziellen die Watt/Puppy, dann repräsentiert gerade dieser Lautsprecher die Geschichte des Unternehmens, und ebenso die Passion und damit die DNA von Wilson Audio wie wohl kaum ein anderer Lautsprecher. Und damit sind wir beim Unternehmensgründer David. A. Wilson angekommen.

Die Watt/Puppy ist in vielen Farben erhältlich. Sonderfarben kosten allerdings extra
Die Watt/Puppy ist in vielen Farben erhältlich. Sonderfarben kosten allerdings extra

In den 1970er Jahren begann die Wilson Geschichte. David A. Wilson war Tontechniker, leidenschaftlicher Musikliebhaber – und er war zunehmend frustriert. Nicht etwa, weil ihm die Technik fehlte. Er hatte ausgesuchte Mikrofone und Bandmaschinen. Dennoch, immer wenn er von einer Aufnahme zurückkam und das Band abspielte, fehlte ihm ein essenzieller Teil des gerade noch Gehörten. In einem Interview sagte er dazu: „Es war nicht falsch, aber es war auch nicht wahr.“ Kein ihm bekannter Lautsprecher konnte das damals leisten. Also fing er an, selbst einen Monitor zu entwickeln und zu bauen. Das Ergebnis: die Watt – ein Monitor mit dem Anspruch, der Wahrhaftigkeit so nahe wie nur möglich zu kommen. Sein erster ernsthafter Entwurf war noch gar nicht für den audiophilen Markt gedacht. Die Watt – Wilson Audio Tiny Tot – war ursprünglich ein kompakter Monitor, den David Wilson für seine eigenen Aufnahmen nutzen wollte. Klein, steif, präzise war er auch schon damals – gebaut aus Materialien, die man in Lautsprechern bis dahin kaum verwendete. Aluminium, Harze, Verbundstoffe. Alles war erlaubt, solange es dem „wahrhaftigen“ und „natürlichen“ Klang dienlich schien. Schnell wurde klar: die Watt war kein Spielzeug. Sie klang ehrlich. Begeisternd ehrlich! Und damit genau so, wie David Wilson es wollte. Was dann folgte, war beinahe zwangsläufig: Kunden, Freunde, Musiker wollten genau diesen kleinen kompakten Lautsprecher. Und so wurde aus dem Einzelstück die erste kleine Serie – und mit dem später hinzugefügten Tieftonmodul namens Puppy entstand einer der erfolgreichsten High-End-Lautsprecher aller Zeiten: die Watt/Puppy. Die Geschichte von Wilson Audio begann. David gründet vor nun 50 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Sheryl Lee Wilson Audio, mit dem Anspruch, es besser zu machen. Aber was macht nun eine Wilson unverkennbar zu einer Wilson und warum? In einem Video beschreibt David Wilson ein Schlüsselerlebnis, das uns eine Antwort auf diese Frage gibt. Er beginnt mit den Worten: „Wenn ich Live-Musik höre, weiß ich, dass sie live ist“. Er erzählt, wie er bei einem Besuch in New Orleans mit seiner Frau Sheryl Lee eine Straße entlang ging, in der es mehrere Jazzclubs gab, aus denen man alles Mögliche hören konnte. Doch schon bevor man an der Tür stand, war bereits klar, wo es Livemusik gab oder wo die Musik aus dem Lautsprecher kam. Ein Erlebnis, das ihn weiter dazu antrieb, der Ursache auf den Grund zu gehen. Und es war vielleicht auch der Impuls, der später zu den zentralen Erkenntnissen für alle weiteren Entwicklungen führte.

Man sieht hier sehr schön die Zweiteilung und die separat oben aufliegende, im Neigungswinkel verstellbare Watt
Man sieht hier sehr schön die Zweiteilung und die separat oben aufliegende, im Neigungswinkel verstellbare Watt


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