tests/25-07-15_silentpower
 

SilentPower OMNI USB

15.07.2025 // Roland Dietl

Wenn das Notebook direkt an meinen DAC angeschlossen ist, klingt es zwar frisch und lebhaft, aber auch irgendwie „digital“. Die massiven Streichereinsätze sind mir einfach zu hart und zu dünn und die Blechbläser sind bei ihren Einsätzen richtig anstrengend. Die räumliche Abbildung suggeriert zwar große Tiefe, bleibt aber im Diffusen stecken. Insgesamt wirkt die Wiedergabe unruhig und nervös und will so gar nicht zum Charakter des Stücks passen. Mit dem OMNI USB ergibt sich ein völlig anderer Eindruck. Die Härte in den ausdrucksstarken Streichereinsätzen ist einem weichen runden Klang gewichen, der meinen Ohren schmeichelt. Die Bläser, die den Höhepunkt des Stücks einleiten, sind sowohl in ihrer Größe als auch hinsichtlich ihrer Platzierung im Orchester ohne Frage klarer umrissen und erklingen nicht mehr undefiniert aus der Tiefe des Raums. Es wird hörbar, dass an dieser Stelle zunächst die Hörner links hinten einsetzen und dann die Trompeten – leicht rechts außerhalb der Mitte platziert – übernehmen. Damit gewinnt der räumliche Gesamteindruck dieser Aufnahme deutlich, nicht so sehr an absoluter Tiefe, wie an Klarheit und Prägnanz. Im ersten Moment scheint die räumliche Tiefe mit dem OMNI USB sogar weniger ausgeprägt zu sein. Ohne OMNI USB ist jedes Instrument mit einem gewissen Raum umgeben, der Räumlichkeit suggeriert, aber im direkten Vergleich die räumliche Staffelung der einzelnen Instrumente weit weniger präzise erscheinen lässt und zugleich irgendwie hohl und unnatürlich erscheint. Dies sind für mich klare Indizien für reichlich vorhandene digitale Störgeräusche. Das mag zwar im ersten Augenblick beeindrucken, ist aber auf längere Sicht einfach nur nervend. Ich bin erstaunt, wie entspannt ich mit meiner simplen Notebook-Lösung und dem Omni USB viele Stunden Musik hören kann.

Der OMNI USB von innen: Der große 8000-Milliampere-Akku ist gut zu erkennen
Der OMNI USB von innen: Der große 8000-Milliampere-Akku ist gut zu erkennen

Wechseln wir zu „España“ von Emmanuel Chabrier mit Ataulfo Argenta und dem London Symohony Orchestra (Decca Legacy Volume Two - FIM UHD 90). Die Aufnahme beeindruckt mit ihrer reichhaltigen Instrumentierung. Mit dem OMNI USB kommt der großartige Detailreichtum dieser Aufnahme hervorragend zur Geltung. Dabei stört es mich nicht, dass im Vergleich zu absoluten Spitzengeräten das eine oder andere Detail auf der Strecke bleibt. Doch darauf kommt es gar nicht an. Viel wichtiger ist mir der ungemein geschlossene Gesamteindruck, der die Aufnahme zu keiner Zeit vor lauter Details in ihre Einzelteile zerfallen lässt. Bemerkenswert ist, wie realistisch und natürlich Stimmen wiedergegeben werden. Ich höre mir „Sunrise“ von Norah Jones (Norah Jones: Feels Like Home; 96KHz) an. Die Wiedergabe der Stimme gelingt dem OMNI USB ganz ausgezeichnet. Eva Tylor „groovt“ in „Everybody Loves my Baby“ (Opus3 DSD Showcase, DSD128) wunderbar vor sich hin, aber hier fehlt mir ein wenig Dynamik und „Drive“. Das heißt aber keineswegs, dass Eva Taylor matt und langweilig klingt. „Let the music flow" wiederum, ein wunderbarer Song von Allan Taylor (Allan Taylor: All Is One, DSD 64), passt perfekt zum entspannten Charakter des OMNI USB.

Natürlich interessiert mich, ob sich an dieser überzeugenden Vorstellung etwas ändert, wenn ich den OMNI USB mit meiner SOtM Clock takte. Wir haben dabei im Hinterkopf, dass die Clock-Signale keinen Bezug zu den Audio-Sample-Rate-Frequenzen haben und nicht unmittelbar in die Signalwandlung eingebunden sind. Ich kann gut verstehen, dass viele Audiophile hier recht skeptisch sind, insbesondere auch vor dem Hintergrund der hohen Kosten für eine gute Master-Clock. Meine Erfahrungen aber sind: Wann immer ich ein Gerät mit einer Master-Clock extern takte, stellen sich beträchtliche klangliche Verbesserungen ein. Und ja, auch diesmal klingt es anders – nicht spektakulär, aber genau in der Art und Weise, wie ich sie bisher immer mit externen Clocks erfahren habe. Letztlich geht es um Natürlichkeit, Auflösung und innere Ruhe. Wird die Clock wieder abgeklemmt, dann weiß man, dass es eigentlich keinen Weg zurück gibt.

Die Unterseite der doppelseitig bestückten Hauptplatine: die beiden schwarzen Chips in der Mitte bilden das Herz der optischen Übertragung
Die Unterseite der doppelseitig bestückten Hauptplatine: die beiden schwarzen Chips in der Mitte bilden das Herz der optischen Übertragung


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