tests/25-10-21_acapella
 

Acapella Harlekin 2

21.10.2025 // Dirk Sommer

Und das hat sich wirklich gelohnt: Die Silent Mounts sorgten beispielsweise bei „Malinye“ vom Album Codona 2 dafür, dass die Reflexionen der Töne von Don Cherrys Taschentrompete auch einen glaubwürdigen Eindruck von der Höhe des Aufnahmeraumes vermittelten. Zudem kam der Bass nun zwar ebenso druckvoll rüber wie zuvor, doch wirkte er jetzt melodiöser und in der Tonhöhe genauer definiert. Bei der „Improvisation“ Patrice Herals vom Album Le Concert des Parfums glaubte man, der Aufnahmeraum, das völlig unbedämpfte Refektorium des Klosters Noirlac, dehne sich noch einen Hauch weiter in Breite und Tiefe aus. Es gab schlicht keine Hifi-Disziplin, in der die Silent Mounts keine Verbesserung brachten oder zumindest die beachtlichen Fähigkeiten der Harlekine nicht schmälerten. Bei einem Preis von 800 Euro pro Vierer-Set, also weniger als zehn Prozent der Kosten für einen Lautsprecher, kann ich die Andante-Largo-Untersteller für die Acapellas nur nachdrücklich empfehlen: Sie blieben während des Test an ihrem Platz.

Der Tieftöner arbeitet auf ein Zwei-Kammer-System. Die zweite davon wurde mit einer Bass-Reflex-Öffnung versehen
Der Tieftöner arbeitet auf ein Zwei-Kammer-System. Die zweite davon wurde mit einer Bass-Reflex-Öffnung versehen

Nur zu meinem Spaß – die faszinierenden, aber alles andere als melodiös eingängigen Klänge dürfte einem nicht unbeträchtlichen Teil der hifistatement-Leser als häufig wiederkehrender klanglicher Bezugspunk nicht zuzumuten sein – hörte ich das gesamte Album Face á Face. Darauf sind Barre Phillips, der Altmeister der Improvisation auf dem Kontrabass, und György Kurtág junior mit Live-Elektronik wie Synthesizer und Percussion zu hören. Die Transienten der hart angestrichenen Basssaiten, die ungeheuer tiefen, elektronisch erzeugen, imaginären Räume und die Fülle an tieffrequenter Energie von Bass und Synthie machen das Album für mich unwiderstehlich. Gleichzeitig stellt es auch schnell klar, wie ansatzlos die Harlekine Impulse in den Raum drücken können, dass die Lautsprecher im musikalischen Geschehen nicht mehr ortbar sind, auch wenn die einzelnen Klangquellen genau fokussiert sind, und dass sie trotz ihrer moderaten Gehäusegröße auch ein Zimmer von über 30 Quadratmetern mühelos mit Klängen fluten können. Das für mich Bemerkenswerteste ist aber, dass diese gewiss nicht leichte improvisierte Kost dank der Acapellas den Hörer zu keinem Moment anstrengt und dadurch überraschend zugänglich wird: Vielleicht trauen Sie sich doch einmal daran.

Das Album Down the Road von Van Morrison gibt sich musikalisch deutlich allgemeinverträglicher, klanglich aber nicht unbedingt: Der relativ hohe Pegel durch reichlich Kompression und die Dominanz der Stimme lassen es auf unausgewogenen Ketten leicht anstrengend und nervig wirken, selbst leichte tonale Unstimmigkeiten werden schnell entlarvt, aber derer machen sich die Harlekine nicht schuldig. „Whatever happend to PJ Proby?“ kommt mit Druck und auch den für einen packenden Vortrag nötigen Ecken und Kanten rüber, kippt aber selbst bei gehobener Lautstärke nicht ins Schrille, Aufdringliche: Auch bei eher kritischen Einspielungen erweist sich die Acapella als homogen und stimmig ausbalanciert, ohne weichgespült zu wirken.

Das von Tod Garfinkle mit nur zwei Mikrofonen für sein Label M●A Recordings aufgenommene Album With Space in Mind von Mark Nauseef und vor allem der Track „Gears“ mit den unterschiedlichen tiefen Trommeln in natürlicher Akustik – genauer: der Harmony Hall in Matsumoto – würde einfach farblos bleiben, wenn sich irgendwo in der Kette ein Weichzeichner verstecken würde. Tut er aber nicht, wie die Harlekine beweisen: Sie machen das Stück mit ihrer Tiefbassfähigkeit, Schnelligkeit und hohen Auflösung zu einem emotional ansprechenden Erlebnis. Nicht anders sieht es am anderen Ende Frequenzspektrums aus: Bei „Arrow from Arjuna“ lassen die energiereichen Gongs und Becken erkennen, wie bruchlos der große Kalottenhochtöner mit dem Zehn-Zoll-Tieftöner zusammenarbeitet. Bei „Up from the Swamp of Delusion“ kann man sich dank der feinen Durchzeichnung am Druck der mit unterschiedlicher Intensität geschlagenen, großen Trommel erfreuen, ohne wegen der schnarrenden Geräusche, die jetzt klar davon abgesetzt sind, gleich um die Unversehrtheit seiner Laufsprecher fürchten zu müssen: Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das Stück vor langer Zeit erstmals voller Irritation über eine Kette ohne entsprechendes Auflösungsvermögen gehört habe. Nicht zuletzt dank der Harlekine gibt es nun nicht den geringsten Anflug von Irritation, sondern nur unbeschwerten Genuss.

Der Anschnitt des Hochtongehäuses verleiht der Optik des Harlekin eine gewisse Dynamik
Der Anschnitt des Hochtongehäuses verleiht der Optik des Harlekin eine gewisse Dynamik


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