tests/25-11-07_hms
 

HMS Armonia Carbon

07.11.2025 // Wolfgang Kemper

Es bleibt noch, die Cinch und XLR-Kabel zwischen DAC und Verstärker zu beurteilen. Die Audioquest Stromkabel und das Armonia Carbon Lautsprecherkabel bleiben dabei im Spiel. Ich verbinde das Armonia Carbon XLR und das Wireworld Cinch gleichzeitig mit DAC und Verstärker. So brauche ich nur den Pegelunterschied auszugleichen. Der technische Aufbau von Interconnect RCA und XLR unterscheidet sich allein durch die andere Verschaltung der Leiter. Beide sind auch gleich dick. Die Cinch-Stecker wurden vergoldet und bei den XLRs verwenden die Niederländer Neutrik Chrome. Die OFC-Leiter hat man sechsfach als Multistrang mit Mittelführung angeordnet. Ihre Isolierung besteht aus Teflon, geschäumtem FEP und Polyolefin. Ein doppeltes SPC-Geflecht dient der Abschirmung, wobei das C wohl für Carbon steht. Orchestrale Musik, und zwar „Sheherazade“ von Rimsky-Korsakov mit Ernest Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande soll bei der Bewertung der Interconnect Aufschluss bringen. Das Wireworld klingt transparent, angenehm und auch mit realistischer Größenzeichnung und Platzierung der Solovioline. Die teureren Armonia Carbon können alles aber eindeutig besser, weil sie mehr Nuancen konturenscharf und farbenprächtig einbringen. Die räumliche Darstellung geht weiter in die Tiefe und ist besser gestaffelt. Viel bemerkenswerter ist jedoch dieser Unterschied zugunsten des HMS: Es zeichnet mit gesteigerter Offenheit, Standfestigkeit, Präsenz und Detailfülle bei absolut glaubwürdigen Klangfarben. Dies ist besonders, aber nicht nur im Tieftonbereich und in den mittleren Tonlagen zu spüren und bedeutet zweifelsfrei ein viel größeres Hörvergnügen. Das will ich mit anderer Musik gegenchecken und wähle wieder Eric Clapton Unplugged „Before You Accuse Me“. Dies gefällt jetzt mit dem Armonia Carbon durch die Ordnung auf der Bühne. Die Live-Atmosphäre macht sich im Hörraum breit. Stimme und Gesang: alles wunderschön plastisch. Der Song swingt und Fußwippen ist unvermeidlich. Mit dem Wireworld wird der Grundton etwas intensiver, was bei Klatschen und Gesang nicht schlecht ist. Aber im Gegenzug fehlt´s an Schwung und auch Eric Claptons Position ist auf der Bühne nicht so klar umrissen, sondern gerät etwas diffuser. Das ist zwar auch gut anhörbar, aber meine Füße bleiben ruhig. Noch deutlicher wird die Überlegenheit der Armonia Carbon beim Album Songs From The Capeman von Paul Simon. Das HMS öffnet im Vergleich zum Wireworld überzeugend und packend die imaginäre Bühne und begeistert mit Dynamik, Finesse und Authentizität. Das Wireworld stellt die Mitten mehr nach vorn, wirkt ruhiger und weniger griffig. Bei diesem Album ist an einigen Stellen die räumliche Ordnung etwas merkwürdig, wie hintereinander gestaffelt abgemischt. Während dies bei vielen Setups schon mal störend auffällt, macht das HMS dies auch erkennbar, kaschiert die unrealistisch wirkende räumliche Abmischung aber mit seiner faszinierenden schwungvollen Musikalität.

Nun überprüfe ich zur Sicherheit, ob es doch einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen HMS XLR und HMS RCA gibt und ersetze das Wireworld durch das Armonia Carbon RCA. XLR und RCA haben beide die gleiche Länge von 1,5m. Diese Länge ermöglicht mir einerseits problemloses Hantieren im Test, wichtiger ist aber vielleicht, dass diese Kabellänge oft den Charakter deutlicher zum Ausdruck bringt und manchmal sogar besser klingen kann als kürzere Verbindungen. So erzählte mir zum Beispiel Daniel Steiner, der die hochwertigen Habst Kabel entwickelt und fertigt, dass er sein AES/EBU Digital-III nur in dieser Länge verkauft, weil allein diese seinen klanglichen Vorstellungen gerecht wird. Also nochmals Eric Clapton, HMS XLR gegen Cinch. Ja, das XLR liefert noch ein wenig mehr Raum und Bühnentiefe. Ein leicht ausgeprägterer oberer Bass beim XLR kann ebenso von den Unterschieden zwischen XLR und Cinch an den Geräten herrühren. Aber das sollte wirklich nur eine Rolle spielen, wenn man ohnehin XLR bevorzugt. Denn mit der Cinch-Version des Armonia Carbon Interconect darf man das gleiche Hörvergnügen erwarten.

Beim Interconnect RCA finden eigens entwickelte und im Hause gefertigte Chinch-Stecker Verwendung
Beim Interconnect RCA finden eigens entwickelte und im Hause gefertigte Chinch-Stecker Verwendung

Um die Aussagekraft meines Tests nicht nur von einem Verstärker abhängig zu machen, habe ich fast den gesamten Ablauf noch einmal mit dem Pier Audio Hybrid-Vollverstärker wiederholt, der dank seiner etwas wärmeren Diktion nicht ganz so analytisch fein zeichnet wie der Soulnote A2. Alle beschriebenen Merkmale konnte ich mit dem Pier Audio nachvollziehen und verifizieren. Das Armonia Carbon XLR hörte ich mir zudem ausgiebig in meiner anderen Anlage an, und zwar sowohl zwischen dem Holo D/A-Wandler und Vorverstärker als auch zwischen Plinius Phonovorverstärker und Vorverstärker. Hier kann das HMS gleich zweimal seinen musikalischen Charakter noch ausgeprägter zeigen. Die bereits erlebten Charakterzüge fallen noch klarer auf. Besonders die Prägnanz und Dynamik der HMS heben sie von meiner Standard-Verkabelung ab. Sie verändern auch die tonale Balance gegenüber den Purist Audio Design ins Offenere, was bei vielen Musikstücken mehr Feinheiten zu Gehör bringt. Das höre ich bei Ansermets Sheherazeda vom Antipodes Oladra ebenso deutlich wie bei der B-Seite von Wichi-Tai-To mit Jan Garbarek und dem Bobo Stenson Quartet vom Brinkmann Plattenspieler mit dem Audio Technica Art-20. In jedem Fall fächert das Armonia Carbon sehr schön auf, ohne dabei an Plastizität zu verlieren. Auch wenn das Armonia Carbon gegenüber meinen leicht dunkel timbrierten PADs geradezu strahlend die oberen Tonlagen reproduziert, so verlieren die Solovioline im Werk von Rimsky-Korsakov oder das Sopran-Saxophon von Jan Garbarek nicht an Körperhaftigkeit und Glaubwürdigkeit. Das HMS durchleuchtet das musikalische Geschehen im oberen Frequenzspektrum mit mehr Präzision und lässt auch den Bassbereich trockener erklingen.

Jedes einzelne Armonia Carbon, egal über Netzkabel, Interconnect oder Lautsprecherleitung trägt zu einem hochmusikalischen Gesamtbild bei. Dessen Qualität sehe ich besonders in der mitreißenden nuancierten Lebendigkeit und feinsinnigen Dynamik. Die großartige Detailvielfalt geht überhaupt nicht zulasten der Klangfülle, im Gegenteil. Die neuen niederländischen HMS tragen einzeln oder gesamt niemals und an keiner Stelle im Frequenzspektrum dick auf. Die tendenziell eher offene denn den Tiefton betonende tonale Balance wirkt ausgewogen und dient der Transparenz und den feinen Tönen. Diese Qualität teilen sie sich mit den Partner-Marken Siltech und Crystal Cable. Die gesamte Tonalität scheint mir – hier liegen meine Hörerfahrungen allerdings schon Monate zurück – im Vergleich zu den Schwestermarken etwas milder in den obersten Lagen zu sein, was besonders mit einer gut auflösenden Anlage erstklassig harmoniert.


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