tests/25-12-23_keces
 

Keces Ephono+

23.12.2025 // Dirk Sommer

Auf dem Teller des LaGrange liegt Full Force, eine LP, die das Art Entsemble of Chicago für ECM eingespielt hat. „Magg Zelma“ beginnt trotz des Titels der Scheibe recht verhalten, entwickelt sich erst allmählich: Gongs, Rasseln, Pauken, Bleche, Hupen, Triangel und eine Trillerpfeife unterbrechen immer wieder die Stille, bevor sich auch nur ansatzweise eine rhythmische Struktur oder ein musikalischer Fluss herausbildet. Erst Malachi Favors Maghostus' Bass-Intro leitet den von ihm komponierten Song dann in eine geschlossenere Form über, bevor Roscoe Mitchell mit einem seiner Saxophone einsteigt. Für jemanden wie mich, der große imaginäre Räume und realitätsnahe Transienten mag, ist diese Abfolge von Geräuschen in einen vermeintlich riesigen Aufnahmeraum eine Freude – besonders, wenn die Klangfarben des schrägen Instrumentariums so kräftig strahlen und so glaubhaft rüberkommen wie bei der Wiedergabe über das DS Audio W3 am Eingang des Ephono+. Sicherlich kein leichter Stoff, aber – wie man in Bayern sagt – für den der's mag, das Höchste!

Auch bei dieser recht wilden Musik, wird eindeutig klar, was die WestminsterLab-Platine zum mehr als sechsfachen Preis des Ephono+ noch ein wenig besser kann: Der Raum im Aufnahmestudio – oder seine elektronische Nachbildung – wirkt nun noch ein Stückchen tiefer, Ein- und Ausschwingvorgänge werden noch detailreicher wiedergegeben, und die Instrumente einen Hauch plastischer dargestellt. Das ändert aber nichts daran, dass die Musik des Quintetts über den Ephono+ ähnlich energiegeladen, packend und mitreißend rüberkommt. Dessen DS-Audio-Eingang ist übrigens nicht nur von seiner Klangcharakteristik – eher warm als extrem analytisch – hervorragend abgestimmt: Auch ohne aktives Subsonic-Filter gibt es keine unnatürlich großen Membranhübe: sehr überzeugend!

Auf der Rückseite befinden sich Buchsen mit vergoldeten Kontakten. Bei der Stromversorgung setz Keces auf eine XLR-Verbindung
Auf der Rückseite befinden sich Buchsen mit vergoldeten Kontakten. Bei der Stromversorgung setz Keces auf eine XLR-Verbindung

Einsteins The Pickup in The Tonearm auf dem Aerolith schließe ich nach Volker Bohlmeiers Empfehlung bei meiner Phonostufe mit 300 Ohm ab, beim Ephono+ war und bleibt die höchstmögliche Abschlussimpedanz eingestellt: 220 Ohm. Da die Ausgangsspannung von The Pickup recht niedrig ist, habe ich die übliche MC-Verstärkung des Keces von 66 Dezibel per Schalter auf der Front um sechs Dezibel erhöht. Wie erwartet hört man selbst bei hohen Pegeln bei angehobenem Tonarm am Hörplatz nicht das geringste Rauschen: Der Ephono+ verstärkt wirklich sehr rauscharm. Seit der Aufnahme von Bugge Wesseltoft habe ich einen deutlich entspannteren Zugang zu Jazz mit elektronischen Elementen, zumal letzte die Wiedergabekette ungemein fordern können, so auch bei „Future Strings“ vom Album Duo, auf dem Henrik Schwarz für den Computer und seine Programmierung zuständig ist, während Bugge Wesseltoft an Flügel, Synthesizer und Marimba zu hören ist. Energiereiche, tieffrequente Eruptionen und virtuelle Räume verlangen Tonabnehmer und Entzerrer einiges ab und machen den Titel durch den Gegensatz von fein aufgenommenem akustischen Tasteninstrument und angezerrten rauhen Sounds zu einer spannenden Erfahrung. Da fehlt mir wirklich nichts – zumindest ohne Vergleich. Dank symmetrischer Verstärkung und Entzerrung durch Einsteins vielfach teurere The Turntable's Choice werden die Positionen der Schallereignisse in größeren virtuellen Räumen deutlich besser von einander differenziert und felsenfest positioniert. Die akustischen und elektronischen Klangerzeuger erklingen feiner durchgezeichnet und detailreicher. Auch wenn der Ephono+ in einigen Hifi-Disziplinen nicht an den Einstein-Entzerrer heranreicht, macht er „Future Strings“ mit seiner kraftvollen, leicht plakativen Spielweise dennoch zu einem nachhaltig beeindruckenden emotionalen Erlebnis. Was kann man mehr verlangen – vor allem bei diesem Preis?

Die Signalplatine mit einer Reihe von Wima-Kondesatoren und analogen Spannungsreglern
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