Der HP-10 ist ein durch und durch analog und doppelt mono aufgebauter Clas-A-Verstärker. Allein das Digitalteil ist davon ausgenommen. Dessen einziger Eingang ist ein USB-C, an den ich abwechselnd den Eversolo T8 oder den Antipodes Oladra angeschlossen habe. Diese digitale Sektion erledigt ihr Arbeit musikalisch auf hohem Niveau. Allerdings ist ein hochwertiger externe D/A-Wandler, wenn dieser bereits vorhanden sein sollte, möglicherweise die bessere Wahl. Jedenfalls spielte der HP-10 zusammen mit meine Holo Audio DAC für gut 6000 Euro oder auch mit der Plinius Phonostufe nochmals deutlich besser als mit dem integrierten DAC. Man sollte aber fair bleiben. Von einem integrierten D/A-Wandler für 400 Euro mit einem AKM AK4493 Chip darf man nicht die letzte Perfektion erwarten, und gemessen an seinem Preis, will ich dem integrierten Wandler im Deluxe ein dickes Kompliment machen. Wenn nicht das Bessere des Guten Feind ist, kann man mit ihm sehr gut leben und genüsslich in Musik schwelgen. Die Lautstärke wird analog über ein Festwiderstandsnetzwerk in Ein-Dezibel-Schritten geregelt. Für sehr viele gängige Kopfhörer finden sich Preset-Empfehlungen auf der Website. Dazu zählt auch die Wahl des Verstärkungsfaktors. In der höchsten Stufe kann der HP-10 bis zu zehn Volt bereitstellen. Da sollte ganz sicher auch für Leistungsfresser ausreichen.

Zuerst kombinierte ich den HP-10 allein imit meinem Oladra und dem Holo-D/A-Wandler – zweifach verbunden mit einem PAD Elementa per XLR und einen Wireworld Eclipse per Cinch. Ich hörte mich mit dem Final D7000 auf den HP-10 ein ohne eine der unter „Studio“ angebotenen Optionen zu nutzen. Für die ersten Vergleiche suchte ich die beiden ersten Titel, „Rusalka“ und die „Rheinnixen“, aus Fairy Tales von Regula Mühlemann mit den Chaarts Chamber Artists, weil die wunderschöne Stimme und die vielfältige, feine Instrumentierung dieser gelungenen Sony-Einspielung auch mehrfach hintereinander gehört ein Genuss sind. Pur, ohne eine Option in Studio zu aktivieren, klingt die Musik auffallend klar und sauber, keine Tonlage bevorzugend, präzise, konturenscharf und subjektiv extrem neutral. Das kann schon gefallen, wirkt aber relativ sachlich und auch ein wenig emotionsarm, sobald man das Studio-Profil aus der Vorschlagsliste für den Final 7000 erlebt. Für den werden drei Optionen zugeschaltet. Insgesamt sieht das Angebot wie folgt aus:
Es gibt vier Crossfeed-Alternativen. Hierbei wird das Stereosignal unterschiedlich gegen Mono gemischt, um von der für Kopfhörer typischen im Kopf-Lokalisation losukommen und das Musikgeschehen etwas mehr nach vorn zu holen. Die vier Abstufungen scheinen mir hier sehr gut gewählt, auch wenn sie nicht die Perspektive wie beim Lautsprecher-Hören simulieren können. Dies wird man, so meine Überzeugung, möglicherweise irgendwann mit weiterentwickelter Immersive-Technologie erreichen. Mit Crossfeed, wohl dosiert eingesetzt, wird die Darbietung homogener und stimmiger. Zusätzlich dazu kann man eine von drei verschiedene Harman-Kurven hinzufügen. Dazu schreibt Gold Note: „Die drei Harman-Modi H,M und L sind keine einfachen Klangregler oder grundlegenden Equalizer, sondern ausgefeilte analoge Optimierungen, mit denen sich jeder auf dem Markt erhältliche Kopfhörer feinabstimmen lässt. Basierend auf strengen wissenschaftlichen Untersuchungen zur menschlichen Frequenzwahrnehmung verbessern diese Einstellungen die Klangbalance und die Klangfarbenpräzision, ohne den charakteristischen Klang des Kopfhörers zu verändern.“ In der abgebildeten Grafik, können sie die Wirkung der Kurven auf den Frequenzgang sehen. Die drei Harman-Kurven lassen sich miteinander kombinieren, woraus sich sieben (H, M, L, H+M, H+L, M+L, H+M+L) unterschiedliche Möglichkeiten ergeben. Die Auswahl des Dämpfunsfaktors „Low“ oder „High“ wirkt sich auf das Einschwingverhalten der Treiber aus und darf ebenfalls nach Gusto gewählt werden, wobei der höhere Dämpfungsfaktor die Präzision im Bass steigert und der niedrigere ein etwas wärmeres Klangbild generieren kann. Dann haben wir noch den hoch interessanten „Super Flat Mode“, der einen absolut linearen Frequenzgang in den obersten Tonlagen gewährleisten soll, da er dem üblichen Höhenabfall entgegenwirkt. Weiterhin lässt sich unter „Studio“ die Phase um 180 Grad drehen.

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