tests/26-03-10_cayin
 

Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

10.03.2026 // Wolfgang Kemper

Die zwei D/A-Wandler-Alternativen machen es nicht immer leicht, da beide nicht grundlegend unterschiedlich klingen. Classic spielt, vereinfacht formuliert, eine Spur wärmer, modern ein wenig knackiger. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der eine oder andere für bestimmte Musikrichtungen prädestiniert sei. Geschmackssache, meine ich, und entscheide mich in den meisten Fällen für den 1-Bit-Stream-Classic-DAC. Patricia Barber eröffnet nach der Einspielphase mit Companion in CD-Auflösung von der Festplatte des Oladra Musikservers die Hörsessions. Was schnell bei allen Songs auffällt, ist die enorme Präzision und Klarheit. Dies bringt eine bis dahin nicht erlebte Sprachverständlichkeit mit sich. Die Songs wirken deutlich spannender als je zuvor. Der Pearl 30d spielt ausgewogen, ich möchte sagen unerwartet unprätentiös. Aufgrund seines Äußeren, seines schwarz-goldenen mit Holz edel dekoriertem Outfits hatte ich so etwas wie Opulenz im Klang erwartet. Und in gewisser Weise vermittelt er die auch, aber anders als von mir unterstellt: Der Cayin Pearl 30d musiziert absolut nicht bombastisch oder in irgendeiner Art überzeichnend. Jedoch beeindruckt er schon bei diesem ersten Album mit einer frappierenden Analytik und Authentizität. Der berühmt-berüchtigte zarte Schleier über der Klangbühne existiert nicht mehr. Zwar hatte ich den zuvor mit meinem Setup nicht bemerkt, jetzt klingt es allerdings noch befreiter und luftiger, gleichzeitig energiegeladen in den unteren Tonlagen. Instrumente und Gesang werden standfest fokussiert; großartig stabil stehen sie in räumlicher Tiefe und Breite geordnet. Dabei ist der Klangraum scharf umrissen. Kein Instrument gerät auch nur ansatzweise und in irgendeiner Tonlage diffus. Die Musik spielt erheblich weiter vorne als ich es von meinem HoloAudio kenne, und zwar hintereinander, nebeneinander konturiert auf der Bühne gestaffelt und mit eigener Aura für jedes Instrument. Im Vergleich klingt der HoloAudio nicht viel weniger räumlich, aber er packt alles weiter nach hinten und hält mich weit mehr vom musikalischen Geschehen entfernt. Gleichzeitig zeichnet der Cayin aber nicht aufdringlich. denn auch nach vorne gibt es eine klare Linie zur imaginären Bühne. Diese Darbietung des Pearl 30d macht das Zuhören ebenso angenehm leicht wie ungemein spannend. Hinzu kommen die nun unverschleierten, faszinierend authentischen Klangfarben, die Bassdrum aus der Tiefe des Raumes, ebenso atemberaubend wie die mal schneidenden, aber nicht schmerzenden Töne der Orgel. Mit dem Cayin erfuhr ich Patricia Barbers Companion tatsächlich neu.

Vier der einem Kanal zugeordneten ESS Chips des „Modern“ DACs
Vier der einem Kanal zugeordneten ESS Chips des „Modern“ DACs

Beim Album The Afro-Eurasian Eclipes von Duke Ellington und seinem Orchester von 1971 fand ich die Raumakustik bei der Einführungs-Rede des Bandleaders wegen der feinen Auflösung interessant. Der Cayin zeichnet das Studio-Echo sehr präzise und glaubwürdig und lässt den Hörer hier auf diese besondere Weise an der Darbietung teilhaben. Dies ist nicht unbedingt eine audiophile Einspielung. Aber Swing und Drive vermittelt der Cayin in exzellenter Weise, so dass ruhig sitzen zu bleiben, schwer fällt. Diese Aufnahme ist tendenziell eher schlank bis hell. Ich schalte bei „Didjeridoo“ vom Classic-Mode auf den Modern-DAC mit den acht ESS Wandlern. Jetzt klingt das Stück noch ein bisschen dynamischer, was sich vor allem beim Klavier bemerkbar macht. Trotz der nach meinem Gusto nicht perfekten tonalen Balance dieser Aufnahme bleiben die Bläser auch hier „smooth“ und blechern. Der Classic Mode scheint mir den Drive der Musik eine Spur besser zu vermitteln, dafür spielt der Modern mit leicht mehr Dynamik und etwas unmittelbarer. Beides gut, aber halt leicht anders. Beides packend und schön, eigentlich kein Grund sich zu entscheiden, weil beides Spaß macht.

Die drei Philips-Chips der „Classic“ Wandler -Architektur
Die drei Philips-Chips der „Classic“ Wandler -Architektur

Ich wähle als nächstes Fairy Tales von Regula Mühlemann und den Chaarts Chamber Artists von Qobuz in 96/24 im Classic Mode. „Rusalka“, das erste Stück, beginnt mit feiner, zarter Instrumentierung, bevor der Gesang einsetzt. Dieses Zarte vermittelt der Cayin in besonders schöner Art und verleiht den Instrumenten Klangkörper und Raum. Was ich beeindruckend finde: Der Cayin macht dieses Musikstück nicht spektakulärer als es ist. Hier habe ich schon manche Überzeichnung bei der Stimme erlebt. Die Darbietung ist wunderschön klar und ausgewogen mit tollen Klangfarben, einfach schön. Bei den folgenden Liedern fällt immer wieder auf, wie energisch und leichtfüßig sich die tiefen Streicher aus der Tiefe des Raumes einbringen. Die unaufdringliche und unspektakuläre, ja fantastische Analytik des Cayin lässt jedes einzelne Instrument glänzen und in seinen glaubwürdigen Klangfarben strahlen. Und das Tolle: Er verbindet dies alles mit geordneter Räumlichkeit zu einem perfekten ganzheitlichen Bühnenbild, wo alle Klänge homogen eingebunden sind und ein bestaunenswertes Klanggemälde bilden. Hier sind Authentizität und Pracht ideal miteinander verknüpft.


  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026
  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026
  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.