Die „nackte“ Montage ohne zusätzliche Fassung zwischen Nadelspitze und Nadelträger senkt die effektive Masse der bewegten Teile, was zu einer Verbesserung des Abtastverhaltens bei Transienten und einer Hochtonerweiterung führen kann. Die niedrige Impedanz von 5,5 Ohm deutet darauf hin, dass zur Spulenwicklung nur wenige Lagen Draht verwendet werden, was ebenfalls zu einer geringen beweglichen Masse führt. Die Spulen werden aus speziell ausgewähltem, hochreinem Kupfer gewickelt, das Signale mit minimalen Verlusten und Verzerrungen übertragen kann. Für den Dämpfer verwendet Sumiko eine spezielle synthetische Gummimischung, um Resonanzen zu kontrollieren, Verzerrungen zu minimieren und eine gute Spurführung zu ermöglichen.

Alle Tonabnehmer der Reference-Serie besitzen ein offenes Gehäuse. Diese Gehäusekonstruktion senkt das Risiko von resonanzbedingten Verzerrungen und Verfärbungen, die durch herkömmliche Tonabnehmergehäuse entstehen können. Um interne Resonanzen weiter zu reduzieren, werden die einzelnen Komponenten des Magnetkreises mechanisch gedämpft. Für die Anschluss- und Montageplatten verwendet Sumiko ein Material namens PEEK. Dieses Material wird aufgrund seiner extrem hohen mechanischen Stabilität, Steifigkeit und Langlebigkeit typischerweise in anspruchsvollen Anwendungen wie der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt. Über die Kopfplatte des Minimalgehäuses werden verbleibende Resonanzen zum Tonarm abgeleitet. Der Tonabnehmer wiegt 7,3 Gramm, so dass sich bei einer lateralen Nadelnachgiebigkeit von zwölf Mikrometer pro Millinewton folgerichtig die Montage in einem Tonarm mit mittlerer Masse empfiehlt. Da mein Linn Ittok mit 12 Gramm effektiver Masse den Anforderungen entspricht, montierte ich das Oriole an den Linn-Tonarm. Dank des Gehäuses mit seinen geraden und zum Teil rechtwinkligen Flächen und des gut sichtbaren Nadelträgers ist die Montage des Systems unter dem Headshell des Ittoks recht gut zu bewerkstelligen.

Nach einer Einspielzeit von mehreren Tagen und etlichen abgespielten Schallplatten konnte dann der Hörtest beginnen. Dass sich das in meinem Besitz befindliche Benz Micro Glider Tonabnehmersystem in der gleichen Preisklasse wiederfindet, machte diesen Hörtest besonders spannend. Zuerst legte ich das In-Akustik-Album Great Cover Versions auf. Los ging es mit dem Stück „All The Way Lover“, dargeboten von Chris Farlowe And The Thunderbirds. Die Reibeisenstimme Chris Farlowes kommt hier gleichermaßen kraftvoll wie einfühlsam rüber, die würzigen Gitarrensoli sind ein Genuss. Transparenz, Luftigkeit und ein warmes Bassfundament zeichnen diese Aufnahme aus, die vom Oriole mühelos wiedergegeben werden. Eine weitere von mir bevorzugte Testplatte stammt vom Label Vital Records aus Kalifornien, produziert von David Manley, dem Gründer von VTL, Vacuum Tube Logic. „The River Bends“ vom Album Todd ist live eingespielt und komplett analog unter ausschließlicher Verwendung von Röhrenmikrofonen auf einem 2-Spur-Studer C37 Tonbandgerät aufgenommen. Die Band ist ein klassischen Piano Trio, auf dem gehörten Stück ergänzt durch eine akustische Gitarre und Congas. Das Stück grooved wunderschön, hier kommt die Ausgewogenheit des Klangbildes des Oriole großartig zur Geltung. Spätestens wenn Michael O`Neill das Solo auf der Gitarre spielt, wird man vom Fluß der Musik und der Wiedergabequalität mitgerissen. Die Stahlseiten der Gitarre klingen, als ob O´Neill direkt vor einem sitzen würde und die Seiten anreißt. Man hört das Piano klar und deutlich, nimmt wahr, dass die Tasten für die hohen Töne rechts und die der tiefen Töne links angeschlagen werden. Schlagzeug und Congas sind hinter den Leadinstrumenten positioniert, das Schlagzeug etwas links von der Mitte, die Congas rechts. Dies alles dermaßen plastisch darstellen zu können, verlangt eine sehr gute Wiedergabekette, an deren Spitze das Tonabnehmersystem steht. Das Oriole macht hier seine Arbeit so gut, dass ich mir überlege, ob ich das Benz Glider überhaupt noch einmal montieren möchte.
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