Das Thema thermische Behandlung von Festplatten, Kabeln oder Schallplatten wurde in Hifistatement mehrfach ausführlich behandelt. Heute geht es um den Flatten it Schallplatten-Bügler von Pro-Ject, der dank seines attraktiven Preises ein Angebot für jedermann sein könnte.
Dirk Sommer hat an dieser Stelle seit Jahren immer wieder über Kältebehandlungen zur Klangverbesserung explizit bei der Firma CoolTech berichtet. Das liest sich überzeugend, ist aber mit ein wenig Aufwand verbunden, der selbst manch eingefleischtem Audio-Freak zu lästig erscheint. Warum eigentlich? Denn nach einem Ausprobieren könnte man die ganze Plattensammlung auf einmal einer Kryobehandlung unterziehen. Eine Wärmebehandlung mit 50 bis 58 Grad scheint zumindest in meinem Umfeld eine akzeptierte Methode mit vergleichbaren Aussichten auf eine klangliche Verbesserung zu sein. Viel Aufsehen erregten die Geräte von Audio Fidelity Improvement und hier besonders das Modell AFI Flat.Duo, das aber eine Investition von 2000 Euro bedeutet, die besonders für kleinere Plattensammlungen relativ hoch empfunden werden könnte. Die eigentliche Bestimmung der Plattenbügler ist neben einer erwartbaren Klangverbesserung das Glätten welligen Vinyls. Pro-Ject bietet mit dem Flatten it für 800 Euro einen VinylBügler, der beinahe das Gleiche kann wie die kostspieligeren Mitbewerber. Äußerlich macht Flatten it einen sehr soliden Eindruck, ist überwiegend aus Aluminium sauber gefertigt und besitzt haptisch einwandfreie Bedienelemente sowie eine gut ablesbare Anzeige zur Beobachtung des Prozederes. Flatten it ist jedoch kein Automat und erfordert die manuelle Umschaltung nach dem Heizprozess auf Abkühlen.

Da muss man also etwas aufmerksamer den Vorgang im Auge behalten. Sonst kann es passieren, dass das Vinyl überhitzt wird, und Sie nachher eine LP mit Orangenhaut besitzen. Wir (mein Freund T und ich) haben das mit einer wertlosen LP ausprobiert und diese vier statt zwei Stunden erhitzt. Man kann dieses Risiko aber mit einer Zeitschaltuhr vor dem externen Zwölf-Volt-Netzteil minimieren. Denn das Umschalten auf langsames Abkühlen ist nichts anderes, als das Gerät auszuschalten. Eine aktive Kühlung findet nicht statt, was auch gut ist. Hektik ist hier nicht von Nutzen. Das Abschalten könnte also auch eine Schaltuhr bewirken; allein die Anzeige, die über den Stand der fallenden Temperatur Auskunft gibt, würde dann ebenfalls entfallen. Die Handhabung des Flatten it ist kinderleicht. Man sollte darauf achten, dass sowohl das Vinyl als auch die beiden Auflageflächen des Flatten it staubfrei sind. Ein sauberes Mikrofasertuch ist hier nützlich. Allerdings braucht man beim Pro-Ject diesbezüglich keine große Sorge zu haben. Denn wenn es sich nicht um besonders wärmesensibles Vinyl handelt, wie es gern in den USA verwendet wird, wird das Vinyl nicht aufgeweicht, so dass sich auch nichts in der Oberfläche festsetzt. Wir haben entsprechende Versuche gemacht und Teppichflusen sowie Haare bewusst bei 58 Grad über zwei Stunden mitgebügelt. Die ließen sich nach dem Abkühlen wieder einfach mit einer Plattenbürste entfernen. Überhaupt können wir erfreulicherweise konstatieren, dass bei für diesen Temperaturbereich geeignetem Vinyl nach der Behandlung keine zusätzlichen Störgeräusche, welcher Art auch immer, hörbar waren. Nur: Alle LPs waren jetzt wunderbar plan. Das ist allein schon eine gute Sache, weil die Nadel des Tonabnehmers nun keine störenden Extratouren in der Vertikalen mehr machen muss. Beim Air Force III Plattenspieler meines Freundes T. konnte das Saugsystem jetzt alle LPs per Knopfdruck ansaugen und benötigte keine mechanische Hilfestellung wie beispielsweise bei meiner unbehandelten Decca-LP La Fille Mal Gardée. Eine LP von Lee Ritenour Rio ist durch eine Beule unbrauchbar, die einen Durchmesser einer 10-Cent Münze aufweist. Diese rauszubekommen war auch durch wiederholtes und längeres Bügeln leider unmöglich. So etwas sind aber bedauerliche und seltene Einzelfälle und in diesem Falle durch eine Halogenlampe selbst verursacht…

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