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Chord Company ChordMusic Kabel

13.05.2026 // Achim Schneider

„Die Chord Company wurde 1985 in Salisbury in der südenglischen Grafschaft Wiltshire von Sally Gibb gegründet. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Amesbury, Wiltshire“, erklärt Ian Kemsley. Der Ort ist nur wenige Kilometer von Stonehenge, dem geschichtsträchtigen Weltkulturerbe entfernt. Ein Vertrieb aus Übersee hatte damals angefragt, ob Gibb ein optimiertes Kabel für Naim-Verstärker herstellen könnte. „Das kann ich“, antwortete Sally Gibb. Ehemann Alan hatte gute Kontakte zu dem britischen Hersteller und so begannen die beiden mit Unterstützung von Naim die ersten Kabel auf dem heimischen Küchentisch anzufertigen. In mehr als 40 Jahren hat sich die britische Kabelmanufaktur einen exzellenten Ruf in der Hifi-Szene erarbeitet und führt eine breite Palette von erschwinglichen (C-series) bis hin zu hochpreisigen Highend-Kabeln (ChordMusic) in seinem Portfolio. Die ChordMusic-Serie ist derzeit das Nonplusultra im Programm des renommierten Kabelherstellers. „Wie bei Chord üblich, baut jede Neuentwicklung auf die vorherige Spitzentechnologie auf und wird mit weiteren Entwicklungen auf ein neues Level gehoben“, erklärt Kemsley den Status des aktuellen Spitzenkabels. In diesem Fall bauen die analogen Kabel sowie die Lautsprecherkabel auf die Kabel des vorherigen Top-Modells Sarum Super Aray auf. „Die Effekte der Aray-Technologie – ein spezielles Verfahren bei der Leiterherstellung – wurden erstmals während der Entwicklungsarbeit an Digitalkabeln wahrgenommen. Durch unzählige Trial and Error-Versuche im Labor wurde die Technologie schließlich für alle Kabel optimiert“, erklärt der Sales Manager. Der Aufbau der ChordMusic Kabel ist identisch mit dem der Sarum Super Aray-Modelle. Die hochreinen OFC-Kupferstränge werden extrem sorgfältig poliert und anschließend mit einer feinen Silberschicht versehen. Als Dielektrikum dient beim Sarum der Kunststoff PTFE (Polytetraflourethylen). Diese Kombination war für den britischen Kabelhersteller lange Zeit das klangliche Optimum und sorgte für Neutralität und ausgewogene Tonalität bei der Musikwiedergabe. Bei der Entwicklung des ChordMusic sind die Entwickler neue Wege gegangen: Sie experimentierten mit einem Isolationsmaterial, das in der Militärtechnik eingesetzt wird und bisher noch nie bei der Herstellung von Hifi-Kabeln verwendet wurde.

Die relativ unflexiblen Lautsprecherkabel sind verdrillt und wahlweise mit 4mm ChordOhmic Bananensteckern oder mit Spade-Verbindern ausgestattet, die nach Chord-Spezifikationen mit einer Silberbeschichtung versehen sind
Die relativ unflexiblen Lautsprecherkabel sind verdrillt und wahlweise mit 4mm ChordOhmic Bananensteckern oder mit Spade-Verbindern ausgestattet, die nach Chord-Spezifikationen mit einer Silberbeschichtung versehen sind

Ian Kemsley erklärt, wie es dazu kam: „Man kann sagen, dass es eine glückliche Fügung war. Der Chord Managing Director traf zufällig im Flugzeug jemanden, der in der Kabelindustrie, jedoch nicht im Hifi-Bereich, tätig war und der erzählte ihm, dass sein Unternehmen qualitativ hochwertige Kabel für amerikanische Flugzeugbauer und das US-Militär entwickeln und herstellen würde.“ Die Entwickler hätten entdeckt, dass der Kunststoff PTFE ein Problem mit der Phasenstabilität bei Raumtemperaturen habe. Sie konnten das Problem beheben und stellten ein Kabel her, das die Temperaturanfälligkeit eliminierte. „Die Chord Company hat das Potential für den Hifi-Bereich erkannt und die einzigartige Technik in seine ChordMusic-Linie integriert. Wir haben dem neuen Dielektrikum den Namen Taylon gegeben“ sagt Kemsley. Genug der grauen Theorie. Jetzt müssen die Chord-Spitzenkräfte zeigen, besser hören lassen, was sie draufhaben. Zuerst einmal sind die Lautsprecher-Kabel dran. Ich hatte ja bereits mit meinen beiden Gästen Ian Kemsley und Dalibor Beric zum Eingrooven Aja von Steely Dan (Acoustic Sounds AUHQR 0014-45) gehört. Das hatte ich noch gut im Ohr und bin deswegen wieder damit eingestiegen. Ich kann sagen, dass mich die Chords gleich zu Beginn stark beeindruckt haben. Ich habe sofort das Gefühl, ein neues Level des Hörens zu erleben. Meine Consensus-Lautsprecher scheinen leicht, locker und wie befreit aufzuspielen. Rede ich mir ob des zugegeben respektablen Preises vielleicht etwas ein? Es gibt für mich beim Song „Aja“ zwei entscheidende Momente: Wayne Shorters Saxophonsolo springt einen förmlich an. Es ist unmittelbar und knallhart, dass man sich dem kaum entziehen kann. Als ich das Stück über die ChordMusic-Lautsprecherkabel höre, bin ich baff. Was für ein wahrhaftiger Ton, was für eine Energie – so habe ich es in meinem Setup bisher nicht wahrgenommen. Der zweite Wow-Moment überkommt mich beim finalen Drum-Solo von Steve Gadd. Beim Schließen der Augen sehe ich das Bild vor mir, wie Gadd zu jedem Schlag ausholt und seine Felle immer schneller und dabei hochpräzise bearbeitet. Die Performance ist transparent, stimmig und emotional und ich hatte das Gefühl, dass den brinkmann-Monos und den Consensus-Speakern etwas mehr Energie zugeführt wurde.

Unter der weißen Ummantelung befindet sich der silberbeschichtete hochreine Kupferleiter, der mit Taylon isoliert ist. Chord ist der einzige Hersteller, der dieses Material aus der Militärforschung für Hifi-Kabel nutzt
Unter der weißen Ummantelung befindet sich der silberbeschichtete hochreine Kupferleiter, der mit Taylon isoliert ist. Chord ist der einzige Hersteller, der dieses Material aus der Militärforschung für Hifi-Kabel nutzt

Bevor ich das erste XLR-Kabel an die Buchsen des Edison Phono-Pre und der Marconi Vorstufe anstecke, schnell noch ein Quercheck mit der remasterten Version von Tracy Chapmans Erstlingswerk, bei dem sie höchstpersönlich das Remastering überwacht hat. Das hört man dieser wunderbaren 35th Anniversary Edition (Elektra R1 60774) auch an. Ich besitze eine frühe deutsche Ausgabe sowie eine Amiga-Version. Keine von beiden kommt klanglich an die neue Ausgabe heran. Nachdem die Nadel in der Rille ist, lehne ich mich zurück und höre „Talkin‘ Bout A Revolution“: 2:38 Minuten können ja so kurzweilig sein, wenn die Anlage so relaxt und musikalisch aufspielt. Ich lasse die Nadel in der Rille, gönne mir gleich noch „Fast Car“ und lasse die Stimmen-Textur auf mich wirken. Der Klangcharakter ist berührend und die Klangfarben der Instrumente empfinde ich als authentisch. Nächst Runde. Das XLR-Kabel wird zwischen Edison und Marconi platziert. Die Chord-Lautsprecherkabel bleiben angeschlossen. Wieder beginne ich mit „Aja“. Der Effekt ist genauso wie bei der Hörsession zuvor mit den Chord-Experten: umwerfend. Das Speaker-Kabel hebt die Performance der Anlage. Das XLR-Kabel ist ein Game Changer. Die Dynamik und die Power, die der Edison dem Marconi zuführt ist exorbitant. In allen Bereichen legt die Musik zu. Die Transienten sind noch klarer, das emotionale Erlebnis steigert sich. Bei Steely Dan ist der Aufnahmeprozess immer langwierig gewesen, auch bei dieser Platte. Viele Instrumentalisten, in noch mehr Takes eingespielt. Dennoch wirkt die Aufnahme organisch, wie aus einem Guss. Die vorher erwähnten Beispiele mit Drum und Saxophon wirken noch dynamischer und transparenter. Habe ich schon die superbe Wiedergabe der Backgroundsängerinnen und -sänger erwähnt? Das ist ein Phänomen, das ich so noch nicht kannte. Bei vielen Aufnahmen sind sie lediglich notwendiges Beiwerk, mit den ChordMusic Kabeln nehme ich wahr, wie sie Donald Fagens Gesang mit ihren Harmonien unterstützen und so die Musik bereichern. Jetzt verbinde ich die Vorstufe per ChordMusic-XLR mit den beiden Monoendstufen. Es wird kaum überraschen, dass auch hier noch einmal ein veritabler Zugewinn an Transparenz, Emotionalität, Klarheit und Fluss festzustellen ist. Für die finale Beurteilung aller drei eingeschleiften Kabel habe ich noch einmal das Plattenregal durchforstet und bin bei Ben Webster hängengeblieben. Mit seinem Quintet – dabei sind die Legenden Oscar Peterson, Ray Brown, Herb Ellis und Stan Levey – hat er 1957 für Verve das traumhafte Album Soulville aufgenommen. Die 45-RPM-Version von Analogue Productions (AP-8274) stellt für mich das klanglich Machbare dar. Wenn der Ton seiner „Old Betsy“ einsetzt, habe ich das Gefühl, dass er nur für mich spielt. Sanft dahingehauchte Noten mit wunderbarem Timbre machen sein Spiel unnachahmlich. Da hält sich selbst ein Meister wie Oscar Peterson zurück und rückt erst in den Vordergrund, wenn Ben Webster sein Solo beendet hat. Man kann diese musikalische Unterhaltung der beiden Granden förmlich fühlen, dank der Energie, die die ChordMusic-Kabel vom Phono-Pre bis zu den Lautsprechern transportieren.


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