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Qln Prestige Three Gen 2

23.06.2026 // Roland Dietl

Die handverdrahtete Frequenzweiche mit wenigen, aber hochwertigen Komponenten und Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung
Die handverdrahtete Frequenzweiche mit wenigen, aber hochwertigen Komponenten und Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung

Qln empfiehlt für die Aufstellung einen Abstand der Lautsprecher von drei bis vier Meter zueinander und vorzugsweise mindestens einen halben bis einen Meter Abstand von den Seiten- und Rückwänden entfernt. Nach einigem Probieren habe ich die Lautsprecher mit etwa einem Meter Abstand zur Rückwand und etwas mehr als 60 Zentimeter Seitenwandabstand aufgestellt. Die Basisbreite zwischen den Lautsprechern beträgt knapp drei Meter und der Abstand zu meiner Hörposition etwa das 1,2-fache der Basisbreite. Gleichzeitig habe ich die Lautsprecher so eingewinkelt, dass der Hochtöner auf meine Hörposition zielt. Für die Aufstellung von Lautsprechern verwende ich immer die Teststücke „Channel Identification“ und „Relative Phase Test“ auf der Sheffield XLO Test & Burn in CD. Die Three Gen 2 erweist sich dabei als wenig kritisch, und es gelingt, schnell eine Position zu finden, bei der die Stimme des Sprechers exakt und fokussiert aus der Mitte zwischen den Lautsprechern kommt. Auch bei großer Basisbreite ist ein klangliches Loch in der Mitte nicht zu befürchten. Für den intensiven Hörtest habe ich die Three Gen 2 in meiner bewährten Kette mit den Class-A Mono-Endstufen Stax DA-80M verbunden. Zu Beginn bin ich überrascht: In „Act Like You Know” mit der Fat Larry's Band (Breakin‘ Out - Qobuz 16/44,1) klingt die fette Basslinie im ersten Moment ungewohnt schlank, gleichzeitig aber drahtig und unaufdringlich. Wie ich mir von Mats Andersen erklären lasse, hat die Three Gen 2 eine etwas ungewöhnliche Bassreflex-Abstimmung. Während klassische Computersimulationen für ein Gehäuse und einen Treiber wie bei der Three Gen 2 eine Bassreflex-Abstimmung von circa 45 bis 50 Hertz vorschlagen würden, geht Mats Andersen einen anderen Weg und stimmt das Bassreflexrohr sehr tief – auf etwa 30 Hertz – ab. Dadurch fällt der Frequenzgang der Three Gen 2 ab circa 100 Hertz sanft und kontinuierlich nach unten hin ab. Auf der anderen Seite verstärkt jeder geschlossene Wohnraum tiefe Frequenzen unterhalb von 80 Hertz durch die Reflexionen der Wände und Ecken. Im Zusammenwirken von Lautsprecher und Hörraum soll sich so eine sehr lineare tiefreichende Basswiedergabe ohne das gefürchtete Oberbass-Dröhnen ergeben. Das kann ich für meinen Hörraum bestätigen. Durch die schlanke Grundabstimmung erfordert der Lautsprecher etwas Geduld beim Experimentieren mit dem Wandabstand, um den optimalen Punkt für die Basswiedergabe zu finden. Dann reicht die Three Gen 2 messtechnisch in meinem Hörraum ab 100 Hertz leicht und sehr gleichmäßig abfallend bis etwa 35 Hertz hinab. Gehörmäßig kann ich das auch gut mit den entsprechenden Musik-Tracks (Nr. 43 bis 47) aus dem Album Audiophile Speaker Set Up nachvollziehen. Das Stück „Come Together“ mit Brian Bromberg (Wood - Qobuz 16/44,1) ist ein Härtetest für das Bassfundament eines Lautsprechers. Bromberg interpretiert die Beatles-Melodie ausschließlich auf einem akustischen Kontrabass. Man hört nicht nur das tiefe Brummen des Instruments, sondern kann das physische Schnellen der Saiten, das Greifen auf dem Griffbrett und das Resonieren des riesigen Holzkorpus nachvollziehen. Die Three Gen 2 liefert einen tief reichenden Bass, der mit verblüffender Geschwindigkeit, exakter Kontur und beeindruckender Sauberkeit überzeugt. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei „Wildfire“ von SBTRKT (SBTRKT - Qobuz 16/44,1). Minimalistische Drum-Beats verbinden sich mit einem etwas halligen Gesang und einer schnarrenden Basslinie. Die Three Gen 2 zeichnet die pulsierenden Bewegungen des Basses im unteren Frequenzbereich exakt nach und macht dessen fortwährende Klangfarbenwechsel mühelos nachvollziehbar. Nach oben bleibt der Mittel- und Hochtonbereich trotz der enormen Bass-Energie vollkommen unbeeindruckt, klar und stabil.

Die Rückseite der Three Gen 2: unten das hochwertige WBT Nextgen Anschlussterminal und darüber die Bassreflex-Öffnung
Die Rückseite der Three Gen 2: unten das hochwertige WBT Nextgen Anschlussterminal und darüber die Bassreflex-Öffnung

Die Paradedisziplin der Three Gen 2 ist sicherlich die Wiedergabe von Stimmen unterschiedlichster Art. Bei „Stars“ von Sara K. (Hell or High Water - Qobuz 24/44,1) werden ihre charakteristische, ausdrucksstarke Stimme und die Akustikgitarre mit einer faszinierenden, plastischen Dreidimensionalität in den Raum projiziert. Die Wiedergabe besitzt ein spürbares Fundament und organische Wärme, während das feine, metallische Glitzern der Percussion vollkommen schwerelos und unaufdringlich im Hintergrund schwebt. Dazu gesellt sich ein perfekt kontrollierter Kontrabass, der tief und trocken in den Keller steigt, ohne den intimen Charakter des Stücks unter einem allzu üppigen Bassfundament zu begraben. Ein echtes Aha-Erlebnis in Sachen Stimmwiedergabe liefert die Three Gen 2, wenn Maria Callas die Habanera singt (Georges Bizet: Carmen: „L'amour est un oiseau rebelle“ / Habanera - Maria Callas, Orchestre du Théâtre National de l'Opéra de Paris - Qobuz 24/96). Die legendäre Stimme steht mit einer fast physisch spürbaren, fesselnden Unmittelbarkeit im Raum. Völlig frei von künstlichen Schärfen oder analytischer Kühle transportiert der Lautsprecher das feine Vibrato und die dramatische Energie der Callas als mitreißendes Ganzes. Ihre Stimme hat Substanz, ein spürbares Brustvolumen und eine organische Wärme, die unter die Haut geht. Und wenn der Opernchor im Hintergrund einsetzt, verschwimmt nichts zu einem diffusen Klangteppich – das Ensemble bleibt meisterhaft und plastisch hinter der Solistin gestaffelt. Diese großartige Tonalität kommt auch der Wiedergabe akustischer Instrumente in vollem Umfang zugute. Wenn Narciso Yepes die „Suite Espanola“ (Musica Española – HDTT 24/352) spielt, verbindet sich höchstes technisches Können mit großartiger Musikalität. Die zehnsaitige Konzertgitarre von Narciso Yepes erklingt mit großartiger Farbenvielfalt und kraftvollem Ausdruck, die den Körper des Instruments fühlen lässt. Zugleich kommen bei Akkorden die Saiten-Anschläge präzise und energiegeladen. Hier geht großartige Tonalität mit stupender Dynamik einher. Genauso wichtig ist für mich, dass der Hochtonbereich ohne Bruch an diesen fantastischen Mitteltonbereich anzuschließen vermag. Das „Sommer-Gewitter“ (Vivaldi: Der Sommer / L'Estate: III. Presto aus Die vier Jahreszeiten - Anne-Sophie Mutter, Trondheim Soloists – Qobuz 24/48) lebt von der explosiven Dynamik der Solistin und der sie begleitenden Streicher. Gerade in dynamischen, lautstarken Passagen kann der Klang schnell an Geschmeidigkeit verlieren und eine glasige oder gar aufdringlich metallische Note entwickeln. Die Three Gen 2 meistert diese Hürde mit Bravour und verhält sich vorbildlich: Sie fügt keine künstliche Helligkeit hinzu, um Details vorzugaukeln, wo keine sind, sondern liefert einfach nur Klangfarben von großer Reinheit und Natürlichkeit. Gerade die Solo-Violine fasziniert in jeder Passage mit ihrem facettenreichen Charakter in den verschiedenen Tonlagen. Das Hören bleibt vollkommen entspannt und frei von jeglicher Anstrengung.

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