tests/26-06-26_aavik
 

Aavik Acoustics R-588

26.06.2026 // Dirk Sommer

Da es bei Aufnahmen aber immer mal wieder zur Umkehrung der absoluten Phase kommt, gibt es beim Aavik die Möglichkeit, diesen Fehler zu korrigieren. Nach dem Druck auf die „Inv“-Taste auf der Fernbedienung meldet das Display „DS Optical Li“, um darauf hinzuweisen, dass die Phase beider Kanäle nun um 180 Grad gedreht ist – klingt kompliziert, ist in sich aber völlig logisch. Auf die Möglichkeit der Phasenumkehr am DS-Audio-Eingang wollte Michael Børresen keinesfalls verzichten, da es seiner Meinung nach für ein intensives Hörerlebnis sehr wichtig ist, dass die Phasenlage des Gehörten stimmt, denn offenbar würden sowohl die Sibilanten bei Frauenstimmen als auch die dynamischen Nuancen davon stark beeinflusst. Darüber hinaus kann man für photoelektrische Tonabnehmer zwischen zwei Tieftonfiltern wählen, wo das bei 50 Hertz einsetzende als Standard bezeichnet wird, das 30-Hertz-Filter aber eine Alternative darstellt, wenn man einen stärkeren Bassbereich bevorzugt. Um einer Überhöhung hoher Frequenzen bei einigen DS-Audio-Systemen entgegenzuwirken, wurden beim R-588 sanfte Hochtonfilter mit Einsatzfrequenzen von 11, 16 und 35 Kilohertz implementiert.

Auch wenn die Cinch-Buchsen anderes vermuten lassen: Die Eingangsstufe des R-588 arbeitet symmetrisch
Auch wenn die Cinch-Buchsen anderes vermuten lassen: Die Eingangsstufe des R-588 arbeitet symmetrisch

Bei allen Eingängen für photoelektrische Tonabnehmer, mit denen ich bisher zu tun hatte, gab es keine Möglichkeit der Hochtonanpassung, und beim Entzerrer aus DS Audios W3-Set habe ich bisher immer das 30- statt des 50-Hertz-Filters gewählt. Da dann aber noch deutliche Membranbewegungen zu sehen waren, die unabhängig von Schallplatte, Tonarm, Laufwerk und dem Rack auftraten, sah ich mich gezwungen, das Filter mit einer Flankensteilheit von zwölf statt sechs Dezibel zu wählen. Auch bei meiner DS-Audio-Phonokarte für den WestminsterLab-Vorverstärker hat Angus Leung die Flankensteilheit erhöht. Das extrem sanfte Hochpassfilter einer Soulnote-Phonostufe schränkte die Auslenkungen der Membran so wenig ein, dass ich hier von einem Test absah. Sie sehen schon, Filter sind bei einem photoelektrischen Tonabnehmer ein Thema. Das liegt daran, dass es sich dabei nicht wie bei Moving-Magnet- und Moving-Coil-Systemen um einen sogenannten Schnelle-, sondern Wegeaufnehmer handelt. In dieser Hinsicht weisen die DS-Audio-Tonabnehmer Ähnlichkeiten zum Soundsmith Strain Gauge auf.

Zurück zum Aavik R-588 und seinen Filtern: Nach dem kleinen Exkurs dürfte klar sein, dass der DS-Audio-Eingang mein besonderes Interesse weckt. Für eine erste Einschätzung wähle ich Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 in der Interpretation der Duisburger Philharmoniker unter Jonathan Darlington. Das Filter im Hochtonbereich ist ausgeschaltet und das Hochpassfilter mit der Einsatzfrequenz von 30 Hertz gewählt: Eine so gute Raumillusion konnte ich bisher bei dieser Aufnahme in meiner Kette nicht genießen. Die Bühne besitzt eine große Tiefe und trotz der „Entfernung“ werden die Instrumente plastisch und bestens konturiert dargestellt. Das ist keine leicht nebulöse Pseudoräumlichkeit, sondern eine konkrete, bestens fokussierte Abbildung: großartig!

Allerdings sind auch jetzt recht starke, von der Musik unabhängige Auslenkungen der Tieftöner festzustellen. Deswegen wechsele ich zum 50-Hertz-Filter, was die unerwünschten Bewegung minimiert. Im Tieftonbereich vermisse ich dennoch nichts, und auch die Balance zum Hochtonbereich, der ja bei dieser Einspielung alles andere als unterbelichtet ist, bleibt ausgewogen. Zudem spielt sich das musikalische Geschehen nun vor einem schwärzeren Hintergrund ab. Davon profitiert auch noch einmal die Feinzeichnung der Instrumente und Orchestergruppen. Die Höhen des W3 werden sehr fein differenziert, durchaus kraftvoll, aber frei von jeglicher Rauigkeit oder gar Härte wiedergegeben. Eine Notwendigkeit zur Aktivierung eines der Hochtonfilter mit flacher Flankensteilheit kann ich nicht erkennen.


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