Auf der HighEnd 24 erfuhr ich, dass für das folgende Jahr ein neues Topmodell geplant sei. Toll, ich hatte soeben einige Tausender für das Oladra G4-Upgrade ausgegeben und war mit dessen Klang sehr zufrieden. Aber das war ich mit dem K50 seinerzeit auch und mit dem ersten Oladra nicht minder. Zu meiner Freude passierte 2025 nichts. Auffällig war, dass keine Software Updates mehr angeboten wurden. Das Oladra G4-Konzept schien ausgereift. In Neuseeland dachte man über neue technische Strukturen nach. Im Zuge des neuen Konzepts wurde Antipodes Audio umgestaltet und etablierte Oladra als Markennamen für die neuen Spitzenmodelle Presence und Sentia. Auf der Antipodes Audio Website ist der Anspruch an die neuen Oladra sehr schön poetisch formuliert: Übersetzt lautet dieser in etwa so:
„Digitale Audiotechnik hat sich enorm weiterentwickelt.
Die Systeme sind leiser als früher. Präziser. Einfacher im Umgang.
Und doch scheint etwas Wesentliches außer Reichweite zu bleiben.
Musik kann beeindruckend klingen, ohne zu fesseln.
Klar, aber nicht mitreißend.
Alles scheint an seinem Platz zu sein, und doch kommt es nicht ganz an –
das Element, das die Aufmerksamkeit fesselt,
das den Wunsch weckt, zu bleiben.
Und doch ist der Moment selbst unverkennbar, wenn er sich einstellt.
Nicht immer hörbar, aber tief im Inneren spürbar.
Ein Gefühl der Präsenz.
Ein Punkt, an dem die Musik aufhört, nach Bewertung zu verlangen
und einen einfach nur in ihren Bann zieht.
Deshalb gibt es Oladra.
Das ist der Grund, warum wir überhaupt zuhören.“
Dabei sieht man bei Antipodes Audio das richtige Timing als die unabdingbare Voraussetzung für Musikalität. Denn wenn die Zeitrichtigkeit im Datenfluss nicht gegeben ist, entstünden irreparable Fehler und unwiederbringliche klangliche Verluste. So sei es auch folgerichtig, die gehörmäßige Beurteilung als höchste Instanz über die einwandfreien Messwerte zu stellen, da die in ihrer Aussagefähigkeit limitiert sind. Ein altbekanntes Thema, das Technokraten nicht gerne oder gar nicht beherzigen. Das Oladra-Konzept, so erfährt man aus Neuseeland, geht das Problem der sauberen Führung und Verarbeitung des digitalisierten Musiksignals direkt an der Quelle an: Es handele sich um einen maßgeschneiderten Audio-Computer, der als ein komplettes System konzipiert ist – vom Kern über die Stromversorgung und Erdung bis hin zum thermischen Verhalten, dem Layout und den digitalen Ausgängen –, wodurch der spätere Korrekturaufwand reduziert wird.

Das Gehäuse des Oladra Presence ist weitgehend identisch mit den Oladra-Modellen zuvor. Allein die Rückseite zeigt sich völlig anders und die Front hat ebenfalls einige Design-Änderungen erfahren. Dieses hochwertig verarbeitete, massive Gehäuse besteht aus einem einzigen Werkstück und nur der Geräteboden ist mit zwölf Schrauben befestigt und lässt sich leicht abnehmen. In diesem Boden finden sich Belüftungsschlitze. Drei Füße von Isoacoustics sind mit ihm verschraubt. Nach meiner Erfahrung mit Isoacoustics fördern diese unter anderem die Offenheit und Luftigkeit des Klangbildes. Schaut man in den Presence hinein, sieht man sofort, was Mark Jenkins und sein Entwicklerteam unter „weniger ist mehr“ verstehen. Hat man hier ein üppig bestücktes Innenleben erwartet wie es einst der K50 bot, liegt man daneben. Schon der Oladra war sehr reduziert und beim Presence haben die Neuseeländer das puristische Konzept perfektioniert. Denn unnötige Bauteile oder Platinen, Features, die dem Komfort aber nicht dem Klang förderlich sind, sind hier fehl am Platze. Hier wird die reine Lehre sichtbar realisiert. Eine aufwändige, solide Stromversorgung mit reichlich Kapazität ist die elektrische Basis. Das Netzteil selber verkraftet Eingangspannungen von 80 bis 305 Volt und ist in seinem Kunststoff-Gehäuse mit Silikon vergossen. Das dient der Wärmeableitung und eliminiert Vibrationen. Es besitzt laut Hersteller einen hohen Wirkungsgrad von 93 Prozent und verbraucht im Leerlauf weniger als 0,21 Watt. Die Stromversorgung ist die erste Stufe des Oladra Konzepts, gefolgt vom Rechenkern, der Softwareumgebung und dem digitalen Ausgang. Diese einfach wirkende Architektur ist sehr durchdacht. Das Weglassen allen Unnötigen ist zielführend und einzig an der Musik-Wiedergabe orientiert. Der stolze Preis spiegelt sich beim Oladra Presence nicht im Materialaufwand wieder. Er begründet sich vielmehr in der Entwicklungsleistung und Sorgfalt, die hier angewendet wurde, und in der Wahl der Bauteile. Dazu gehören auch die beiden ausgesuchten Festplatten von Samsung, von denen die vier Terabyte-Version zum Speichern der Musik-Files dient. Die zweite enthält das Betriebssystem.
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