
Der Century von Linear Tube Audio ist auf den ersten Blick ein klassischer, vergleichsweise kräftiger Röhren-Monoblock: Push-Pull, Class AB, vier Leistungspentoden pro Kanal, Treiberröhren und eine vollständig symmetrische Signalführung. Auf den zweiten Blick ist er das genaue Gegenteil eines konventionellen Röhrenverstärkers. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass der Century ohne Ausgangsübertrager auskommt, sondern wie er die Impedanzanpassung zwischen hochohmiger Röhrenstufe und niederohmigem Lautsprecher tatsächlich realisiert. David Bernings ZOTL-System ersetzt den klassischen Audio-Ausgangsübertrager durch einen hochfrequent arbeitenden Impedanzwandler. Das Nutzsignal wird dabei auf eine feste HF-Trägerfrequenz umgesetzt, die Röhren arbeiten weiterhin als eigentliche Verstärkerelemente, und die Impedanztransformation erfolgt über spezielle HF-Übertrager sowie Gleichrichter- und Wandlerstufen. Der wesentliche Unterschied zum klassischen Ausgangsübertrager liegt somit nicht darin, dass im Gerät überhaupt kein magnetischer Kern mehr vorkommt, sondern dass der magnetische Wandler aus dem Audiofrequenzbereich herausgenommen wird.

Genau diese Verschiebung des Problems vom Audiofrequenzbereich in einen kontrollierten HF-Arbeitsbereich ist der technische Kern der ZOTL-Idee, was uns endlich zu unseren Monos mit der folgenden Topologie bringt: Der Century ist ein vollsymmetrischer, differenzieller ZOTL-Push-Pull-Verstärker in Class AB mit einer sogenannten Screen-Drive- und Pentode-Driver-Control-Schaltung. Vier NOS-6JN6-Compactron-Strahlpentoden bilden pro Kanal die Leistungsausgangsstufe; zwei EL84 übernehmen die Treiberfunktion; 7062/E180CC und 12AU7 bilden Eingangs- und Spannungsverstärkungsstufen. Und genau jetzt wird es etwas haarig, denn es folgt ein für das Verständnis dieses Verstärkers notwendiger Ausflug in tiefere technische Gefilde.

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