Werner Möhring, der sich seit langem erfolgreich um den Vertrieb von Transparent Kabeln und die edlen Tonmöbeln von Finite Elemente kümmert, war es, der uns die Model Four zum Test anbot. Als ich auf der Website feststellte, dass die aktuellen KLH Modelle denen aus meiner Hannover-Ära extrem gleichen, war ich mit Interesse und Neugierde dabei. Es zeugt ja von fester Überzeugung, wenn ein Hersteller über so eine lange Zeitspanne seinen Grundsätzen treu bleibt und den ästhetischen Zeitgeist kaum beachtet. Oder will er sich gerade von ihm unterscheiden? Es ist das akustisch-technische Konzept des geschlossenen Gehäuses, an dem KLH Audio festhält. Dieses Prinzip bewirkt die ideale Rückstellenergie der auslenkenden Membran durch gleichwertigen Unterdruck. Die bei diesen traditionell gestalteten KLH Modellen breite Front kontrolliert das Abstrahlverhalten, und die geringe Tiefe erlaubt eine wandnahe Aufstellung. Letzteres ist in der Praxis ein wichtiger Aspekt, da die Hörraumgegebenheiten häufig eine optimalen Aufstellung von nach hinten ventilierenden Bassreflex-Konzepten in modernen, schlanken Gehäusen nicht zulassen. Wird solch prinzipiell guten und oft schönen Standboxen die entsprechende Aufstellung nicht gewährt, sind klangliche Einbußen nicht nur unvermeidlich, sondern häufig drastisch.

Es gibt die KLH Model Four in drei Ausführungen: Schwarze Esche mit grauem Stoffgitter oder weiße Eiche mit schwarzem Stoffgitter oder die unserer Testexemplare: Englischer Nussbaum mit steingrauem Stoffgitter. Das Nussbaum strahlt eine gewisse Noblesse aus, die aber mit der kühlen Optik der drei Chassis in der breiten Front nach meinem Geschmack nicht so recht harmoniert. Und so tat ich etwas, was sonst sehr selten passiert: Ich setzte die helle, auf einen Holzrahmen gezogene Frontbespannung aus Akustik-Stoff ein. Die ist ordentlich gemacht, denn die Befestigung geschieht über unsichtbar im Gehäuse eingelassene Magnete und, für den Fall, dass man die Frontbespannung wieder entfernen möchte, bietet eine kleine Stofflasche unten links den Zugriff. Besonders gefreut hat mich, dass die Frontabdeckung akustisch nicht auffiel. Sollte dadurch eine klangliche Veränderung passierenß Ich habe nichts derartiges gehört. Statt dessen tritt die KLH Four jetzt elegant und optisch untechnisch auf. Mit der Aufstellung habe ich selbstverständlich auch experimentiert. Zuerst recht frei im Raum mit viel Platz zu den Seiten und einem knappen Meter Rückenfreiheit. Beim ersten Höreindruck konnte ich trotz des doch etwas schlanken Klangbildes nicht klagen, da die Auflösung und Präzision überzeugten. Dabei erfreute die homogene und erfrischende Spielweise mit extrem guter Sprach- oder besser Gesang-Verständlichkeit zum Beispiel bei Johnny Cash American IV: The Man Comes Around. Selbst bei 60er Jahre Oldies wie Aftermath von den Rolling Stones, die nicht durch Tieftonvolumen glänzen, war die Darbietung mit dieser KLH enorm lebendig, überhaupt nicht nervig, und die emotionale Ansprache übertrug sich in Fußwippen.

Der Unterschied zur anschließenden Aufstellung direkt vor der Rückwand mit nur zehn Zentimetern oben am geneigten Kabinett und auch links und rechts jetzt von Gegenständen eingepfercht, empfand ich dann doch als spannender und richtiger, weil jetzt in den tiefen Tonlagen, vor allem bei Johnny Cash spürbar mehr Druck da war. Der belastete jedoch nicht die Genauigkeit der Detailzeichnung und vor allem nicht diese erfrischende Spielfreude. Belassen wir es also erst einmal bei dieser auch leicht nach innen gewinkelten Positionierung. Mein Hörraum ist durch einen neuen Teppich leicht schallhart, so dass ich mich über das rückseitige Angebot der Modell Four freue und es auch nutze: Oberhalb des Anschlusspaares mit vergoldeten Polklemmen, die praktisch jede Art von Kabelende aufnehmen können, befindet sich ein dreistufiger Drehschalter zur Anpassung an die Raumakustik. Der Hersteller beschreibt diesen Akustik-Balance-Schalter begrüßenswerter weise nicht als Linear und deren Abweichungen, sondern ordnet die drei Alternativen bestimmten akustischen Raumgegebenheiten zu. So sieht er „HI“ als ideal für stark gedämmte Räume mit kaum schallharten Reflexionsflächen. „MID“ nimmt im Vergleich zu „HI“ oberhalb von 400 Hertz den Pegel um 1,5 Dezibel zurück und ist der Vorschlag für viele Räume mit abwechslungsreichem Interieur. Meine Wahl fiel nach einigem Experimentieren auf „LO“ für Räume mit mehr Reflexionen. Hier wird der Schalldruck ab 400 Hertz um drei Dezibel gemildert. Werner Möhring hatte mir netterweise ein eingespieltes Paar mitgebracht, erzählte mir aber auch von bisherigen Erfahrungen, bei denen die KLH bereits out-of-the-box überzeugend aufgespielt hätten. Der Hersteller selber empfiehlt bescheidene acht Stunden als Einspielzeit. Das ist nicht nur für jedermann leicht machbar sondern auch seriös, vor allem, wenn ich an Empfehlungen anderer von 300 Stunden denke, in denen man sich dann selber an die Boxen gewöhnen kann. Nichts für ungut – aber ist doch so.