
Zu den drei Chassis in der KLH Model Four gibt es zu sagen, dass sie praktisch eine Kombination der Bestückung von Model Three und Model Five darstellen. KLH-Europa-Verkaufsleiter Dylan Turner teilte mir folgende technischen Details aus der Entwicklungsabteilung in Denver mit: „Das Modell 4 teilt einen Großteil seines technischen Kernkonzepts mit dem Modell 5, einschließlich der Treiberarchitektur und der Frequenzweichenphilosophie. Die Frequenzweiche nutzt eine Topologie zweiter Ordnung mit vier Filtern. Insgesamt kommen acht Induktivitäten und Kondensatoren sowie fünf Widerstände für die Feinstabstimmung und die Acoustic Balance Control zum Einsatz, was insgesamt dreizehn Bauteile ergibt. Die Bauteilwerte wurden speziell auf den 8-Zoll-Tieftöner, das Gehäusevolumen und die Gesamtklangfarbe des Modells 4 abgestimmt. Der 8-Zoll-Tieftöner mit hoher Auslenkung wurde speziell für ein geschlossenes Gehäuse mit akustischer Aufhängung entwickelt. Er verfügt über eine 1,5-Zoll-Flachdraht-Schwingspule, einen fluxstabilisierenden Ring aus Aluminium, einen resonanzfreien Rahmen aus Aluminiumdruckguss sowie eine robuste Antriebsgruppe, die dafür ausgelegt ist, die Kontrolle zu gewährleisten und Verzerrungen bei zunehmender Membranauslenkung zu reduzieren. Der spezielle 4-Zoll-Mitteltöner arbeitet in einem eigenen internen Gehäuse und verfügt über eine Membran aus Zellstoffpapier sowie eine inverse Gummisicke. Da er ausschließlich für den mittleren Bereich des Frequenzspektrums vorgesehen ist, kann er für den Bereich optimiert werden, in dem Stimmen und viele Instrumente am deutlichsten zur Geltung kommen. Der 1-Zoll-Hochtöner verfügt über eine Aluminiumkalotte mit einer weichen Gummiaufhängung. Das übergeordnete Ziel bestand darin, die Klangbalance, die Kohärenz, die Abbildung und den musikalischen Charakter der größeren KLH-Modelle beizubehalten und gleichzeitig das Design an das kleinere, raumfreundlichere Gehäuse des Model Four anzupassen.“

Der Model Four sprechen seine amerikanischen Entwickler die lebendigste Spielweise der gesamten Serie zu. Das scheint zu stimmen und führte die Model Four beim ersten Album, mit dem ich mich ihr intensiver widmete, A Tribute To Charlie Parker (with Strings) von Charlie Watts und seinem Quintet (BMG 1992), dank ihrer frischen und dynamischen Gangart in erfreulicher Weise vor. Bei der wandnahen Aufstellung erklingz bei dieser abwechslungsreichen Musik – besonders schön „Perdido“ als letztem Titel – das kleine Orchester extrem lebendig und mitreißend – als wollten die Musiker im Finale noch mal alles geben und all ihre Energie in diesen Abschied investieren. Das Live-Album ist mit der Model Four vom ersten Wort der Ansage bis zum letzten Takt ein spannendes Hörvergnügen. Den Schwung in der Musik transportiert dieser Lautsprecher in fantastischer Weise. Das Klangbild gestaltet sich gleichzeitig transparent aufgefächert und reproduziert ein homogenes Miteinander der Musiker mit realistisch wirkenden Klangfarben. Das gilt für sämtliche Instrumente wie auch für die Stimme von Erzähler und Sänger Bernard Fowler. Auch die räumliche Öffnung ist angenehm, jedoch nicht sehr tief, und bei aller feinen Differenzierung wird sich keine dreidimensionale Bühne gezeichnet. Das macht aber hier nichts, weil Dynamik und Auflösung sowie der Verve die Musik derart authentisch wirken lassen, dass ich hier hinsichtlich Raum absolut nichts vermisse. Der Live-Charakter wird nämlich dennoch glaubhaft vermittelt. Ich habe noch die unlängst besprochene kleine, preisähnliche Phonar Veritas M4.2 SE ganz gut im Ohr. Die spielte zarter, feiner, lieblicher. Die KLH wirkt vergleichsweise etwas draufgängerisch, was bitte nicht negativ verstanden werden soll. Beide Lautsprecher überzeugen in Sachen Nuancenreichtum, Klangfarben und Authentizität, sind aber dennoch nicht aus gleichem Holz geschnitzt, sondern sehr andersartig. Während ich die Phonar auch durchaus mal leise im Hintergrund genießen konnte, obwohl ihre klanglichen Vorzüge mich immer wieder zum Hinhören aufforderten und in ihren Bann zogen, ist die Model Four ein Lautsprecher, der mich zwingt, zuzuhören, ein Spieler, der mich am Ärmel packt und fordert: „Komm, mach mit!“. Bei sehr niedrigen, ich möchte sagen reinen Hintergrundpegeln, klingt die KLH immer noch ausgewogen, aber dann doch ruhiger, so dass man dabei auch lesen könnte. Diese Art von Spielweise ist nach meinem Gusto geradezu ideal, weil die Model Four so für beinahe alle Situationen bestens gerüstet ist.

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