Die Jahre vor der Vorpremiere des BROEN Streamers auf der letzten Audio Video Show waren bei Ferrum nach der Veröffentlichung von Hybridnetzteil HYPSOS (Teil 1 und Teil2), Kopfhörerverstärker OOR Wandler/Kopfhörerverstärker-Kombi ERCO (inzwischen als Gen2), WANDLA und WANDLA HP etwas ruhiger. Dieses Jahr folgte mit dem WANDLA Gen2 der nächste große Schritt. Ein guter Grund, sich mit VP & Chief R&D Engineer Paweł Gorgoń zusammenzusetzen und im Detail über WANDLA Gen2 zu sprechen. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, auf Audiomessen direkt mit Entwicklern ins Gespräch zu kommen, dennoch ist die Gelegenheit, ungestört für eine Stunde in Details einsteigen zu können, selten.
Paweł ist sichtlich stolz auf die mit der zweiten Generation gemachten Verbesserungen. Äußerlich sehen Gen1 und Gen2 nahezu identisch aus. Einzig die Wiederkehr einer USB-B-Schnittstelle auf der Rückseite zeugt von einer Überarbeitung. Die USB-C-Verbindung des WANDLA Gen1 steht einer USB-B-Schnittstelle technisch in nichts nach. Jedoch besitzen viele Audiophile bereits ein oder mehrere hochwertige USB-B-Kabel, der Wunsch nach einer Weiterverwendbarkeit war groß und wurde jetzt erfüllt. Für den Betrieb am Smartphone, Tablet oder modernen Notebook mit USB-C-Ausgängen steht natürlich zusätzlich nach wie vor die deutlich praktischere USB-C-Schnittstelle zur Verfügung.
Die nächste Verbesserung ist haptischer Natur. Eine hochpräzise prozessorgesteuerte analoge Lautstärkeregelung ist ein Aushängeschild des WANDLA. Bisher wurde zur Steuerung ein Encoder genutzt, der bauartbedingt immer ein leicht wackeliges Bediengefühl hinterließ. Die Lösung ist genial wie einfach. Der neue WANDLA verwendet ein unendliches Potentiometer. Es wurde ein zusätzlicher Microcontroller in seiner unmittelbaren Nähe platziert, der mit einer sehr hohen Genauigkeit (etwas mehr als 1°) die Position des Potis auflösen kann. So wird diese Rechenleistung vom Hauptrechenkern SERCE ferngehalten. SERCE muss lediglich die übermittelte Position interpretieren. Das haptische Feedback des Potis verleiht dem neuen WANDLA einen im wahrsten Sinne des Wortes High-end-Touch. Dank seiner unendlichen Rotation bleibt eine Fernbedienbarkeit der Lautstärke möglich und es ist vor allem kein Stellmotor notwendig. Das Poti selbst wird folglich überhaupt nicht zur eigentlichen Lautstärkeregelung genutzt, es agiert wie ein Encoder, gibt nur Daten weiter und die eigentlich Lautstärkeregelung findet nach wie vor im prozessorgesteuerten Analogschaltkreis statt. Einen Umstand, den ich auch in Bezug auf den Ur-WANDLA nochmals hervorheben und loben möchte. Oft erlebe ich es, dass Lautstärkeregelungen für mich nicht wirklich effektiv nutzbar sind. In den meisten Fällen ist das meiner Endstufe geschuldet, die gleichzeitig eine niedrige Eingangsspannung fordert und einen recht hohen Verstärkungsfaktor bietet. Dementsprechend sind viel Lautstärkeregelungen für mich im unteren Bereich oft viel zu laut und nicht fein genug aufgelöst. Bei einigen Geräten kommt dann noch der kaum zu vermeidende Ungleichlauf eines analogen Potis hinzu. Schon WANDLA Gen1 hat all diese Probleme trotz seines ungewöhnlich hohen Ausgangspegels nicht gemacht. Bei Gen2 soll der maximale Ausgangspegel unabhängig von der Lautstärkeregelung analog anpassbar sein.
Das Thema Lautstärkeregelung wurde aber auch im inneren des WANDLA Gen2 weiter optimiert und basiert auf einem vollkommen neuen Schaltkreis. Paweł ist davon überzeugt, dass die Lautstärkeregelung dem neuen und ebenfalls nochmals leicht besseren DAC-Chip ESS9039S jetzt ebenbürtig und absolut transparent ist. Zwischen Messungen mit aktiver und umgangener Lautstärkeregelung bestehen keine Unterschiede in THD und Intermodulationsverzerrungen. Bei einem Umgehen der Lautstärkeregelung wird diese übrigens nicht einfach nur auf 100 Prozent gesetzt, sondern gänzlich per Relais aus der Schaltung genommen. Die durch die neue Schaltung erreichte Verbesserung der Lautstärkeregelung schätzt Paweł sogar als noch relevanter ein als die Verbesserungen durch den neuen DAC-Chip. Auch die Ausgangssektion wurde überarbeitet. Die bereits sehr transparent agierenden OP-Amps des Ur-WANDLA konnten in ungünstigen Kabel/Endgerät-Kombinationen nicht in ihrem Optimalbereich arbeiten. Zusätzliche in die Schaltung integrierte Buffer sorgen bei der Gen2 dafür, dass die OP-Amps in Zukunft auch in schwierigen Konstellationen an ihrem Optimum betrieben werden.